Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Strategie: An seiner Karriere schreiben

2. Februar 2012

Annamaria Di Fabio von der Universität Florenz und Jacobus Gideon Maree haben ein Karrieretraining mit italienischen Unternehmern durchgeführt. Es bestand aus Schreibworkshops und anschließenden Gruppendiskussionen. Diejenigen, die am Training teilnahmen, gaben danach weniger Probleme und mehr Optimismus bei ihrer Karriereplanung an als die Teilnehmer der Kontrollgruppe.

Karrieretraining für Unternehmer

Die Autoren berichten über ihr Karrieretraining in der aktuellen Ausgabe des Journal of Vocational Behavior. Trainiert wurden insgesamt 38 italienische Gründer, die ihr Unternehmen im Bereich Landwirtschaft oder Handel gegründet hatten. Anlass für sie war die Frage, ob sie damit weitermachen oder einen anderen Weg einschlagen sollten.

Verglichen wurden die Trainierten mit einer Kontrollgruppe aus 34 Unternehmern, die kein spezielles Training bekamen. Das Karrieretraining war als Gruppentraining angelegt. Trainiert wurde in Gruppen mit bis zu 15 Teilnehmern.

Karrieretraining: In der Gruppe schreiben

Das Gruppentraining fand an sechs Tagen und an diesen jeweils sieben Stunden statt. Die Teilnehmer schrieben zu einzelnen Karrierethemen eine Geschichte und diskutieren sie dann in der Gruppe. Die Fragen, die dabei abgehandelt wurden und Aufschluss über die wichtigsten beruflichen Werte, Interessen, Motive und Ziele gaben, waren:

  1. Wer sind Ihre Vorbilder?
  2. Welche Zeitschriften, Fernsehsendungen und Websites schauen Sie sich gerne an?
  3. Welche Bücher und Filme mögen Sie?
  4. Was tun Sie in Ihrer Freizeit?
  5. Welche Mottos haben Sie?
  6. Welche Lieblingsfächer hatten Sie in der Schule?
  7. Was sind Ihre frühesten Erinnerungen?

Diese Fragen waren in mehreren Übungen verpackt. An den ersten beiden Tagen standen Frage eins bis vier im Mittelpunkt. Die Teilnehmer sollten dazu z.B. ihren idealen Lebenslauf entwerfen oder ihre Interessen in Form eines Eisbergs darstellen.

Tag drei und vier wurde von den drei letzten Fragen bestimmt. Dabei schrieben die Teilnehmer über ihre Werte und eine Story zu ihrem Lieblingsmotto.

An den beiden letzten Tagen schauten sie sich ihre verfassten Geschichten im Zusammenhang an und suchten schriftlich nach Antworten auf folgende Fragen:

Wieder wurden die Geschichten in der Gruppe diskutiert. Die Diskussionen liefen folgendermaßen ab: Jeder Teilnehmer diskutierte seine Geschichte einzeln mit dem Trainer, der Karriereberater war. Die anderen Teilnehmer beobachteten, hörten zu und kommentierten auf Wunsch. Der Karriereberater moderierte dabei so, dass er dem Einzelnen „zu mehr Bewusstsein für das berufliche Selbst und einer gelungenen Verbindung von Vergangenheitsbetrachtung und Zukunft“ verhalf (S. 103).

Ergebnis: weniger Probleme, mehr Optimismus

Die trainierten Teilnehmer sahen nach Abschluss des Trainings für sich weniger Karriereprobleme als die nicht trainierten. Sie hatten nun eine gute Informationsbasis, um weitere Laufbahnentscheidungen zu treffen. Außerdem waren sie zuversichtlich, ihre Berufs- und Weiterbildungsziele klar abstecken zu können. Und sie schätzten ihre Kompetenzen höher ein als die Teilnehmer der Kontrollgruppe.

Durch das Gruppentraining festigten sich damit die Karrierepläne. Den meisten half dabei besonders das Gruppenformat: 76 Prozent gaben an, dass sie von den Erörterungen der anderen und vom Feedback des Trainers lernen konnten.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Annamaria Di Fabioa & Jacobus Gideon Mareeb (2012). Group-based Life Design Counseling in an Italian context. Journal of Vocational Behavior, Volume 80, Issue 1, February 2012, 100–107.

Zur Ausgabe "Professionelle Personalauswahl"

Zur Ausgabe "Coaching im Aufwind"

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv