Wirtschaftspsychologie Aktuell - Aktuelle Ausgabe

Personal

Wie entwickelt sich eine Karriere?

Redaktion

28.08.2008

Wie entwickelt sich eine Karriere? -
Wie entwickelt sich eine Karriere? -
Wie entwickelt sich eine Karriere? (Foto: mohamed-hassan_pixabay.com)

Wie entwickelt sich eine Karriere? Das war die zentrale Frage, die Donald E. Super (1910-1994) Zeit seines Lebens bewegte. Er lehrte Psychologie an der Columbia University und gilt als einer der Pioniere in der modernen Laufbahnforschung. Schon früh griff er entwicklungs- psychologische Ansätze auf und formulierte in seinem ersten Hauptwerk „Psychology and Careers“ von 1957 fünf generelle Laufbahnstadien. Später ergänzte er seine Perspektive der Lebenszeit um die des Lebensraums. Er zeigte, wie ein Mensch im Laufe seiner Entwicklung seinen einzelnen Rollen (Beruf, Freizeit, Eltern) gerecht wird, die der jeweilige Lebensraum erfordert. 

Vordergründig scheint es, dass mit den Laufbahnstadien von Donald Super ein Musterlebenslauf entworfen wird, der so in Reinform nirgends zu finden ist. Er hat jedoch nur Zeiträume skizziert, in denen – von Person und Umwelt beeinflusst – charakteristische berufliche Entwicklungen stattfinden. Schon in „Psychology and Careers“ beschrieb er häufige instabile oder wechselnde Laufbahnmuster, bei denen sich eine Person nicht auf eine Berufsausübung beschränkt, sondern oft Beschäftigung oder Art der Tätigkeit wechselt. Zur Analyse der eigenen Karriereziele innerhalb einer Berufsberatung stellen Supers Laufbahnstadien nach wie vor ein geeignetes Gerüst dar:

  • Wachstum (0-14 Jahre). In dieser Phase der physischen und psychischen Reifung entwickelt der Jugendliche langsam ein Berufskonzept. Besonders die Eindrücke aus der familiären Umgebung werden aufgenommen. Interessen und Fähigkeiten formen den ersten Berufswunsch.
  • Exploration (14-25 Jahre). Entscheiden, Ausprobieren, Verwerfen - damit ist die Explorationsphase umrissen. Ein Schüler geht seinen ersten Aushilfstätigkeiten nach. Er entscheidet sich für eine Berufsausbildung oder ein Studium und bricht die Ausbildung mitunter ab, wenn sie mit seinen Berufswünschen doch nicht in Einklang zu bringen ist. Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss winkt in dieser Phase die erste Festanstellung.
  • Etablierung (25-44 Jahre). Berufseinstieg und stetige Professionalisierung bestimmen die Phase der Etablierung. Als Young Professional hat man erste weitreichende Verantwortung, man gewinnt zunehmend Handlungswissen. Neue Aufstiegschancen werden gesucht, und sei es durch einen Wechsel des Arbeitgebers. Gegen Ende dieser Phase kann sich auch Ernüchterung einstellen. Eine berufliche Neuorientierung oder eine Selbstständigkeit können erwogen werden.
  • Erhaltung (45-65 Jahre). Die Phase der Erhaltung schreibt die gewählte berufliche Tätigkeit fort. Man wird zum Profi in seinem Bereich. Neue Führungspositionen tun sich auf. Das eigene Expertenwissen ist gefragt. Gegen Ende dieser Periode können Altersteilzeit oder Vorruhestand auch vorzeitig die Erwerbsarbeit unterbrechen.
  • Rückgang (65-X Jahre). Die beruflichen Aktivitäten nehmen ab 65 mehr und mehr ab. Die Leistungsfähigkeit kann ab diesem Alter spürbar eingeschränkt sein. Nach Super beginnt der eigentliche Ruhestand erst mit Anfang 70. Bis dahin kann ein Mensch noch aktiv und vor allem lustvoll seiner Arbeit nachgehen.