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Strategie

Engagement energetisiert

2. Februar 2016

Wenn sich Mitarbeiter über die normale Arbeit hinaus engagieren, zehrt das nicht aus, sondern energetisiert. Das konnten US-amerikanische Forscher bei Angestellten eines Speiselieferanten nachweisen. Zusätzliches Engagement ist aber nur dann gut fürs Wohlbefinden, wenn man auch den üblichen Aufgaben gewachsen ist.

Außerplanmäßige Sinnquelle

Alle Hefte im ÜberblickMitarbeiter zeigen zusätzliches Engagement (organizational citizenship behavior), wenn sie über ihre feststehenden Aufgaben hinaus arbeiten, z.B. anderen helfen oder außerplanmäßig etwas organisieren. Einige Forscher denken, dass diese freiwillige Arbeit Mitarbeiter auszehrt.

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Chak Fu Lam von der Bostoner Suffolk University und seine Kollegen hingegen nehmen an, dass besonderes Engagement energetisiert, weil Mitarbeiter dadurch Sinn in ihrem Tun erfahren. Diese Annahme haben sie bei Angestellten eines Speiselieferanten für Krankenhäuser getestet. In der Online-First-Ausgabe des Journal of Applied Psychology berichten sie darüber.

67 Mitarbeiter füllten eine Woche lang zu Beginn und am Ende ihrer täglichen Arbeit ein Tagebuch aus. Dabei gaben sie an, ob das, was sie gerade taten, für sie sinnvoll war, und wie energisch sie sich fühlten. Außerdem berichteten sie, ob sie bei ihren Aufgaben unsicher waren und ob sie schafften, was von ihnen verlangt wurde. Ihre Vorgesetzten, insgesamt 30, schätzen ein, ob sie sich zusätzlich engagierten.

„Lebendig, energisch“

Engagement war sinnstiftend und machte energischer. Mitarbeiter, die sich zusätzlich engagierten („Heute kümmerte sich der Mitarbeiter trotz anstrengender Arbeit sehr um seine Kollegen.“), erlebten ihre Arbeit als sinnvoller und sich selbst als schwungvoller („lebendig, tatkräftig, energisch“). Die Sinnhaftigkeit erklärte dabei die Wirkung: Durch freiwilliges Tun schien die Arbeit bedeutsamer, was wiederum Energie gab.

Engagement nutzte vor allem Unsicheren und Leistungsträgern. Vor allem Mitarbeitern, die bei ihrer Arbeit unsicher waren („Ich habe keine klaren Ziele.“), nützte das Engagement. Sie waren energischer als sichere Mitarbeiter, wenn sie sich zusätzlich einsetzten. Außerdem machte Zusatzarbeit nur jene lebendiger, die ihre vorgeschriebene Leistung erbrachten („Heute habe ich das geleistet, was von mir erwartet wurde.“). Wer das Plansoll nicht erreichte, ächzte eher unter darüber hinausgehendem Engagement.

Gut fürs Wohlbefinden

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Besonderes Engagement laugte also nicht aus, sondern es stärkte, aber nur jene, die auch ihre gewöhnlichen Aufgaben erfüllten. Die Autoren schließen zuversichtlich: „Wir glauben, diese Studie stützt die Auffassung, dass wenn man etwas Gutes für andere oder die Firma tut, dies nicht nur gut fürs Team, sondern auch für das Wohlbefinden des Mitarbeiters ist.“

Führungskräfte sollten dabei aber ein Auge auf Mitarbeiter haben, die ohnehin überfordert sind. Ihnen tut es nicht gut, wenn sie sich zusätzlich für andere aufopfern. Sinn könnten sie eher erfahren, wenn ihnen andere im Team helfen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Chak Fu Lam (Suffolk University), Wylie H. Wan (Oregon Health & Science University) & Christopher J. Roussin (Harvard Medical School and Boston Children’s Hospital Simulator Program, Boston, Massachusetts). (2015). Going the Extra Mile and Feeling Energized: An Enrichment Perspective of Organizational Citizenship Behaviors [Abstract]. Journal of Applied Psychology, Online First Publication.

Im Themenschwerpunkt „Umgang mit Umbrüchen“ geht es um Veränderungen, Wandlungskompetenz, Mitarbeiterführung, Willensstärke, Unternehmenskultur und Karrierewechsel.

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