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Strategie

Sich einengen und kreativer werden

29. August 2016

Mit einengenden Vorgaben schreiben Studenten geistreicher, als wenn sie frei wählen können. Sich einengen kann also kreativer machen. Das fand eine Psychologin aus New Jersey heraus.

Herzlichen Glückwunsch

Zwänge machen kreativ. Diese Annahme testete Catrinel Haught-Tromp von der Rider University. In der Onlineausgabe der Fachzeitschrift Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts berichtet sie darüber. Angeregt wurde sie von „Dr. Seuss“, alias Theodore Geisel, der in den 1960ern von seinem Verleger angehalten wurde, ein Kinderbuch mit nur 50 Wörtern zu schreiben. Herauskam das lustige Reimfeuerwerk „Grünes Ei mit Speck“.

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Die Psychologin führte zwei Experimente mit insgesamt 112 Studenten durch. Sie sollten einen Zweizeiler für eine Grußkarte reimen. Acht Themen waren vorgegeben, etwa „Gute Besserung“, „Herzlichen Glückwunsch“ oder „Ich liebe dich“. In der Zwang-Bedingung musste ein weiteres Wort eingewoben werden: im ersten Experiment eines von acht vorgegebenen (z.B. „Hund“), im zweiten eines von vier, die einem gerade in den Sinn kamen (z.B. „Feder“). Bei der Ohne-Zwang-Bedingung konnten die Teilnehmer frei dichten. Alle reimten unter beiden Bedingungen, wobei eine Gruppe zuerst mit Vorgabe und dann frei kritzelte, die andere zunächst frei und am Ende mit Einschränkung.

Hundeknochen, Federn

Die Aufgabe mit der Auflage, ein sachfremdes Wort einzubauen, wurde entschieden kreativer und lustiger gelöst. Die Verse zu den Themen „Ich liebe dich“ und „Gute Besserung“ gerieten zum Beispiel zu:

Ich liebe dich wie einen Hundeknochen,
wie Teenies, die auf ihrem iPhone kochen.

In Stürmen mit Leder erlebte ein jeder
selbst herrische Tage als hauchfeine Feder.

Flachere Zweizeiler

Wer frei zwei Grußzeilen aufschrieb, kam zu gewöhnlicheren Sätzen, beispielsweise zu den Themen „Gute Besserung“ und „Herzlichen Glückwunsch“:

Ich schreib dir diesen Brief aus Schwedt,
damit’s dir wieder besser geht.

Herzlichen Glückwunsch heute,
es kommen wohl viele Leute.

Außerdem zeigte sich ein Abfärbungseffekt. Wer zuerst mit Wortvorgabe dichtete, war auch im zweiten Durchgang, ohne Vorgabe, kreativer. Die Originalität, durch Zwang beflügelt, färbte ab.

Erzwungene Ausbrüche

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Verschärfte Bedingungen regten also den Geist an und bestätigten, was beispielsweise schon Marissa Mayer, CEO von Yahoo, mutmaßte: „Kreativität gedeiht am besten, wenn etwas eingeschränkt ist.“ Catrinel Haught-Tromp fordert dazu auf: „In der Praxis sollte man sich immer wieder einen Weg durch unerforschtes Gelände bahnen. Zwänge helfen letztendlich dabei auszubrechen und sich zu befreien.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Catrinel Haught-Tromp (Rider University). (2016). The Green Eggs and Ham Hypothesis: How Constraints Facilitate Creativity [Abstract]. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, Online First Publication.

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