Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Strategie: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz messen

2. Juli 2009

Regelmäßig stressige Kundengespräche, Lärm in der Fertigungshalle – die Bandbreite von Stressfaktoren am Arbeitsplatz ist groß. Genau diese belastenden Faktoren zu finden ist für das Wohlbefinden der Mitarbeiter und die reibungslosen Abläufe im Unternehmen geradezu überlebenswichtig.

Ein neues Testverfahren

Alexandra Michel, Laura Menzel und Professor Karlheinz Sonntag von der Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie der Uni Heidelberg haben jetzt das Instrument zur Analyse psychischer Belastungen am Arbeitsplatz (IAPB) entwickelt, mit dem sich Belastungsfaktoren objektiv und subjektiv messen lassen. Erste Ergebnisse dazu haben sie in der aktuellen Ausgab der Zeitschrift Personalführung veröffentlicht.

Das Anforderungs-Kontroll-Modell

Bei der Entwicklung des Messinstruments haben sie auf das Anforderungs-Kontroll-Modell von Robert Karasek zurückgegriffen. Danach treten Fehlbelastungen dann auf, wenn die Anforderungen hoch sind, der Handlungsspielraum jedoch gering ist. Ein Beispiel: Mitarbeiter in einer Automobil-Fertigungslinie müssen einen technischen Ausfall beheben. Die Anforderungen an eine schnelle Fehlerbereinigung sind hoch, und sie müssen genau den spezifischen Fehler finden. Treten solche Belastungen häufig auf, können sie gesundheitliche Folgen wie Stresssymptome oder psychosomatische Beschwerden nach sich ziehen.

Drei Teile

Das von den Autoren entwickelte Instrument besteht aus drei Teilen: Teil A erfasst die allgemeinen Daten rund um den betreffenden Arbeitsplatz. Im Teil B werden einzelne Aufgabenbereich erfasst. Teil C ermittelt die folgenden acht Belastungs- und Anforderungsdimensionen: Arbeitskomplexität, Handlungsspielraum, Variabilität (Ausführung unterschiedlicher Aufgaben), Zeitspielraum, Verantwortungsumfang, Arbeitsunterbrechungen, Konzentrations- und Kooperationserfordernisse.

Praxiseinsatz

Das Instrument wird dann in zwei Schritten eingesetzt:

Testverfahren ist flexibel einsetzbar

Die Autoren haben das IAPB für die Kundenberatungszentren eines der größten deutschen Dienstleistungsunternehmen getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass sich das Instrument flexibel an die Anforderungen des Unternehmens anpassen lässt und eine gute Grundlage für das betriebliche Gesundheitsmanagement bietet.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Michel, A., Menzel, L. & Sonntag, K. (2009). Beanspruchung erkennen, Fehlbelastung vermeiden: Instrument zur Analyse von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Personalführung, 42 (7), 40-47. Zum Abstract.

Karasek, R. A. (1979). Job demands, job decision latitude and mental strain: Implications for job redesign. Administrative Science Quarterly, 24, 285-306.

Sonntag, K. & Spellenberg, U. (2005). Abschlussbericht Projekt SERO: Erfolgreich durch Veränderungen - Veränderungen erfolgreich managen. Universität Heidelberg: Psychologisches Institut.

Mehr zu Belastungen am Arbeitsplatz in der Ausgabe "Gesundheit"

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