Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Strategie

Motivierende Berufsberatung wirkt

30. Juni 2016

Eine motivierende Berufsberatung – offene Fragen, Nachdenken, Selbstständigkeit betonen – führt dazu, dass Klienten zuversichtlicher über ihre berufliche Planung sprechen und Karriereziele beherzter angehen. Das fanden Braunschweiger Arbeitspsychologen heraus.

Zwiespältigkeit auflösen

Berufliche Entscheidungen sind häufig zwiespältig: Soll ich Designer oder Programmierer werden? Muss ich die Beförderung annehmen oder nicht? Ich möchte Teamleiter werden, fühle mich aber dazu unfähig. Berufsberater können mit einer motivierenden Gesprächsführung, bei der viel nachgefragt und zum Nachdenken angeregt wird, diese Zwiespältigkeit auflösen. Am Ende sieht der Klient klarer, hat ein Ziel und freut sich, es anzugehen.

Fünfzehnmal nachdenken

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Florian Klonek vom Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie der Technischen Universität Braunschweig und seine Kollegen haben diese motivierende Berufsberatung untersucht, wie sie im Journal of Vocational Behavior berichten. Sie nahmen von 14 Studenten technischer Fächer, die sich von einem Psychologen beruflich beraten ließen, jeweils zwei Sitzungen mit Video auf. Dann werteten sie aus, was Berater und Klienten sagten. Eine motivierende Berufsberatung lag vor, wenn folgende Kriterien erfüllt waren:

„Ich habe mich beworben“

Die Berufsberater waren nicht sehr motivierend. Obwohl jeder der Psychologen insgesamt 160 Stunden Training in der Berufsberatung vorweisen konnten, führten sie die Gespräche insgesamt nicht sehr motivierend. Ihre Fragen waren nur zu 50 Prozent offen. Sie forderten die Studenten durchschnittlich nur dreimal pro Sitzung auf nachzudenken. Und sie redeten die Hälfte der Zeit selbst.

Weniger Zwiespältigkeit im Laufe der Sitzungen. In der zweiten Sitzung waren die Studenten deutlich weniger hin- und hergerissen. Sie sprachen positiver von ihrer Karriere, z.B. „Ich habe mich für ein Praktikum beworben“ oder: „Mir ist aufgegangen, dass eine meiner Stärken ist, mit Menschen zu arbeiten.“ Negative Äußerungen wie „Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich hilft“ nahmen ab.

Motivierende Gesprächsführung machte zuversichtlicher. Außerdem ließ sich der erwartete Zusammenhang zwischen der Gesprächsführung und den Absichten der Studenten zeigen. Je häufiger ein Berater offene Fragen stellte und zur Reflexion anhielt, desto zuversichtlicher sprachen die Studenten über ihre beruflichen Absichten. Sie redeten dann über Berufswunsch, Stärken, Bedürfnisse, Entscheidungsgründe, Engagement und nannten genaue Schritte, wie sich all das umsetzen ließ.

In sich gehen

Geprüfte Fachinfos
Jetzt zwei neue Hefte der Zeitschrift lesen.
Hier mehr erfahren.

Die Forscher fassen zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Berater, die das Gespräch motivierend führen (offene Fragen, zum Nachdenken anregen, Selbstständigkeit betonen), dem Klienten ermöglichen, über seine Karriereplanung und seine persönliche Entwicklung zu sprechen. Berater, die nicht besonders motivierend reden (z.B. nur Informationen zur Berufsplanung geben), verhindern hingegen, dass Klienten zuversichtlich über ihre Karriere reden.“

Eine wichtige Schlussfolgerung: Berufsberater sollten in motivierender Gesprächsführung trainiert werden. Die untersuchten Berater waren zwar ausgebildet. Ihre Weiterbildung war aber nicht auf motivierende Gespräche zugeschnitten. Trotzdem wurde ein entsprechender Effekt gefunden, was unterstreicht, wie durchschlagend offene Fragen und In-sich-gehen sein können.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Florian E. Klonek, ElisabethWunderlich (Technische Universität Braunschweig, Institute of Psychology), Daniel Spurk (University of Bern, Institut für Psychologie, Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie), Simone Kauffeld (Technische Universität Braunschweig, Institute of Psychology). (2016). Career Counseling Meets Motivational Interviewing: A Sequential Analysis of Dynamic Counselor–Client Interactions [Abstract]. Journal of Vocational Behavior, 94, 28-38.

Mehr zu Karriere, Berufswahl und Beratungsgespräche: Hier in die Wirtschaftspsychologie aktuell hineinschnuppern.

Der Chef im Schlafzimmer: Ärgerlich, wenn jetzt durch Algorithmen Karrierewünsche durchleuchtet werden.

Ein Forscherteam hat Lichtblicke während der Berufsberatung untersucht: Handeln, Nachdenken, Widerspruch, Neuentwurf und Veränderung.

Karriereschocks führen dazu, dass man sich weiterbilden oder nochmal studieren will.

Im Themenschwerpunkt „New Work“ stehen Forschungsergebnisse zu neuer Arbeit, Psychoinformatik, Industrie 4.0, Kundenerlebnis-Unternehmen, Abschied vom Schreibtisch und Werten.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.

Seminare zu Personalmanagement oder Führung bietet die Deutsche Psychologen Akademie an.