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Strategie

Faustregeln helfen

29. April 2013

In einem Interview zum Thema Risikointelligenz sagt der Risikoforscher Gerd Gigerenzer, worauf es ankommt, wenn man mit Unwägbarkeiten umgehen will: Risiken richtig schätzen und Faustregeln anwenden.

Risikointelligenz

Professor Gerd Gigerenzer ist Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und forscht zu Risikokompetenz. Gerade ist sein neues Buch „Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“ erschienen.

Zu diesem Anlass interviewte ihn Heike Littger für die Zeitschrift Managerseminare zum Thema Risikointelligenz. Wichtig kann dafür sein, dass man Risiken richtig einschätzen lernt und nach einfachen Faustregeln handelt, die durch das Dickicht komplexer Situationen führen.

Risiken richtigen einschätzen

In einer komplexen Welt ist es wichtig, Risiken richtig einzuschätzen. Absolute Risiken sind dabei anschaulicher als relative. Zwei Beispiele:

Wenn man Risikowerte kennt, sollte man sie also so übersetzen, dass daraus die genaue Menge der unangenehmen Ereignisse hervorgeht und nicht nur relative Prozentwerte.

Ungewissheit bleibt immer

Risiko bedeutet auch, dass es immer Ungewissheit gibt, die man mit rationalem Denken nicht auflösen kann. Gigerenzer nennt als Beispiel die Truthahn-Illusion:

Ähnlich war es bei der Finanzkrise. Bis zuletzt wähnte man sich in Sicherheit und rechnete nicht mit der Dynamik, die steigende Immobilienpreise entfachen können. In schwierigen, vielschichtigen Situationen bleibt also immer Ungewissheit. Gigerenzer rät, dabei auf Intuition oder Faustregeln zu setzen.

Faustregeln für Manager

Intuition ist das Bauchgefühl, das für oder gegen eine Entscheidung spricht. Experimente haben gezeigt, dass Intuition vor allem dann zu guten Ergebnissen führt, wenn man mit den anstehenden Entscheidungen viel Erfahrung hat. Wenn man zum Beispiel schon oft über Investitionen entschieden hat, die Pro-Con-Liste für die aktuelle Investition dafür spricht, das Bauchgefühl aber dagegen, soll man sich auf letzteres verlassen und sie verwerfen.

Auch Faustregeln oder Heuristiken, also einfache Formeln zum Handeln, können bei komplexen Entscheidungen eine Richtschnur sein und gute Ergebnisse liefern. Für Manager sind sie viel hilfreicher als allgemeine Sätze wie: „Sei authentisch.“ Solche Faustregeln können sein (S. 50):

Erst zuhören, dann reden. Dadurch sammelt man mehr Informationen und hat eine bessere Entscheidungsgrundlage.

Stelle gute Leute ein und lass sie ihre Arbeit machen. Wenn man bei der Personalauswahl auf die Fach- und Sozialkompetenz von Bewerbern achtet, kann man ihnen vertrauen und braucht sie nicht ständig kontrollieren.

Achte nur darauf, ob ein Mensch ehrlich ist. Dieses zentrale Merkmal kann ein guter Anker sein, wenn man mit anderen zusammenarbeiten möchte, sei es als Führungskraft oder als Mitarbeiter, der sorgfältig arbeiten muss.

Konzentriere dich auf nur wenige Informationen. Diese Faustregel hängt mit der vorherigen zusammen. Man wählt vor einer Entscheidung wenige Fakten aus, auf die man sich konzentrieren will. Das hilft, schnell zu entscheiden und die Qualität der Entscheidung nachher zu beurteilen.

Handle so wie beim letzten Mal, als du erfolgreich warst. Aus eigenen Erfahrungen lernen heißt, bisheriges erfolgreiches Verhalten zu widerholen. Meistens ist man damit auch in Zukunft gut beraten.

Wähle, was du kennst. Passanten, die Aktienpakete von Firmen zusammenstellen sollten, die sie kannten, waren erfolgreicher als diejenigen, die dies nach komplizierten Regeln taten. Kenntnis bedeutet, dass man häufig auch weiß, was gut und was schlecht ist. Wenn man das bekannte Gute wählt, ist man erfolgreicher.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Heike Littger (2013). „Die Truthahn-Illusion leitet uns fehl“: Gerd Gigerenzer über Risikointelligenz [Abstract]. Managerseminare, Mai 2013, 48-52.

Gerd Gigerenzer (2013). Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft [Verlagsseite]. München: C. Bertelsmann.

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