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Strategie

Berufliche Anpassungsfähigkeit

12. Juli 2013

Mit einem Quäntchen Anpassungsfähigkeit bleibt man beruflich auf Kurs, wie eine neue Studie von Claire Johnston deutlich macht. Sie kann zum Katalysator für das eigene Glückstreben werden und zu einem gelasseneren Job und weniger Stress führen.

Auf Karrierekurs bleiben

Ein Forscherteam um Claire Johnston, Doktorandin beim Schweizer Forschungsschwerpunkt „Überwindung der Verletzbarkeit im Verlauf des Lebens“ an der Universität Lausanne, hat berufliche Anpassungsfähigkeit genauer untersucht. Damit ist die Fähigkeit gemeint, Hürden im Job zu überwinden, seine berufliche Entwicklung zu steuern und dabei zu so etwas wie einer beruflichen Identität zu kommen. Oder auch einfach nur auf Karrierekurs zu bleiben.

Die Forscher haben die Career Adapt-Abilities Scale (CAAS) aus dem Englischen ins Deutsche übertragen und sie an einer repräsentativen Schweizer Stichprobe von 1.204 Berufstätigen überprüft. Dieser Fragebogen zur beruflichen Anpassungsfähigkeit misst folgende vier Fähigkeiten (mit Beispielitems, S. 303):

Die Wissenschaftler schauten, ob diese Fähigkeiten mit Glücksstreben („Das Leben ist zu kurz, um die Freude aufzuschieben, die es geben kann.“, S. 297) und dem wahrgenommenen beruflichen Stress zusammenhingen. Wie sahen die Ergebnisse aus?

Glückskatalysator

4-Fähigkeitsstruktur wurde bestätigt. Die vier Fähigkeiten des beruflichen Anliegens, der Selbststeuerung, der Neugier und der Zuversicht wurden in der deutschsprachigen Stichprobe bestätigt. Damit lässt sich der Fragebogen zum Beispiel bei der Karriereberatung einsetzen.

Anpassungsfähigkeit vermittelte Glückseinstellung. Die berufliche Anpassungsfähigkeit war teilweise der Katalysator für die Glückseinstellung. Wenn man sich gut an berufliche Schwierigkeiten anpassen und sich vor allem steuern konnte, verwirklichte man seine Ideale des guten Lebens im Beruf und erlebte dadurch weniger Stress.

Fragen an den Masterplan

Wenn diese Anpassungsfähigkeit ausschlaggebend ist, könnte man sie doch einfach trainieren und alles wäre gut. Dass das nicht so leicht ist, wissen die vielen, die beruflich in einer Sackgasse stecken und sich jeden Morgen ins Büro quälen. Aber die Forscher nennen durchaus Trainings, bei denen zum Beispiel Arbeitslose berufliche Anpassungsfähigkeit neu lernten. Folgende Fragen könnten dabei bedeutsam sein:

Was ist eigentlich mein Anliegen? Häufig repetiert man beim Karrierecoaching immer wieder die eigenen Stärken. Das ist sicher wichtig. Aber es wird vergessen, dass jeder einen heimlichen Traum hat, ein echtes Anliegen, einen verschüttgegangenen Masterplan. Diesen zu heben – und sei es, die Welt zu retten – macht Spaß und kann die berufliche Identität stärken.

Bin ich entscheidungsfreudig? Nein? Dann sollte man den Mut haben, sich nicht zu entscheiden. Sicherlich ist es schlussendlich das Ziel, zu einem Entschluss zu kommen. Aber das Nachdenken darüber kann anzeigen, wo es hakt und welche Qualitäten diese Absicht überhaupt haben soll.

Was begeistert mich? Begeisterung wirkt in einer Enthusiasmusgesellschaft leicht abgegriffen. Aber bei einer beruflichen Neuorientierung kommt man nicht umhin, sich zu fragen, was einen erfüllt und bewegt, wenn man etwas tut. Vermutlich gibt es auch bei der langweiligsten Postkutschenfahrt durch dröge Exceltabellen romantische blaue Blumen am Rande, die aufschnuppern lassen.

Bin ich stark? Auch so eine Allerleifrage, an der man sich in der Berufsberatung die Zähne ausbeißt. Das muss man aber nicht, wie schon die Wendung: „Ich habe eine Schwäche für…“ zeigt. Stärken und Schwächen sind austauschbar, je nach Situation. Am Ende kommt man sicherlich zu der Frage: Stark – wofür und zu welchem Preis?

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Claire S. Johnston (Swiss National Centre of Competence in Research LIVES — Overcoming vulnerability: Life course perspectives (NCCR LIVES), University of Lausanne), Eva C. Luciano, Christian Maggiori, Willibald Ruch, Jérôme Rossier (2013). Validation of the German version of the Career Adapt-Abilities Scale and its relation to orientations to happiness and work stress [Abstract]. Journal of Vocational Behavior, 83, 295–304.

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