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Strategie

Ein Stärkentraining verhilft zur Fähigkeit, persönlich zu wachsen

16. März 2015

Wer seine Stärken trainiert, wird kompetenter darin, persönlich zu wachsen. Wer an seinen Schwächen arbeitet, ist damit nicht so erfolgreich. Das ist das Ergebnis zweier Experimente, die Tilburger Psychologinnen durchführten. Das Stärkentraining machte auch hoffnungsvoller als die Versuche, Defizite auszubügeln.

Wissen, wo es hingeht

Alle Hefte im ÜberblickDie Psychologin Maria Christina Meyers promoviert an der niederländischen Universität Tilburg. Zusammen mit Forscherkolleginnen hat sie jetzt die Fähigkeit zur Selbständerung erforscht. Ihre Ergebnisse sind im Journal of Counseling Psychology zu lesen.

Mit der Fähigkeit zum persönlichen Wachstum (Personal Growth Initiative) sind Eigenschaften gemeint, die einem helfen, sich selbst zu ändern und zu wachsen. Dazu gehört etwa, dass man Ziele hat („Ich weiß, wo ich im Leben hinwill.“), und versteht, wie man sie erreicht („Ich habe einen Handlungsplan, der mir hilft, meine Ziele zu erreichen.“). Die Wachstumsskala (Personal Growth Initiative Scale), aus der diese Aussagen stammen, wurde von Christine Robitschek entwickelt, die Psychologie an der Texas Tech University lehrt.

Starker Elevator Pitch

Die Psychologinnen trainierten in zwei Feldexperimenten insgesamt 195 Studenten. Die eine Hälfte von ihnen erhielt ein Stärkentraining, die andere ein Schwächentraining. Danach wurde gemessen, ob die Trainings sich auf die Wachstumskompetenz auswirkten. Diese ist wichtig, um sich etwa auf Studium und Beruf einzustellen und das Beste für sich herauszuholen. Das Stärkentraining fand an einem einzigen Tag statt und lief wie folgt ab:

  1. Feedback: Die Studenten trugen Situationen zusammen, in denen sie bislang Feedback zu ihren herausragenden Fähigkeiten erhalten hatten.
  2. Diskussion: Sie diskutierten diese Stärken in Kleingruppen.
  3. Poster: Sie erstellten ein Poster zu ihren Stärken.
  4. Stärkenausbau: Sie überlegten, wie sie ihre Stärken ausbauen konnten, um die Anforderungen ihres zukünftigen Wunschberufs zu erfüllen.
  5. Elevator Pitch: Sie sagten in einer 30-Sekunden-Präsentation, was ihre Stärken seien und wie sie sie später im Beruf nutzen würden.

Während des Schwächentrainings versuchten die Studenten ihre Schwierigkeiten zu verbessern, die sie bei der Kommunikation mit anderen hatten. Im ersten Experiment wurde die Wirkung direkt nach dem Training und einen Monat danach gemessen. Im zweiten Experiment gab es nach dem Training noch zwei kleine Hausaufgaben und der Erfolg wurde direkt nach den Übungen, nach einem und nach drei Monaten erfasst.

Wachstumsmotor Hoffnung

Das Stärkentraining machte wachstumsbereiter. Das Stärkentraining war wirksamer als das Schwächentraining. Es verbesserte die Fähigkeit, sich selbst zu ändern und zu wachsen, zu allen Messzeitpunkten. Wer seine Stärken trainierte, wurde außerdem selbstbewusster, hoffnungsvoller, optimistischer und widerstandsfähiger. Das Schwächentraining blieb im ersten Experiment wirkungslos. Im zweiten Experiment lag die Wirkung der Defizitübungen deutlich hinter der des Stärkentrainings.

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Hoffnung war der Wachstumsmotor. Sie vermittelte den Effekt zwischen dem Stärkentraining und der Fähigkeit zum persönlichen Wachstum. Wer durch das Training hoffnungsvoller und tatkräftiger wurde („Zurzeit verfolge ich energisch meine Ziele.“), hatte später auch mehr Lust, sich weiterzuentwickeln.

Besser auf Stärken setzen

Es ist also besser auf Stärken zu setzen, wenn jemand weiterkommen und wachsen will. Die Autoren fassen zusammen (S. 61):

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ein Stärkentraining wirksamer ist als ein Schwächentraining, um bei Studenten Wachstumsbereitschaft und Hoffnung zu aktivieren. Beide Fähigkeiten tragen zu ihrem Studien- und Berufserfolg bei. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, sich auf die besten Eigenschaften einer Person zu konzentrieren, um bei ihr Entwicklung und Wachstum anzustoßen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Maria Christina Meyers, Marianne van Woerkom, Renee S. M. de Reuver, Zsuzsa Bakk & Daniel L. Oberski (Tilburg University). (2015). Enhancing psychological capital and personal growth initiative: Working on strengths or deficiencies [Abstract]. Journal of Counseling Psychology, 62, 50-62.

Das Selbstwertgefühl steigt bis zum Alter von 60 Jahren an und nimmt danach wieder ab. Wer seine Arbeit mag, ist sich seines Werts stärker bewusst.

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