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Strategie

Wege in die Wirtschaftspsychologie

8. Oktober 2013

Im neuen Buch „Psychologie als Beruf“ hat Susie Reinhardt Gespräche mit Psychologen gesammelt, die über ihre berufliche Tätigkeit berichten. Darunter sind auch vier, die in wirtschaftspsychologischen Bereichen arbeiten. Hier werden ihre Fähigkeiten, Tätigkeiten und Freudefaktoren genannt, die auf dem Weg in die Wirtschaftspsychologie wichtig waren und sind.

Wirtschaftspsychologie als Beruf

Susie Reinhardt ist Psychologin und Wissenschaftsjournalistin. In ihrem neuen Buch „Psychologie als Beruf“ hat sie Gespräche mit Psychologen gesammelt, die sie zwischen 2011 und 2013 für die Zeitschrift Psychologie Heute führte. Hier sollen jene vier Psychologen kurz vorgestellt werden, die in wirtschaftspsychologischen Bereichen arbeiten: eine Personalpsychologin, ein Werbepsychologe, eine Ingenieurspsychologin und eine Medienpsychologin.

Es werden jeweils Fähigkeiten, Einstieg, Tätigkeiten und Freudefaktoren genannt, die bei der täglichen Arbeit eine Rolle spiel(t)en. Das Buch von Susie Reinhardt zeigt, dass die Wege in Wirtschaftspsychologie vielfältig sind. Überall, wo Menschen arbeiten, handeln, kaufen und konsumieren, ist ihr Erleben und Verhalten wichtig. Das ist es, was Wirtschaftspsychologen interessiert.

Carsten C. Schermuly: SchnellWissen Führung

Am Ende ihres Buchs lässt die Autorin Fredi Lang vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) zu Wort kommen. Er erklärt, woran man sein Psychologiestudium ausrichten kann und wie man gut in den Beruf startet.

Personalpsychologin

Die Diplompsychologin Sophie Grothusen ist „HR Business Partner“ bei Rolls-Royce und betreut in der Personalabteilung die Führungskräfte im Unternehmensbereich Konstruktion und Herstellung der Luftfahrt. Fähigkeiten: Dazu gehört psychologisches Basiswissen, das man im Studium erwerben kann, z.B. wie Leitfäden fürs Vorstellungsgespräch aussehen sollen. Daneben sind es Fähigkeiten zur Gesprächsführung, die man erst durch Berufserfahrung erwirb. Außerdem sind Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen wichtig, wenn man „es den ganzen Tag mit Führungskräften zu tun [hat] und fast nur mit Männern“ (S. 120). Einstieg: Während des Psychologiestudiums besuchte sie Seminare zur Ingenieurspsychologie und absolvierte mehrere Praktika in Firmen, bevor sie bei Rolls-Royce anfing.

Tätigkeiten: Sie ist für die Personalfragen der Führungskräfte zuständig, die die Ingenieure anleiten, die Triebwerke entwickeln und zusammenbauen. Sie unterstützt sie, etwa wenn Neuerungen eingeführt werden oder Konfliktgespräche anstehen. Freude: Sie freut sich darüber, dass ein neues Karrieremodell für Spezialisten eingeführt wurde, die jetzt auch aufsteigen können, ohne Führungskraft zu sein.

Werbepsychologe

Joost van Treeck ist Diplompsychologe, freiberuflicher Werbepsychologe und Leiter des Studiengangs Wirtschaftspsychologie an der Fresenius-Hochschule Hamburg. Fähigkeiten: Er kennt sich mit Einstellungen und Verhalten von Kunden aus. Seine Doktorarbeit hat er zum Thema Kundenbindung geschrieben. Er weiß, dass eine langjährige „Beziehung“, die der Kunde zum Unternehmen oder zur Marke hat, wichtiger ist als punktuelles Kaufverhalten. Einstieg: 2007 kam er zur Werbeagentur Jung von Matt, die Psychologen für ein Projekt suchte, bei dem unzufriedene Kunden besänftigt werden sollten.

Tätigkeiten: Als Werbepsychologe wählt er z.B. Zielgruppen aus, die nicht mehr nur nach gängigen Kriterien wie Alter oder Einkommen bestimmt werden, sondern auch nach Vorlieben, Abneigungen, Einstellungen, Werten, Motiven. Als Instrumente werden psychologische Fragebögen eingesetzt. Freude: Ihm ist die Kundenpflege wichtig. Wenn man die Kundenbeziehung wie eine Paarbeziehung betrachtet, wird deutlich, dass auch diese gepflegt sein will.

Ingenieurpsychologin

Charlotte von Bernstorff ist Werbekauffrau, Diplompsychologin und promoviert im Fach Ingenieurspsychologie. Fähigkeiten: Sie weiß, wie der Mensch und technische Systeme – Fahrkartenautomaten, Flugzeuge, Fahrprogramme im Auto – zusammenarbeiten. Probleme mit Maschinen bekommt eine Person z.B., wenn sie durch einen eingestellten Autopiloten aus der Übung ist (Verhaltensroutine), sich nicht mehr vorstellen kann, was die Maschine gerade tut (fehlendes Situationsbewusstsein) oder nachlässig wird, weil sie sich in falscher Sicherheit wiegt (Complacency). Einstieg: Ihr Interesse an der Ingenieurspsychologie wurde in einem Seminar geweckt, in dem sie Fehler in Mensch-Maschine-Systemen analysieren musste, z.B. beim Reaktorunfall in Tschernobyl oder beim Absturz der Raumfähre Challenger.

Tätigkeiten: Sie forscht als Wissenschaftlerin dazu, wie Mensch und automatisierte Systeme besser zusammenarbeiten können. Im Labor schaut sie sich an, wie Lotsen zwei Personen am PC während einer simulierten Autofahrt begleiten, welche Anweisungen sie geben, wie sie auf Stimmungen der Fahrer reagieren. Freude: Charlotte von Bernstorff macht es Spaß, sich den Menschen näher anzusehen, der Maschinen bedient: Was denkt und erlebt er dabei? Welche Voraussetzungen muss er dafür mitbringen?

Medienpsychologin

Ursula Reichwald, Diplompsychologin und Verhaltenstherapeutin, berät Filmschaffende bei ihrer Arbeit. Fähigkeiten: Sie bringt Kenntnisse zu psychischen Störungen aus ihrer Arbeit als klinische Psychologin mit. Kenntnisse zu Dramaturgie und Film hat sie sich durch Fachbücher angelesen und in Workshops gelernt. Einstieg: Ihre Arbeit als Medienpsychologin kam zustande, nachdem sie die Fernsehserie „Die Cleveren“ bei den Machern von RTL kritisierte und daraus eine Zusammenarbeit entstand. Sie unterfütterte dann die Hauptfigur des Kriminalpsychologen mit Faktenwissen und machte die Fallanalysen vielfältiger.

Tätigkeiten: Sie berät Drehbuchautoren und Schauspieler. Bei der Drehbuchberatung geht sie im „Close Reading“ Satz für Satz des Drehbuchs durch und prüft, ob sie verständlich sind und zur Person passen. Das meldet sie dem Autor zurück. Im Schauspielercoaching sagt sie Schauspielern, welche Gefühle oder Verhaltensweisen beispielsweise eine Person mit Angststörungen zeigen würde, und hilft ihnen so bei der Vorbereitung für eine Rolle. Freude: Ursula Reichwald macht es vor allem Spaß, mit offenen und begeisterten Medienleuten zu arbeiten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Susie Reinhardt (2013). Psychologie als Beruf: Die faszinierende Vielfalt einer Profession [Verlagsseite]. Weinheim: Beltz.

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