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Strategie

Internationale Zusammenarbeit verlangt global denkende Manager

24. April 2018

Multinationale Unternehmen aber auch Firmen, die auf internationalen Märkten agieren, stellen andere Anforderungen an ihre Führungskräfte als regional oder national agierende. Ähnliches gilt für Unternehmen, in denen die Belegschaft aus Menschen verschiedener Kulturkreise besteht. So ist ein Bedarf nach Weiterbildung entstanden, den verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Konzepten wie z.B. „Global Mindset“ bedienen. Ihre Trainings gehen weit über die Vermittlung interkultureller Kompetenzen hinaus, wie sie seit Jahren angeboten wird.

Länderübergreifende Aktivitäten erfordern ein Global Mindset

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Nach Dr. Jörg Hrubys Einschätzung fehlen vielen Unternehmen geeignete globale Manager, die bereit und in der Lage sind, große geografische und kulturelle Dissonanzen auszubalancieren. Jörg Hruby, der zu einem kognitionspsychologischen Thema promoviert hat, ist Lehrbeauftragter an der International School of Management in Dortmund und Geschäftsführer des Steinbeis-Beratungszentrums „Global Mindset und Leadership“. „Länderübergreifende Aktivitäten zwingen dazu, die eigenen Denkstrukturen zu reflektieren, gegebenenfalls zu überdenken und anzupassen, um so Schritt für Schritt ein Global Mindset zu entwickeln. Unter täglichem Handlungsdruck bleibt Unternehmen nichts anderes übrig als die globalen Leader selbst auszubilden“, so Hruby. Auf den Bewerber zu warten, der mit den erforderlichen Persönlichkeitseigenschaften und Fähigkeiten bereits auf die Welt gekommen ist, sei ziemlich aussichtslos. Der „war for talents“ sei bereits in vollem Gange und geeignete Kandidaten häufig schon anderswo unter Vertrag.

Ausbildungskandidaten benötigen vor allem Lernbereitschaft und Selbstreflexion

Kandidaten für diese Ausbildung müssen über gewisse Führungseigenschaften, Kompetenzen, Wissen und vor allem Lernbereitschaft und die Fähigkeit zur Selbstreflexion verfügen. Auch diese Eigenschaften ließen sich entwickeln, doch ein paar Voraussetzungen seien unerlässlich. Offenheit gegenüber Neuem gehöre zweifelsfrei dazu. „Je offener jemand der Welt gegenübersteht, desto eher ändert diese Person ihre Denkweise.“ Kaum jemand hinterfragt aus eigenem Antrieb seine Sicht der Dinge. Das geschieht mit Hilfe von Coaches, Trainern oder Mentoren.

Erfahrungsbasierte Trainingsmethoden zielführend

So zwingend wie Offenheit seien Fremdsprachenkenntnisse. Erfahrungsbasierte Methoden hält Hruby im Training für zielführender als didaktische. „Die kognitive Verhaltenstherapie, aufmerksamkeitsbasierte Trainingsmethoden oder eine psychoanalytische Therapie können rigide Denkmuster aufbrechen. Am Anfang stehen aber die Bereitschaft und Motivation, sich selbst zu verändern und sich neuen Erfahrungen zu widmen.“ Einstellungen ließen sich nur über positiv gemachte Erfahrungen verändern. Gruppencoachings mit einer gewissen Dynamik haben sich in diesem Punkt als zielführend erwiesen. Ein Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern ist der Schlüssel zum Erfolg um maladaptive Denkschemata aufzubrechen.

Vier Ebenen für Global Mindset-Trainings

Im Gespräch mit „Wirtschaftspsychologie aktuell Online“ beschreibt Hruby vier Ebenen für die Trainings, mit denen ein Global Mindset“ aufgebaut werden kann: Eine kognitive, eine affektiv-emotionale, eine verhaltensorientierte und eine kulturelle. Diese seien für jeden Probanden individuell verschieden zu konzipieren. „Auf Ebene eins müssen die Teilnehmer den Umgang mit Ungewissheit, Mustererkennung, Offenheit und Neugier üben. Eine Kultur des Experimentierens muss auf dieser Ebene gefördert werden.“ Selbstmanagement und Selbststudium von globalen Nachrichten, Zeitungen, Publikationen und Industriereports seien dafür ein guter Anfang. Um die Frage, wer man selbst ist, wie man denkt, Dinge wahrnimmt, wie man Konflikte löst und verarbeitet, geht es dann auf Ebene zwei. Hier wird durch die Kenntnis des eigenen Selbstkonzepts psychologisches Kapital aufgebaut, während Ebene drei um Körpersprache, Umgang mit Emotionen und soziales Netzwerken kreist. „Lernerfahrungen im Ausland sind dafür unumgänglich: die Bereitschaft mit Anderen in Kontakt zu treten, die Fähigkeit, kommunikativ zu sein, flexibel, bescheiden und der feste Wille, aus Erfahrungen etwas Positives mitzunehmen und immer weiter zu lernen.“

Interkulturelle Kompetenz galt lange als ausreichend

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Als Ebene vier beschreibt er das, was über Jahre als ausreichend galt: interkulturelle Kompetenz und Anpassungsfähigkeit, interkulturelles Verständnis. Die globalisierte Wirtschaft verlangt aus seiner Sicht viel mehr als das. „Bei der Entwicklung eines Global Mindset geht es um das Entdecken, sowohl persönlich als auch interaktionell. Neues Wissen wird geschaffen durch Handlungen, Entscheidungen, Erfahrungen und Lernprozesse. „Experiential Learning“ und „Reflective Learning“ Ansätze im interkulturellen Kontext sind besonders vielversprechend. Gefühle brauchen länger bis sie sich anpassen. Mit anderen Worten: Es braucht Zeit zur Reflexion.“ Immer mehr Unternehmen entwickelten dafür Verständnis und böten ausgewählten Führungskräften die Chance, sich in komplexen Trainings zu globalen Leadern zu entwickeln.

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