Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Strategie: Mentales Training am Arbeitsplatz

28. Januar 2009

Das Mentale Training ist aus dem Hochleistungssport bekannt. Dabei erarbeitet sich der Sportler zunächst eine möglichst lebhafte Vorstellung der Bewegungsabläufe, verdichtet sie in der Vorstellung auf die wichtigsten Knotenpunkte und trainiert dann mental, d.h. führt sich diesen Bewegungsablauf ein- bis dreimal täglich jeweils 10 Minuten lang vor Augen.

Neues Fachbuch "Mentales Training"

Dr. Jan Meyer und Dr. Hans-Dieter Hermann, beide Professor für Sportpsychologie an der Fachhochschule für angewandtes Management, haben gerade ihr neues Fachbuch "Mentales Training" veröffentlicht. Darin geben sie einen Überblick über die Grundlagen, Vorgehensweisen und Anwendungsbereiche des Mentalen Trainings.

Mentales Training für die Arbeit

Dieses ist auch am Arbeitsplatz einsetzbar, wenn es darum geht, Lernleistung, Entscheidungsqualität und Handlungseffizienz z.B. im Bereich der Produktion zu verbessern. Die Autoren greifen zur Veranschaulichung auf das Training mit heuristischen Regeln von Karlheinz Sonntag und Niclas Schaper zurück, das dem Mentalen Trainings weitestgehend entspricht. Das Vorgehen für das Mentale Training am Arbeitsplatz sieht danach folgendermaßen aus:

Aufgabenanalyse

Mit der Aufgabenanalyse wird festgelegt, welches die wichtigsten leistungsbestimmenden Tätigkeiten sind. Zudem werden die Vorgehensweisen bestimmt, mit denen die Tätigkeiten optimal ausgeführt werden können. Das Ergebnis dieser Aufgabenanalyse ist ein Ablaufschema mit den zentralen Aufgaben.

Aufstellen der Regeln

Für die Aufgaben werden nun die heuristischen Regeln festgelegt. Dabei ist wichtig, dass die Regeln so spezifisch formuliert sind, wie es die Aufgaben verlangen, dass sie von der Zielgruppe verstanden werden und Aufforderungs- oder Bewältigungscharakter haben.

Die Regeln für einen Elektroingenieur, der einen Schaltplan entwerfen soll, sehen z.B. folgendermaßen aus:

  1. Machen Sie sich gedanklich ein Bild von der Schaltung
  2. Entwerfen Sie eine Grobskizze von der Schaltung
  3. Zeichnen Sie erst danach die Details
  4. Gehen Sie Schritt für Schritt bei der Lösung vor
  5. Überprüfen Sie Ihren Entwurf durch eine systematische Signalverfolgung“ (Meyer & Hermann, 2009, S. 208).

Training

Im Training wird dem Mitarbeiter, die diese Regeln erlernen sollen, zunächst Sinn und Zweck des Trainings erklärt. Dann zeigt man ihnen anhand eines Modells, wie die Regeln praktisch eingesetzt werden. Erst dann trainieren die Mitarbeiter und zwar in Zweiergruppen: einer führt die Arbeitsschritte aus, indem er sich zunächst laut und dann gedanklich die Regeln vorsagt, der andere gibt ihm Rückmeldung über den Erfolg der Arbeitsausführung.

Kosten und Nutzen

Dem zeitlichen und finanziellen Aufwand des Trainings steht sein Nutzen gegenüber: Tätigkeitsrelevante und wirksame Regeln werden aufgestellt, ineffektives Verhalten kann abgestellt werden und Qualität und Quantität der Arbeitsleistung nehmen zu.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Jan Mayer, Hans-Dieter Hermann (2009). Mentales Training. Grundlagen und Anwendung in Sport, Rehabilitation, Arbeit und Wirtschaft. Heidelberg: Springer. Mehr zum Fachbuch „Mentales Training“ von Jan Mayer und Hans-Dieter Hermann beim Springer-Verlag.

Karlheinz Sonntag, Niclas Schaper (1988). Kognitives Training zur Bewältigung steuerungstechnischer Aufgabenstellungen. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 32, 128-138.

Mehr zu Gesundheitsförderung in der Ausgabe "Gesundheit"

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv