Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Strategie: Expressives Schreiben

4. Mai 2009

Bei der Beförderung übergangen, beim Meeting ausgeschlossen, ein zu niedriges Gehalt – wenn sich Mitarbeiter ungerecht behandelt fühlen, kann das verheerende Auswirkungen haben. Sie machen oft einzelne Kollegen oder ihren Chef dafür verantwortlich.

Insgeheim haben sie den Wunsch, es ihnen heimzuzahlen und holen nicht selten zum Gegenschlag aus. Je häufiger sie Ungerechtigkeit erleben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Schlaflosigkeit, eine Angststörung, Depressionen oder ein Erschöpfungssyndrom zu entwickeln.

Schreiben als Ausweg

Einen viel versprechenden Ansatz, dem entgegenzuwirken, stellen Laurie Barclay und Daniel Skarlicki von der University of British Columbia, Kanada, in der aktuellen Ausgabe des Journal of Applied Psychology vor. Sie führten mit 100 Personen, die schon einmal Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz erlebt hatten, mehrere Sitzungen zum expressiven Schreiben durch.

Dabei variierten sie die Instruktion für die Teilnehmer, entweder nur die Gefühle, nur die Gedanken, oder beides – Gedanken und Gefühle – schreibend zu verarbeiten. Am wirksamsten war, wenn die Teilnehmer über beides berichteten. Das Vorgehen sah dabei folgendermaßen aus:

Situation vorstellen

Zunächst sollten sich die Teilnehmer eine Situation herausgreifen, bei der sie am Arbeitsplatz ungerecht behandelt wurden. Diese Situation sollte in den nachfolgenden Sitzungen bearbeitet werden.

Expressives Schreiben

Jede Person nahm an insgesamt fünf Sitzungen à 20 Minuten teil, in der sie schreiben sollten. Die Instruktion lautete dazu: „In dieser Sitzung möchte ich Sie bitten, über Ihre Gefühle und Ihre Gedanken zu schreiben, die mit der ungerechten Behandlung an Ihrem Arbeitsplatz verbunden waren. Bitte schreiben Sie über ihre Gefühle und Gedanken, die sie am meisten bewegten (z.B. mit den Formulierungen „Ich fühlte…“, „Ich dachte…“, „Ich glaubte…“). Das von Ihnen Geschriebene wird absolut vertraulich behandelt. Achten Sie nicht auf Ausdruck, Satzbau oder Grammatik. Schreiben Sie einfach über Ihre Gefühle und Gedanken. Bitte schreiben Sie insgesamt 20 Minuten lang.“

Fragebogen ausfüllen

Nach den fünf Sitzungen füllten die Teilnehmer Fragebögen aus, mit denen die Wirksamkeit der Sitzungen erfasst wurde. Erhoben wurden körperliche Symptome, Wohlbefinden, Ärger und die Tendenz zur Vergeltung.

Abschlussgespräch führen

Danach führten die Teilnehmer mit den Trainern ein Abschlussgespräch, in der noch einmal die Situation bearbeitet wurde. Es wurde über mögliche Auslöser, Bewältigungsstrategien und momentane Gefühle gesprochen.

Weniger Ärger und Rachegelüste

Die Ergebnisse der Untersuchung sprechen für sich. Nach den fünf Sitzungen gaben die Teilnehmer an, dass sich ihr Ärger reduziert hatte, sie weniger über Vergeltung nachdachten und sie sich wohler fühlten als die Teilnehmer aus den Kontrollgruppen. Zudem berichteten sie, dass sich die Situation für sie gelöst habe.

Mit der Untersuchung wird erstmalig aufgezeigt, wie mit expressivem Schreiben erlebte Ungerechtigkeit auf der Ebene der Betroffenen angegangen werden kann. Wenn die Aufzeichnungen der Mitarbeiter vertraulich behandelt werden, kann expressives Schreiben auch im Unternehmen dazu beitragen, negative Gefühle besser zu regulieren.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Laurie J. Barclay, Daniel P. Skarlicki (2009). Healing the wounds of organizational injustice: Examining the benefits of expressive writing. Journal of Applied Psychology, 94 (2), 511-523.

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