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Strategie

Machtbewusste Körperhaltung, besseres Jobinterview

26. August 2015

Fünf Minuten vor dem Gespräch eine offene, machtbewusste Körperhaltung einnehmen – Füße schulterbreit auseinander, Hände in die Hüften, gerade stehen – führt zu besseren und sympathischeren Jobinterviews. Verschränkte Arme bewirken hingegen, dass Bewerber abgewertet werden. Das ist das Ergebnis eines Experiments von Amy Cuddy von der Harvard University.

Hände in die Hüften

Alle Hefte im ÜberblickDie Sozialpsychologin Amy Cuddy forscht an der Harvard Business School dazu, wie wir Kompetenzen im Beruf ausdrücken. Zusammen mit Kollegen hat sie jetzt untersucht, ob sich die Körperhaltung auf Bewerbungsgespräche auswirkt.

61 Studenten sollten dafür fünf Minuten lang entweder eine offene oder geschlossene Körperhaltung einnehmen:

Die offene/machtbewuste und die geschlossene/machtlose Körperhaltung

Die offene/machtbewuste und die geschlossene/machtlose Körperhaltung im Experiment. (Modifizierte Abbildung nach Cuddy, Wilmuth, Yap & Carney, 2015, S. 1.288).

Posieren vorm Jobinterview

Während die Studenten in selbstbewusster oder unterwürfiger Haltung standen, sollten sie sich überlegen, über welche Stärken sie gleich in einem kurzen, fünfminütigen Jobinterview berichten. Das war kein echtes Auswahlgespräch, wurde aber wie ein echtes von zwei Studienleitern durchgeführt. Die Anweisung lautete (S. 1289): „Das ist ein Interview für Ihren Traumjob. Sie wollen den Job unbedingt haben. Bitte stellen Sie sich dafür vor.“

Die Studenten nahmen nur vor dem Interview die offene oder geschlossene Haltung ein. Während der kurzen Selbstdarstellung konnten sie in beliebiger Position stehen. Dabei wurden sie gefilmt. Die Videos wurden danach ausgewertet, ob die Kandidaten insgesamt gut waren, ob man sie für eine Einstellung empfehlen konnte, ob die Inhalte verständlich waren (verbal überzeugend) und ob sie selbstbewusst und enthusiastisch rüberkamen (nonverbal überzeugend).

Ausladende Sieger-Haltung

Eine machtbewusste Körperhaltung führte zu erfolgreicheren Kurzinterviews. Wer für kurze Zeit vor dem Interview die Hände in den Hüften stemmte und selbstbewusst dastand, präsentierte sich danach besser als jene mit verschränkten Armen. Die Interviews der Studenten mit offener Körperhaltung wurden insgesamt besser eingeschätzt und sie erhielten häufiger eine Einstellungsempfehlung.

Der Wirkfaktor war die nonverbale Überzeugungskraft. Die kurze vorbereitende offene Körperhaltung bewirkte, dass die Studenten bei der Selbstpräsentation nonverbal überzeugender waren und als selbstbewusster und begeisterter eingeschätzt wurden. Diese nonverbale Überzeugungskraft führte wiederum zur guten Gesamtwertung des Interviews. Studenten mit verschränkten Armen wirkten weniger selbstbewusst und schnitten im Interview entsprechend schlechter ab. Die Inhalte des Interviews beeinflusste die Körperhaltung nicht.

Überzeugendes „Power Posing“

Ein kurzes vorgeschobenes „Power Posing“ – wie es die Autoren nennen – kann also dazu führen, dass man im Gespräch sympathischer und überzeugender wirkt. Die Psychologinnen (S. 1290):

„Verglichen mit jenen in Unterordnungs-Haltung waren diejenigen mit Macht-Haltung gelassener, zeigten mehr Selbstvertrauen und hielten fesselndere und enthusiastischere Reden, was zu einer höheren Leistungsbewertung insgesamt führte.“

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Amy Cuddy und ihre Kollegen sind optimistisch, dass dieses kurze Macht-Posing ein wirksames Instrument für eine Vielzahl von Verhaltensänderungen sein kann.

Fünf Minuten stehend die Hände in die Hüften stemmen könnte Bewerbern in Vorstellungsgesprächen, Opfern häuslicher Gewalt, Patienten mit Depressionen, Sportlern bei Wettkämpfen und Kindern vor Klassenarbeiten helfen. Entsprechende Wirksamkeitsbelege müssen aber erst noch erbracht werden.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Amy J. C. Cuddy, Caroline A. Wilmuth (Harvard University), Andy J. Yap (INSEAD) & Dana R. Carney (University of California, Berkeley). (2015). Preparatory Power Posing Affects Nonverbal Presence and Job Interview Performance [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 100 (4), 1286-1295.

Der Themenschwerpunkt „Mobil, flexibel und gestresst“ zu Stressbewältigung, Smartphone-Nutzung, Berufspendeln, psychischen Belastungen, Gefährdungsbeurteilung, Teilzeit-Tandem und Super-Leadership.

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