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Strategie

Frei und kreativer durch ethische Führung

17. März 2016

Teamleiter, die menschlich und gerecht führen, haben häufiger Mitarbeiter, die sagen, was sie denken, und dadurch kreativer sind. So das Ergebnis einer Befragung von Wissenschaftlern. Handelten ihre Gruppenleiter nach ethischem Maßstab, diskutierten die Forscher lebhafter, meldeten mehr Patente an und erfanden eher neue Produkte.

Missstände ansprechen

Alle Hefte im ÜberblickAngela Shin-Yih Chen von der National Taipei University hat 291 Wissenschaftler und deren 58 Führungskräfte eines staatlichen Forschungsinstituts in Taiwan befragt. Ihr ging es um die Frage, ob sich ethische Führung und freie Meinungsäußerung auf die Kreativität auswirken.

Mit freier Meinungsäußerung („voice behavior“) war gemeint, dass Mitarbeiter offen Missstände ansprachen oder Vorschläge zur Verbesserung machten, auch auf die Gefahr hin, kritisiert zu werden. Ethische Führung, bei der Chefs gerecht waren, menschlich handelten und Mitarbeiter zu Wort kommen ließen, sollte mit mehr Meinungsäußerungen einhergehen. Weil so auch mehr neue Ideen geteilt wurden, sollte das wiederum zu mehr Kreativität führen.

Die befragten Wissenschaftler kreuzten im Fragebogen an, ob ihr Chef ethisch handelte und ob sie im Team ihre Meinung sagten. Außerdem schätzten sie das Innovationsklima ein. Ihre Kreativität wurde durch Bonuszahlungen gemessen, die monatlich von einem Institutsgremium für kreative Leistungen (Veröffentlichungen, innovative Problemlösungen, Patentanmeldungen, Produktentwicklungen) gezahlt wurden.

„Auch wenn meine Meinung anders ist“

Mehr Meinungsäußerung und Kreativität durch ethische Führung. Mitarbeiter, deren Chef ethisch führte („Mein Teamleiter führt ein Leben nach ethischen Grundsätzen.“), sagten eher, was sie dachten: „Ich sage anderen meine Meinung zu Problemen bei der Arbeit, auch wenn meine Meinung anders ist und von anderen nicht geteilt wird.“ Je häufiger jemand das tat, desto kreativer war er wiederum, veröffentlichte Studien, erfand neue Produkte und bekam dafür einen höheren Bonus. Die freie Meinungsäußerung war also der vermittelnde Wirkfaktor gerechter Führung. Durch diese sagten die Wissenschaftler freimütiger, was sie dachten. Das steigerte ihre Schöpferkraft.

Innovationsklima unterstützte Kreativitätseffekt. Schließlich wirkte sich noch das Innovationsklima aus, also die von vielen geteilte Ansicht, im Institut würden originelle Gedanken unterstützt und z.B. häufig „Probleme auf neue Art betrachtet.“ War dieses Klima ausgeprägt, verstärkte sich die positive Wirkung von ethischer Führung und Meinungsäußerung auf die Kreativität. Fehlte diese Atmosphäre, so verpuffte der Effekt. Weder gerechte Führung noch sagen, was man dachte, machten dann kreativer.

Mehr sagen, mehr Einfälle

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Chefs, die menschlich waren und sich an Regeln hielten, hatten also häufiger Mitarbeiter, die offen redeten und dadurch kreativer wurden. Angela Shin-Yih Chen rät daher:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Angela Shin-Yih Chen (National Taipei University, Taiwan) & Yu-Hsiang Hou (National Chung Hsing University, Taiwan). (2016). The effects of ethical leadership, voice behavior and climates for innovation on creativity: A moderated mediation examination. The Leadership Quarterly, 27, 1-13.

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