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Strategie: Teamgrenzen nutzen

24. Juni 2009

In Unternehmen mit flachen Hierarchien, digitaler Vernetzung und dynamischem Umfeld wird das Arbeitsteam mehr und mehr zu wichtigsten Organisationseinheit. Es muss sich sowohl gegenüber anderen Teams abgrenzen als auch effektiv mit ihnen zusammenarbeiten, um Arbeitsressourcen sicherzustellen.

Abgrenzungsverhalten

Dieses Abgrenzungsverhalten oder „Boundary Work“ entscheidet letztlich über die Leistungsfähigkeit des Teams. Zu wenig davon kann die Teammitglieder in Rollenkonflikte bringen, zu viel davon schneidet das Team von wichtigen Ressourcen ab: finanzielle Mittel, Personal oder Informationen.

Neue Studie zum Boundary Work

Wie aber findet man das richtige Maß, um sich als Team abzugrenzen? Antworten dazu liefern Samer Faraj von der McGill University und Aimin Yan von der Boston University. Sie haben in einer Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Journal of Applied Psychology veröffentlicht ist, 64 Software-Entwicklungs-Teams mit insgesamt 290 Teammitgliedern zu ihrem Abgrenzungsverhalten untersucht. Die Autoren gingen davon aus dass folgende drei Dimensionen die Abgrenzung im Team bestimmen:

Grenzen überschreiten

Hierbei werden Teamgrenzen überwunden. Die Mitarbeiter arbeiten und kommunizieren mit Kollegen aus anderen Teams und gelangen damit an wichtige Ressourcen und Informationen. Mit anderen Worten: Sie machen Networking, sprechen bei Problemen Kollegen aus anderen Unternehmensbereichen an und sind wichtige Botschafter für ihr Team. Eine Frage in der Untersuchung lautete dazu: „In welchem Ausmaß werden die Teammitglieder aufgefordert, an Informationen oder Ressourcen außerhalb des eigenen Unternehmensbereich zu gelangen?“

Grenzen setzen

Hier werden Teamgrenzen nach außen hin unmissverständlich gezeigt. Mitarbeiter ziehen sich bewusst zurück, wenn es nicht um Aufgaben geht, die ihr eigenes Team betreffen. Sie schützen so ihr Team vor Störungen von außen und können sich auf zentrale Prozesse konzentrieren. Eine Frage dazu: „In welchem Ausmaß ist das Team durch Druck von außen geschützt, um so ungestört arbeiten zu können?“

Grenzen verstärken

Hierbei werden die Teamgrenzen nach innen hin verstärkt. Damit sind alle Aktivitäten gemeint, die die Aufmerksamkeitslenkung und Identitätsbildung in Bezug auf das Team betreffen. Dadurch werden innerpsychische Grenzen gezogen, die es den Mitarbeiter leichter machen, im Unternehmensalltag zu funktionieren. Eine Frage hieß: „In welchem Ausmaß versucht das Team ein klares Verständnis seiner Identität und Ziele zu entwickeln?“

Abgrenzung und Leistung

Die Autoren fanden in ihrer Untersuchung, dass sich alle drei Formen des Abgrenzungsverhaltens auf die Teamleistung auswirken können. Am deutlichsten waren die Zusammenhänge beim internen Grenzen verstärken: Ein ausgeprägtes Teamverständnis ging signifikant mit einer guten Teamleistung einher. Darüber hinaus zeigten die Autoren, dass die beiden Umgebungsfaktoren Ressourcenknappheit und Aufgabenunsicherheit (wenn neuartige, komplexe Aufgaben anstehen) die Beziehungen zwischen Boundary Work und Leistung vermitteln.

Abgrenzungsmanagement

Als Strategien für optimales Abgrenzungsmanagement schlagen die Autoren daher vor:

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Faraj, S. & Yan, A. (2009). Boundary work in knowledge teams. Journal of Applied Psychology, 94, 604-617. Zum Abstract.

Ancona, D. G. & Caldwell, C. (1992). Bridging the boundary: External activities and performance in organizational teams. Administrative Science Quarterly, 37, 634-665.

Marks, M. A., Mathieu, J. E. & Zaccaro, S. J. (2001). A temporally based framework and taxonomy of team processes. Academy of Management Review, 26, 356-376.

Scott, W. R. (1998). Organizations: Rational, natural, and open systems. Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall.

Mehr zu virtuellen Teams in der Ausgabe "Going global"

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