Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Strategie der Woche: Beobachtertraining

4. November 2008
Viele bekommen schon ein unangenehmes Kribbeln im Bauch, wenn sie nur an Assessment Center (AC) denken: der Stress sich zu präsentieren, die rasche Abfolge der Einzeltests etc. Doch auch die Beobachter eines AC haben es nicht leicht. Normalerweise werden als Beobachter Linienvorgesetzte der Zielposition und externe Psychologen/Berater eingesetzt. Ein Beobachter schätzt dabei ca. zwei AC-Teilnehmer ein. Konkret vergibt der Beobachter für die jeweilige Einzelübung (z.B. Gruppendiskussion, Postkorb, Präsentation) Noten hinsichtlich vorher festgelegter Anforderungen (z.B. logisches Denken, Initiative, Leistungsverhalten, soziale Kompetenz, Führung). Im Beobachtertraining sollen die Beobachter lernen, ihre Wahrnehmung exakt festzuhalten. Mögliche Beobachtungsfehler sollen ausgeschaltet werden. Zudem werden die Daten – Beschreibung und Beurteilung – einheitlich erhoben. Ein typischer verbessern. Dabei werden verschiedene prototypische Verhaltensweisen für die einzelnen Dimensionsausprägungen vorgestellt. Nur so ist gewährleistet, dass alle Beobachter mit ihrer Beurteilung dasselbe meinen. Schließlich kann noch die Beobachterfehler ist der Haloeffekt, bei der bestimmte Eigenschaften der Person (z.B. gutes Aussehen) das Urteil „überstrahlen“ und damit verfälschen. Die Beobachter werden auf diese Fehlermöglichkeiten hingewiesen, und sie lernen in konkreten Übungen diese zu unterscheiden und zu vermeiden. Den Beobachtern werden auch konkrete Verhaltensweisen der Anforderungsdimensionen nahe gebracht: Ist akkurates Arbeiten Ausdruck von Leistungsverhalten? Sollte man lautes Reden und dominantes Auftreten eher zur sozialen Kompetenz oder zum Führungsverhalten zählen? Die Beobachter müssen das relevante Verhalten der Teilnehmer: 1) überhaupt wahrnehmen, 2) der richtigen Anforderungsdimension zuordnen und 3) die Ausprägung des Verhaltens auf der Dimension durch Notenvergabe beurteilen. Diese Beobachterleistung lässt sich durch ein BezugsrahmentrainingAbschlusskonferenz trainiert werden. In der Abschlusskonferenz einigen sich die Beobachter für jeden Teilnehmer auf ein Abschlussurteil. Problematisch können diese Urteile sein, wenn sich eine mehrheitliche Meinung durchsetzt, die auf nur wenigen Anforderungsdimensionen beruht. Einige Experten wie z.B. Paul Sackett schlagen daher vor, auf eine Abschlusskonferenz zu verzichten und stattdessen auf ein errechnetes Gesamturteil (einfache Mittelwertbildung oder gewichtete Mittelung) zurückzugreifen.

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