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Smartphones bewusster nutzen für mehr Wohlbefinden

Redaktion

07.01.2021

Smartphones bewusster nutzen für mehr Wohlbefinden
Damit die häufige Smartphonenutzung nicht zu Stress wird, ist ein reflektierter Umgang mit dem Handy wichtig. (Foto: Nastya Gepp / pixabay.com)

Für viele ist das Smartphone ein Segen und entsprechend häufig und vielseitig wird es genutzt. Wie aktuelle Studienergebnisse jedoch zeigen, stellen Menschen vermehrt negative Auswirkungen des Smartphones auf ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit fest. Dabei genügen schon ein paar einfache Strategien, um gesünder mit dem Smartphone umzugehen.

In den vergangenen Jahren hat sich das Smartphone zu einem zentralen Bestandteil unseres Alltags entwickelt. Wir verwenden es zur verbalen, schriftlichen und audiovisuellen Kommunikation, zur Recherche, als Uhr, Taschenlampe, Routenplaner und Terminkalender. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext macht das praktische Gerät das Leben komfortabler und wird von mittlerweile 89% der deutschen Bevölkerung genutzt, wie eine Studie mit weltweit mehr als 44.000 Befragten herausfand (Deloitte, 2020). Sogar in der Altersgruppe der über 65-Jährigen besitzen fast 80% ein Smartphone.

In den vergangenen Jahren hat die Entwicklung innovativer Angebote zu diesem Trend beigetragen: Messengerdienste wie WhatsApp, Instagram oder Facebook ersetzen den klassischen E-Mail- und Briefverkehr, Telefonate finden vermehrt in Form von Videoanrufen statt und Streamingdienste wie Netflix sowie Gaming- und Dating-Apps locken die Menschen an die Smartphones, wodurch sich die Digitalisierung des Alltags vertieft.

Aus dem Berufsalltag ist das Smartphone oftmals nicht mehr wegzudenken. (Foto: Andrea Piacquadio / pexels.com)

Insbesondere in der Arbeitswelt wird das Smartphone immer mehr verwendet

Auch im beruflichen Kontext ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch: Terminabsprachen werden in digitalen Kalendern festgehalten und geschäftliche Gespräche und E-Mails über das Mobiltelefon abgewickelt. Dadurch wird das Smartphone zum Bindeglied zwischen Arbeits- und Privatleben, sodass mittlerweile über die Hälfte der Deutschen manchmal bis sehr oft das Smartphone auch außerhalb der Arbeitszeiten für berufliche Aktivitäten nutzt.

Insgesamt erhöht sich daher die Zeit, die wir täglich mit dem Smartphone verbringen, sodass ein erheblicher Anteil der Befragten sogar stündlich überprüft, ob neue Nachrichten vorliegen.

Trotz aller Vorzüge kann eine zu starke Smartphonenutzung zur Belastung werden

Zwar ist ein zentrales Ergebnis der Untersuchung von Deloitte (2020), dass der Trend hin zur vielseitigen Verwendung mobiler Endgeräte weiter zunimmt, jedoch registrieren viele Nutzer*innen diese Entwicklung mit kritischem Blick und versuchen ihre Handyzeit zu reduzieren. Im Jahr 2019 bekundeten dies immerhin 38% der Befragten. Besonders oft gaben dafür folgende negative Begleiterscheinungen einer häufigen Smartphonenutzung den Ausschlag:

  • erhöhte Ablenkbarkeit (genannt von 35% der deutschen Befragten)
  • der Drang, andauernd das Smartphone zur Hand zu nehmen (31%)
  • späteres Schlafengehen (29%)
  • Angst, etwas zu verpassen, wenn man offline ist (21%)
  • seltenere Treffen mit Freunden und Familienmitgliedern (10%)
  • physische Schmerzen wie Kopfweh (10%) oder Augenprobleme (7%)

Dass der Konsum von digitalen Medien problematische Folgen haben kann, erläutern Fachleute seit Jahren. Wenn Menschen ungewohnt lange auf ihr Smartphone verzichten müssen, treten oft entzugsartige Symptome auf, beispielsweise Herzklopfen oder allgemeiner Stress, der laut dem IT-Experten Professor Alexander Markowetz in einem „digitalen Burnout“ münden kann. Allerdings können bereits ein paar einfache Tricks genügen, um maßvoller und gesünder mit dem Smartphone umzugehen.

Digital Detox? – Wie wir Smartphones gesünder nutzen können

Es muss kein radikaler Entzug sein, um dem Smartphone seine Macht zu nehmen. Simple Regulationsstrategien für einen bewussteren Konsum sind meistens ausreichend.

An erster Stelle steht die kritische Reflexion des eigenen Nutzungsverhaltens, wie die Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Universität München Sarah Diefenbach erklärt: Wie oft nehme ich das Smartphone in die Hand? Aus welchem Grund? Und wie geht es mir damit? Wer sich seines Handykonsums bewusst ist, nimmt nämlich schneller wahr, wenn die Handyzeit zu viel Raum einnimmt oder sich negativ auswirkt auf das Wohlbefinden.

Zusätzlich empfiehlt es sich, im Alltag dem Smartphone andere Hilfsmittel vorzuziehen. Seien es ein analoger Kalender oder eine Armbanduhr, es stellt sich schnell heraus, dass Handys nicht unersetzbar sind.

Mal anstelle des Smartphones ein Buch zur Hand zu nehmen kann sehr entspannend sein. (Foto: Cottonbro / pexels.com)

 

Angesichts der Omnipräsenz des Smartphones – es ist immer griffbereit und macht bei neuen Benachrichtigungen piepend auf sich aufmerksam – gilt es, dieser Versuchung zu widerstehen. Tragen Sie ihr Handy zu Hause nicht mit sich herum, sondern lassen Sie es in der Küche oder auf dem Balkon. Auch können Sie Push-Nachrichten und Benachrichtigungstöne abstellen, um Sie selbst zu entscheiden, wann Sie mal wieder auf das Display schauen.

Genauso wie ein Viertel der Befragten aus der Studie von Deloitte können Sie auch unnötige, „zeitfressende“ Apps löschen oder abends nach einem Buch statt nach dem Handy greifen. Und wenn Sie bei sich ebenfalls nach Feierabend beobachten, dass das Smartphone Sie zu beruflichen Aktivitäten verleitet, können Sie dem vorbeugen, indem Sie Abwesenheitszeiten festlegen, in denen Sie nicht erreichbar sind. Ihre Gesundheit und Lebensqualität werden es Ihnen danken.

Smartphones sollen uns unterstützen und nicht einengen

Alles in allem tragen Selbstbestimmung und ein ausgewogenes Verhältnis von Berufs- und Privatleben zum Wohlbefinden bei. Probieren Sie, zwischendurch innezuhalten und zu hinterfragen, welche Anwendungen des Smartphones wirklich zu Ihrer individuellen Lebensqualität beitragen und Ihnen nützen. Sie haben es in der Hand!

Literatur

Global Mobile Consumer Survey: Wie tickt der Mobilfunkmarkt?

Smartphone-Konsum am Limit?

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