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Strategie

Einfühlsam mit Erschöpfung umgehen

22. August 2016

Wenn Mitarbeiter erschöpft sind, senken die meisten Manager deren Arbeitslast und reden einfühlsam mit ihnen. Das sind zugleich die wirksamsten Techniken, die bei dauerhafter Überforderung helfen, wie eine neue Interviewstudie zeigt.

Manager im Gespräch

Die Psychologin Caroline Kranabetter hat für ihre Dissertation an der Universität Erlangen 48 Führungskräfte jeweils 35 Minuten lang dazu befragt, wie sie mit erschöpften Mitarbeitern umgehen. Im Journal of Personnel Psychology berichtet sie darüber.

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Erschöpfung lag vor, wenn Mitarbeiter über „körperliche Abgeschlagenheit und geistige Ermüdung“ klagten oder deswegen nicht mehr gut arbeiten konnten (S. 107). Die häufigsten und erfolgreichsten Strategien, die die Manager dabei anwendeten, waren:

Aufgaben abgezogen

Aufgaben neu regeln. 75 Prozent sagten, dass sie ausgelaugten Angestellten andere oder weniger Aufgaben gaben. Einer gab zu Protokoll (S. 110): „Ich habe ihm weniger Projekte gegeben, Aufgaben von ihm abgezogen, ihm versichert, dass nichts Neues mehr kommt.“ Dieses Redesign der Arbeit war auch am wirksamsten. 50 Prozent derjenigen, die es umsetzten, berichteten über einen Rückgang der Erschöpfung beim Mitarbeiter.

Gefühlsmäßig unterstützen. 65 Prozent sorgten im Vieraugengespräch für eine angenehme Atmosphäre: „Wir hatten ein sehr vertrauensvolles Gespräch. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn wirklich unterstützen werde.“ 40 Prozent wollten Gefühle wie Zuversicht oder Sicherheit beim Gegenüber erzeugen: „Ich habe versucht, sie zu ermutigen und ihr aufgezeigt, welche Ressourcen es gibt.“ In 45 Prozent der Fälle, in denen gefühlsmäßig unterstützt wurde, klang das Ausgelaugtsein ab.

Das muss sich ändern

Erwartungen äußern. 65 Prozent der Chefs verlangten, dass sich etwas tut: „Ich habe ihm gesagt, dass es nicht gut ist, wie er sich gerade verhält. Das muss sich schnell ändern.“ Diese klaren Ansagen waren mit bis zu 20 Prozent nutzbringend.

Hilfe anbieten. 54 Prozent wollten helfen, sicherten ihrem betroffenen Mitarbeiter zu, dass sie selbst etwas tun würden: „Ich habe ihr angeboten, verschiedene Dinge zu unternehmen.“ Die Erfolgsquote der persönlichen Hilfe lag bei 20 Prozent.

Für entlastende Struktur sorgen

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Am besten war also, die Arbeit neu zu regeln und gute Gefühle anzuregen. Beides entspricht den beiden grundsätzlichen Verhaltensweisen guter Führung, die schon seit den 1950er Jahren an der Ohio State University nachgewiesen wurden: Struktur geben („Initiating Structure“) und Mitarbeiter schätzen („Consideration“).

Da eine entlastende Struktur etwas wirksamer als wohlwollender Umgang war, rät Caroline Kranabetter dazu, bei abgespannten Mitarbeitern noch stärker auf Ersteres zu setzen (S. 112):

„Wenn es darum geht, erschöpften Mitarbeiter zu begegnen, scheint es besonders wichtig, Aufgaben und Arbeit neu zu regeln. Die Forschung zur Mitarbeitergesundheit richtet sich häufig auf die Beziehungsarbeit der Führung, also darauf ‚wie etwas getan werden muss‘. Unsere Studie streicht hingegen heraus, dass man nicht vergessen darf, ‚was getan werden muss‘.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Caroline Kranabetter & Cornelia Niessen (Friedrich Alexander University of Erlangen-Nuremberg). (2016). How Managers Respond to Exhausted Employees [Abstract]. Journal of Personnel Psychology, 15, 106-115.

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