Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Strategie: Mal abschalten!

23. Juni 2010

Jobstressoren – z.B. hohes Arbeitsvolumen oder negative Gefühle – ist man nicht hilflos ausgeliefert. Man kann sie eindämmen, damit sie sich als erlebter Stress nicht zu sehr in die Seele eingraben. Zum Beispiel durch Abschalten oder durch mehr Selbstbestimmung im Job. Zwei aktuelle Studien zeigen, wie man damit Arbeitsstress vermeidet.

Gedanken sickern durch

Der Arbeitsschluss ist ein grobmaschiges Sieb. Oft sickern bohrende Gedanken und Gefühle frisch vom Schreibtisch in den heiligen Feierabend durch: "Warum musste er das sagen? Und was ist, wenn sie sich bis morgen nicht meldet? Ich bin echt fertig." Stundenlang könnte man nach Dienstschluss noch seine Gedanken kreisen lassen.

Aber das ist nicht gut, wie eine neue Untersuchung von Sabine Sonnentag und Kolleginnen zeigt, gerade veröffentlicht im Journal of Vocational Behavior. Die Wissenschaftlerinnen befragten über 100 Pastoren aus der Schweiz, die oft Fulltime-Seelenklempner für eine ganze Kleinstadt sind. Konnten sie nach ihrem letzten Arbeitseinsatz gut abschalten, fühlten sie sich in ihrer Freizeit weniger erschöpft.

Das Abschalten anschalten

Abschalten können ist dabei so etwas wie die imprägnierte Psychowindjacke für die Freizeit. Kann man’s, perlt die kummervolle Resttraufe aus dem Büro an einem ab. Erlebte Arbeitsbelastung und emotionale Dissonanz im Job (man soll jemanden anlächeln, obwohl dieser unsympathisch ist) können einem so nicht mehr allzu viel anhaben. Und der Partner bekommt weniger zu hören: „Ich bin urlaubsreif“ (Erholungsbedürfnis) oder „Ich fühle mich so ausgelaugt“ (emotionale Erschöpfung).

Dieser Erschöpfung kann auch Selbstbestimmung im Job vorbeugen, wie eine weitere aktuelle Untersuchung von Remus Ilies und Kollegen in der Zeitschrift Personnel Psychology zeigt. Uni-Angestellte litten danach weniger unter ihrem Berg von Arbeit, wenn sie selbst bestimmen konnten, wann sie wie viel davon erledigten (Kontrolle im Job). Sie fühlten sich auch besser, wenn sie sagten konnten: „Mein Chef ist klasse, er unterstützt mich und meine Ziele“ (Unterstützung durch das Unternehmen).

Abschalt-Tipps

Doch vielen geht das nicht so ohne Weiteres über die Lippen. Sabine Sonnentag rät daher, das Abschalten Schritt für Schritt zu üben, z.B. durch:

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Sonnentag, S., Kuttler, I. & Fritz, C. (2010). Job stressors, emotional exhaustion, and need for recovery: A multi-source study on the benefits of psychological detachment. Journal of Vocational Behavior, 76, 355-365.

Ilies, R., Dimotakis, N. & De Pater, I. E. (2010). Psychological and physiological reactions to high workloads: Implications for well-being. Personnel Psychology, 63, 407-436.

De Bloom, J., Kompier, M., Geurts, S., de Weerth, C., Taris, T., & Sonnentag, S. (2009). Do we recovery from vacation? Meta-analysis of vacation effects on health and well-being (PDF). Journal of Occupational Health, 51, 13-25.

Mehr zu Stress und Entspannung in der Ausgabe "Herausforderung Stress"

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