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Strategie

Arbeit-Freizeit-Balance durch Neubewertung

17. November 2015

In einer repräsentativen Befragung wurden zwei Strategien untersucht, um Arbeit-Freizeit-Konflikte zu bewältigen: Schwierigkeiten positiv bewerten und Ansprüche herunterschrauben. Die Neubewertung war effektiver. Trotz stressiger Arbeit oder nervigen Privatlebens blieben die Befragten so optimistischer.

Repräsentative Daten

Alle Hefte im Überblick Shellae Versey, die Psychologie an der Wesleyan University in Connecticut lehrt, hat in einer neuen Studie untersucht, wie die Unvereinbarkeit von Beruf und Freizeit bewältigt werden kann – nachzulesen in der Novemberausgabe der Fachzeitschrift Developmental Psychology.

Sie wertete die Daten von 2.091 Erwachsenen aus den USA aus, die innerhalb des repräsentativen „Midlife in the United States Survey (MIDUS)“ zwischen 2004 und 2006 einen Fragebogen zu Arbeit-Freizeit-Konflikten und Bewältigungsstrategien ausfüllten. Abgefragt wurden zwei Arten von Konflikten: die Arbeit beeinträchtigte das Privatleben („work-to-family conflict“) und das Privatleben beeinträchtigte die Arbeit („family-to-work conflict“).

Außerdem beantworteten die im Durchschnitt 49-Jährigen Fragen zu zwei Bewältigungsstrategien: Schwierigkeiten positiv neubewerten und Ansprüche herunterschrauben. Schließlich wurden zwei Optimismus-Maße erfasst: sich in der Lage sehen, die eigene Lebensumgebung zu gestalten und die Ansicht, sich persönlich weiterentwickelt zu haben. Die Ergebnisse:

Stresspuffer: das Gute in der Krise sehen

Frauen äußerten häufiger Rollenkonflikte. Frauen gaben häufiger als Männer an, dass sich ihre Berufsrolle negativ aufs Privatleben auswirkte („Stress an der Arbeit macht mich zu Hause gereizt.“, 1674). Frauen gaben auch häufiger Family-to-Work-Konflikte zu Protokoll, wonach ihre Freizeit die Arbeit beeinträchtigte („Persönliche oder familiäre Sorgen stören mich an der Arbeit.“). Andererseits sahen die Frauen schwierige Situationen häufiger positiv als Männer.

Zuversichtlich dank Neubewertung. Je häufiger jemand Krisen positiv bewertete („Ich kann immer etwas Positives entdecken, selbst in der schlimmsten Situation.“), desto optimistischer war er. Diese Fähigkeit zur Neubewertung half auch dabei, dass man trotz Konflikten mit der Berufs- und Familienrolle zuversichtlich blieb („Ich bin dazu in der Lage, mir Lebensbedingungen zu schaffen, die ich mag.“).

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Geringere Ansprüche machten pessimistisch. Je häufiger Ansprüche gesenkt wurden („Wenn sich meine Erwartungen nicht erfüllen, schraube ich sie herunter.“), desto pessimistischer blickte man auf sein Leben. Frauen machten geringere Ansprüche pessimistischer, wenn sie viele Rollenkonflikte hatten. Sie waren dann der Meinung, sich persönlich nicht weiterentwickeln zu können. Männer machten geringere Ansprüche geknickter, wenn sie eher weniger Rollenkonflikte hatten.

Neubewertung war besser

Shellae Versey schreibt, dass die Neubewertung eindeutig die bessere Strategie war, um zu einer Arbeit-Freizeit-Balance zu finden (S. 1676):

„Die Ergebnisse zeigen, dass positive Neubewertungen ein Puffer zwischen abträglichen Arbeit/Freizeit-Übersprungseffekten und psychologischem Wohlbefinden sind, wohingegen gesenkte Ansprüche diesen Nutzen nicht versprechen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

H. Shellae Versey (Wesleyan University). (2015). Managing Work and Family: Do Control Strategies Help? [Abstract]. Developmental Psychology, 51 (11), 1672-1681.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

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