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Strategie: Jobsuche mit Plan

22. Oktober 2009

Um bei der Stellensuche erfolgreich zu sein, braucht man das richtige Händchen. Internetrecherche und Bewerbungen versenden allein reicht nicht. Wie Forscher um Daniel Turban von der University of Missouri in der Fachzeitschrift Personnel Psychology jetzt zeigen konnten, kommt es bei der Jobsuche vor allem auf das planvolle Vorgehen an – und auf positive Gefühle.

Untersuchungsmethode

Die Autoren befragten insgesamt 232 Uni-Absolventen, die sich nach erfolgreichem Studium für ihren ersten Job bewarben. Die Absolventen wurden zu verschiedenen Zeitpunkten während des Bewerbungsprozesses befragt. Erhoben wurden die beiden Persönlichkeitsmerkmale Gewissenhaftigkeit und Extraversion, das planvolle Vorgehen bei der Jobsuche, die Gefühle und die Erfolgsmaße: versandte Bewerbungen, erste Einladung zum Vorstellungsgespräch, zweite Einladung zum Vorstellungsgespräch und das Jobangebot.

Gewissenhaftigkeit und Extraversion

In früheren Untersuchungen zeigte sich bereits, dass gewissenhafte und eher extrovertierte Personen bei der Jobsuche am erfolgreichsten waren. Die Autoren überprüften nun ihre Annahme, dass Gewissenhaftigkeit und Extraversion über den Weg eines planvollen Vorgehens und besonders positiver Gefühle zum Erfolg führen. Die Begründung: Akkurate Menschen suchen sich planvoller ihren neuen Job aus als weniger detailverliebte. Extrovertierten – Personen, die offen auf andere zugehen, herzlich und kommunikativ sind – fällt es leichter, auch bei einer Ablehnung ihre gute Laune zu bewahren. Pläne und positive Gefühle sind also vermittelnde Wirkfaktoren (Mediatoren) für Gewissenhaftigkeit und Extraversion.

Planvolles Vorgehen und gute Laune zahlen sich aus

In der Tat zeigte sich, dass Gewissenhaftigkeit planvolles Vorgehen vorhersagte und Extraversion zu Gefühlen führte wie „glücklich oder begeistert bei der Sache sein“. Als planvolles Vorgehen gaben die Befragten an:

Bemerkenswert ist, dass diese Schritte nur die Erfolge in der frühen Phase des Bewerbungsprozesses vorhersagten – also bei der schriftlichen Bewerbung und beim ersten Vorstellungsgespräch. Die späte Phase der Bewerbung und vor allem das Jobangebot war vor allem eine Frage positiver Gefühle. Wenn es den Bewerbern gelang, sich ihre Begeisterung zu bewahren und dies den möglichen Arbeitgebern zu zeigen, erhielten sie häufig den Zuschlag.

Der Nutzen positiver Gefühle

Positive Gefühle wirken dabei direkt und indirekt. Indirekt, indem sich optimistisch Gestimmte oft ehrgeizigere Ziele setzen als Pessimisten. Direkt, indem sie im Bewerbungsgespräch entspannter sind und sympathischer wahrgenommen werden. Die Autoren betonen, dass es nicht damit getan ist, negative Gefühle zu regulieren. Bei sich selbst Angst und Misserfolgsgedanken zu bekämpfen, trägt nur wenig dazu bei, bei der Bewerbung auch konkrete Erfolge verbuchen zu können. Nur wer in der Lage ist, sein Glücks- oder Freudeempfinden zu steigern, wappnet sich für die anstrengende Personalauslese und kann z.B. im Bewerbungsgespräch punkten. Ähnliches sagen auch die Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie: Eine positive Sicht der Dinge erweitert unsere Aufmerksamkeit und führt in den entscheidenden Situationen zu angemessenem Verhalten.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Turban, D. B., Stevens, C. K. & Lee, F. K. (2009). Effects of conscientiousness and extraversion on new labor market entrants’ job search: The mediation role of metacognitive activities and positive emotions. Personnel Psychology, 62, 553-573. Zum Abstract.

Barrick, M. R., Mount, M. K. & Judge, T. A. (2001). Personality and performance at the beginning of the new millennium: What do we know and where do we go next? International Journal of Selection and Assessment, 9, 9-30.

Fredrickson, B. L. & Losada, M. F. (2005). Positive affect and the complex dynamics of human flourishing. American Psychologist, 60, 678-686.

Kanfer, R., Wanberg, C. R. & Kantrowitz, T. M. (2001). Job search and employment: A personality-motivational analysis and meta-analytic review. Journal of Applied Psychology, 86, 837-855.

Lyubomirsky, S., King, L. & Diener, E. (2005). The benefits of frequent positive affect: Does happiness lead to success? Psychological Bulletin, 131, 803-855.

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