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Strategie

Pausen nur nach dem Lustprinzip

20. Oktober 2015

Texanische Forscherinnen haben untersucht, was erholsame Pausen ausmacht. Danach sollte man nur das tun, wozu man wirklich Lust hat. Frühzeitige Pausen während des Dienstes schonen die Energiereserven. Außerdem ist häufiges Innehalten gut. Zusammengefasst: strikter Spaß, Fronteinschub, Oftissimo.

Pausenmerkmale abgefragt

Alle Hefte im ÜberblickManagementprofessorin Emily Hunter, die an der Baylor University in Texas zu überfordernder Arbeit forscht, hat zusammen mit Cindy Wu erholsame Pausen untersucht. Die Studie findet sich im Journal of Applied Psychology. Sie ließen 95 Verwaltungsangestellte, die durchschnittlich 46 Jahre alt waren, fünf Tage lang nach Pausen einen Onlinefragebogen ausfüllen. Insgesamt kamen so 959 Pausenprotokolle zusammen. Darin wurden Merkmale der Pause angegeben: wie anstrengend und interessant sie war, wann sie genommen wurde und wie lange sie dauerte. Außerdem fragten die Forscherinnen drei „Ressourcen“ ab: „Wie hoch ist ihre augenblickliche Energie, Motivation und Konzentration?“ Es wurden noch fünf Schmerzarten abgeklopft: Kopf-, Augen-, Rücken-, Muskel- und Armschmerzen. Schließlich füllten die Teilnehmer nach den fünf Tagen einen Abschlussfragebogen zu Ausgelaugtheit, Arbeitszufriedenheit und Arbeitsengagement aus.

Entscheidender Pausenspaß

Frühe, lustbetonte und viele Pausen erholten. Ausschlaggebend für mehr Energie, Konzentration und Motivation nach den Pausen waren nur drei Pausenmerkmale: Zeitpunkt der Pause, bevorzugte Aktivitäten und Zusammenspiel von Pausenhäufigkeit und -länge. Erholter war, wer bereits in der ersten Tageshälfte pausierte und dabei nur das tat, wozu er wirklich Lust hatte. Die Häufigkeit der Pausen war wichtiger als deren Länge. Je öfter jemand innehielt, desto ausgeruhter war er. Die Pausenlänge spielte dabei keine so große Rolle. Sie wurde nur denn wichtig, wenn wenige Pausen gemacht wurden. Hier füllten sich die Batterien erst dann wieder halbwegs auf, wenn die Pause ausreichend lang war (mindestens eine halbe Stunde).

Je erholter, desto schmerzfreier und engagierter. Je größer der Erholungseffekt nach einer Pause war, also je konzentrierter und motivierter jemand danach war, desto weniger Schmerzen hatte er. Die, die sich während der Pausen an den fünf Tagen gut erholten, gaben schließlich am Ende an, weniger ausgelaugt („Ich fühle mich oft gefühlsmäßig ausgelaugt.“), mit ihrer Arbeiter zufriedener („Ich bin mit meinem Beruf zufrieden.“) und engagierter zu sein („Ich unterstütze andere in meinem Team.“).

Pausenformel: lustbetont & frühzeitig

Die Wissenschaftlerinnen schreiben: „Wir konnten zwei Schlüsselmerkmale von Pausen ausmachen, die helfen sich zu erholen: Aktivitäten, die man mag, und Pausen, die früh während der Arbeitsschicht genommen werden.“ Die Pausenformel könnte also lauten:

  1. Strikter Spaß. Mache in deiner Pause nur, was dir Spaß macht. Dieser Lustfaktor war in der Studie sogar eine Spur wirksamer als der frühe Zeitpunkt. Daher sollte man in punkto Spaß besonders kompromisslos sein. Auch wenn man Lust auf Unanständiges hat – im Onlineshop versacken, sich autistisch von der Kantinenessensgruppe absondern, eine Mozartarie singen – man sollte es auf jeden Fall tun. Sich dafür zu rechtfertigen oder seine Vorlieben zu bekämpfen, verbraucht nur weitere Energie, wie die Forscherinnen warnen.

  2. Fronteinschub. Lege schon am Vormittag Pausen ein – warte nicht erst bis zum Mittag oder Nachmittag. Das Prinzip dahinter: Die gefühlte Energie gleicht nach dem gut bestätigten Beanspruchungs-Erholungs-Modell einer Batterie. Wurde sie beansprucht, ist sie leer. Ist sie leer, kann sie durch Nichtbeanspruchung wieder aufgefüllt werden. Frühe Pausen füllen die Batterie immer wieder bis zum oberen Level auf, wodurch der natürliche Leistungsabfall zum Nachmittag hin aufgehalten wird. Macht man erst spät eine Pause, fühlt man sich danach nicht wirklich erholt, weil die Energiereserven erschöpft bleiben.

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  4. Oftissimo. Mache oft Pausen, dann ist die Pausenlänge relativ egal. Was genau heißt „oft“? Das bleibt etwas im Unklaren, da die Autorinnen keine Häufigkeiten liefern, sondern immer nur von „mehreren Pausen“ (die gut sind) und „wenigen Pausen“ (die nicht so gut sind) sprechen. Aus einer Ressourcengrafik lässt sich schätzen, dass sechs Pausen über einen Neun-Stunden-Tag verteilt, etwa nach anderthalb Stunden Arbeit eine Pause, häufig und maximal erholsam sein dürften. Ein bis zwei Pausen wären Minimum. Bei so wenigen Unterbrechungen kommt es auf die Pausenlänge an, die dann nicht unter einer halben Stunde liegen sollte.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Emily M. Hunter & Cindy Wu (Baylor University). (2015). Give Me a Better Break: Choosing Workday Break Activities to Maximize Resource Recovery [Abstract]. Journal of Applied Psychology, Online First Publication.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, Mitarbeitergesprächen und inspirierenden Arbeitsbeziehungen vorgestellt.

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