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Strategie

Aus dem Job eine Berufung machen

24. März 2016

Teilnehmer, die vier Wochen lang vier zentrale Stärken bei der Arbeit umsetzten, fühlten sich danach zu ihrer Arbeit berufener und waren zufriedener. In einer Kontrollgruppe tat sich hingegen nichts, wie eine neue Studie Zürcher Psychologen zeigt. Aus dem Job lässt sich also eine Berufung machen, die guttut und heilsam ist.

Vier Wochen Wenn-Dann-Pläne

Alle Hefte im ÜberblickClaudia Harzer und Willibald Ruch von der Universität Zürich haben untersucht, ob ein Stärkentraining zufriedener macht. Ihre Ergebnisse sind im Journal of Happiness Studies nachzulesen. 152 Berufstätige nahmen an der Studie teil. Eine Hälfte bekam ein Stärkentraining, die andere ein Kontrolltraining. Das Stärkentraining sah so aus:

  1. Die Teilnehmer schätzten sich auf einer Internetseite hinsichtlich 24 positiver Eigenschaften ein, z.B. Kreativität, Ausdauer, Freundlichkeit, Teamgeist, Bescheidenheit oder Humor.
  2. Vier Eigenschaften davon, bei denen sie die höchsten Werte hatten, wurden ermittelt, die sogenannten zentralen Stärken („signature strengths“).
  3. Die Teilnehmer sollten sich Handlungen überlegen, mit denen sie die vier zentralen Stärken täglich bei der Arbeit umsetzen konnten.
  4. Für diese Handlungen sollten sie sich Wenn-Dann-Pläne überlegen, z.B. „Immer wenn ein Kollege ins Zimmer kommt, sage ich etwas Lustiges.“
  5. Diese Sätze wurden zu einem Trainingsplan zusammengefasst, den sich die Teilnehmer ausdrucken konnten.
  6. Den Trainingsplan sollten sie die nächsten vier Wochen bei der Arbeit umsetzen.
  7. Direkt, drei Monate und sechs Monate nach Trainingsende wurde gemessen, ob sich die Teilnehmer zu ihrer Arbeit mehr berufen fühlten, also mehr Leidenschaft für ihre Tätigkeit entwickelt hatten. Außerdem wurde geschaut, ob sie insgesamt zufriedener wurden.

Diejenigen, die am Kontrolltraining teilnahmen, dachten vier Wochen lang darüber nach, was sie bisher in vier verschiedenen Umgebungen taten: in der Familie, mit Freunden, in der Schule und das erste Jahr in ihrem Job. Was kam heraus?

Leidenschaftlicher, glücklicher

Mehr Berufung. Nach dem Stärkentraining nahmen die Teilnehmer eine stärkere Berufung für ihre Arbeit wahr, z.B.: „Wenn ich mich anderen gegenüber beschreibe, ist das erste, woran ich denke, dass ich Manager bin.“ Diese gestiegenen Leidenschaftswerte hielten bis sechs Monate nach dem Training an. In der Kontrollgruppe veränderte sich das Berufungsgefühl hingegen überhaupt nicht.

Mehr Lebenszufriedenheit. Jene, die das Stärkentraining durchliefen, waren danach allgemein zufriedener („Ich bin mit meinem Leben zufrieden.“). Diese Zufriedenheit nahm über sechs Monate nach dem Training hinweg sogar noch stetig zu. Beim letzten Messzeitpunkt, sechs Monate nach Trainingsende, waren die Stärkentrainierten deutlich zufriedener als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. In dieser veränderte sich nichts hinsichtlich der Lebenszufriedenheit.

Berufung tut allen gut

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Teilnehmer des Stärkentrainings konnten also aus ihrem Job eine Berufung machen, indem sie ihre vier zentralen Stärken bei der Arbeit umsetzten. Das ist, wie die Autoren betonen, eine „Win-win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.“ Denn die Berufungsforschung zeigt, dass Mitarbeiter, die sich zu ihrem Job berufen fühlen, zufriedener sind, seltener fehlen, weniger stehlen, mehr leisten, gesünder und freundlicher sind.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Claudia Harzer & Willibald Ruch (Department of Psychology, University of Zurich). (2016). Your Strengths are Calling: Preliminary Results of a Web-Based Strengths Intervention to Increase Calling [Abstract]. Journal of Happiness Studies, Online First Articles.

Einen Überblick zur Berufungsforschung gibt’s im Schwerpunkt „Motiviert und glücklich“.

Berufliche Identifikation ist eng mit dem Gefühl der Berufung verbunden.

Im Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“ geht es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel.

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