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Strategie

Coaching als Handwerk

24. September 2014

Coaching weist Merkmale einer handwerklichen Tätigkeit auf, wie im E-Dossier „Professionelles Coaching“ der Wirtschaftspsychologie aktuell deutlich wird. Dazu zählen ein rationales und kreatives Vorgehen, der umsichtige Einsatz von Werkzeugen, die Frage nach dem inneren Antrieb, Widersprüche aufdecken und Qualitätsmerkmale.

Kunstfertige Dienstleistung

Alle Hefte im ÜberblickEin Handwerker ist oft selbstständig und stellt mit seinem bewährten Handwerkszeug z.B. Brötchen oder Frisuren her. Auch ein Coach erbringt mit Werkzeugen eine Dienstleistung. Ähnlichkeiten zum Handwerk zu sehen, hilft dabei, einzelne Arbeitsschritte im Coaching zu umreißen.

Das tun die Coachingexperten im E-Dossier „Professionelles Coaching“ der Wirtschaftspsychologie aktuell. Sie gehen auf handwerkliche Punkte ein und zeichnen dadurch ein genaueres Bild von der beruflichen Tätigkeit. Coaching kunstfertig auszuführen, setzt u.a. voraus:

Werkzeuge nicht zur Abwehr missbrauchen

Handwerk und Kunst verbinden. Wolfgang Loos schreibt dazu (S. 8): „Beratung allgemein und damit auch die Coachingtätigkeit lässt sich – so eine verbreitete Sicht – als Kunsthandwerk verstehen, also als eine Mischung aus den Tabus und Idealen des Handwerks einerseits und jenen des Künstlertums andererseits.“ Als Coach kann man diszipliniert wie ein Restaurator oder kreativ wie ein Holzbildhauer arbeiten. Ideal ist es, wenn sich Genauigkeit und Einfallsreichtum verbinden.

Coach
Bildquelle: istockphotos/starfotograf

Zum Handwerkszeug eines Coaches gehören reflektierte Methoden, Qualitätskriterien und Kunstfertigkeit

Über die eigenen Werkzeuge nachdenken. Werkzeuge wie Fragetechniken, Rollenspiele oder eingesetzte Bildkarten sind wichtig, sie dürfen aber Sinn und Zweck nicht verstellen. In einer Coachingausbildung sollte man lernen, über die eigenen Werkzeuge nachzudenken. Heidi Möller fasst das so zusammen (S. 14): „Wird die Rolle von Tools in der Coachingausbildung nicht kritisch reflektiert, besteht eine Gefahr darin, dass Methoden wirkliches In-Kontakt-Treten ersetzen und zu (gemeinsamen) Abwehrzwecken missbraucht werden.“

Widersprüchliche Erwartungen herausarbeiten

Den Antrieb ergründen. Maschinen haben einen Motor, Menschen einen inneren Antrieb. Dieser ist jedoch weder rasch an- und abzuschalten noch einfach in seine Bestandteile zu zerlegen, wie Siegbert Krug zu bedenken gibt (S. 19): „Da Verhalten nicht nur eine Frage von Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch eine Frage der inneren Antriebe ist, bauen wir unser Coaching-Konzept auf der Motivationstheorie des amerikanischen Psychologen David Clarence McClelland auf.“ Ihm zufolge kennzeichnen drei Beweggründe oder Motive Personen: sie wollen mehr oder weniger etwas leisten, Freunde haben oder Macht ausüben.

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Erkennen, was nicht zusammenpasst. Wenn im Coaching gegeneinanderstehende Ziele, Erwartungen oder Gefühle erkannt werden, ist das der erste Schritt dafür, innere oder äußere Konflikte zu lösen. Karin von Schumann berichtet von einem Mitarbeiter, der demnächst in Indien eine Vertriebsniederlassung leiten soll. Zur Vorbereitung darauf werden mit ihm Erwartungen anderer herausgearbeitet, die sich häufig widersprechen (S. 27): „In seinem Vorbereitungscoaching geht es zunächst darum, die vielen, oft konfligierenden Erwartungen, die an ihn gerichtet sind, bewusst zu machen. Es sind die Erwartungen des Topmanagements im Konzern, der Mitarbeiter in Deutschland und Indien und die der Partnerin und der Familie.“

Fakten zu Ausbildung, Berufserfahrung und Methoden

Qualitätsmerkmale festlegen. Um qualitätsvoll coachen zu können, bedarf es einer fundierten Ausbildung und einer langjährigen Berufserfahrung. Die Stadt München hat diese Qualitätsmerkmale in einem Anforderungsprofil zusammengefasst (S. 32): „Bei Coaches, die für die Landeshauptstadt München tätig sind, wird Folgendes vorausgesetzt: mindestens siebenjährige umfassende Berufserfahrung, möglichst Führungserfahrung; qualitativ hochwertige Coachingausbildung mit hohem Anteil von Eigenerfahrung […]; integriertes psychologisches Wissen […].“ Durch stichhaltige Fakten zu Ausbildung, Erfahrung, eingesetzten Methoden und fachgerechter Evaluation können Coaches selbst in ihrem Profil deutlich machen, wie sie Qualität sicherstellen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Bärbel Schwertfeger & Isabel Nitzsche (Hrsg.). (2014). Professionelles Coaching: E-Dossier der Wirtschaftspsychologie aktuell [PDF]. Berlin: Deutscher Psychologen Verlag.

Nach einem sechs Sitzungen umfassenden Coaching waren chronisch kranke Mitarbeiter selbstbewusster, widerstandsfähiger, optimistischer, weniger erschöpft und ihrer Arbeit besser gewachsen.

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