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Strategie: Wohlfühltrainings

7. Oktober 2011

Die Psychologin Sonja Lyubomirsky und ihr Forscherteam haben in einer neuen Studie die Wirksamkeit zweier Wohlfühltrainings untersucht. Dabei kam heraus, dass die Wohlfühltrainings – ein Training zur Vorstellung der idealen Zukunft und eines mit Dankbarkeitsübungen – nicht per se besser waren als ein Kontrolltraining. Aber Teilnehmer, die zu den Wohlfühltrainings besonders motiviert waren und beharrlich übten, konnten ihr Wohlbefinden deutlich steigern. Sie waren auch noch sechs Monate nach Trainingsende am glücklichsten. Die Trainings könnten damit für stressgeplagte Mitarbeiter hilfreich sein.

Wirksame Wege zum Wohlbefinden

Sonja Lyubomirsky von der University of California, Riverside, landete 2008 mit ihrem Ratgeber „The How of Happiness“ (auf Deutsch: „Glücklich sein”) einen Bestseller. Darin beschreibt sie wissenschaftlich geprüfte Glücksinterventionen, die zu mehr Wohlbefinden führen. Wichtig war ihr dabei die nachgewiesene Wirksamkeit einer Aktion, um daraus nichttriviale Ratschläge zur Glückssteigerung abzuleiten.

Diese Absicht stellt ihr Forscherteam auch der neuen Studie voran, die in der Fachzeitschrift Emotion veröffentlicht wurde: „Das ideale Ratgeber-Buch enthält Ratschläge, die durch Daten untermauert sind, sodass die Leser nicht nur zum Handeln bewegt werden, sondern dadurch auch das ‚Richtige‘ tun“ (S. 393).

Sie testeten darin die Wirksamkeit von drei Trainings (zwei Wohlfühltrainings und ein Kontrolltraining) und den moderierenden Einfluss zweier übergeordneter Faktoren – Motivation und Anstrengung. Ihre Annahme: Ein Wohlfühltraining wirkt nur, wenn die Trainierten gleichzeitig motiviert sind und sich dabei auch anstrengen.

Die Wohlfühltrainings

Wie sahen die Wohlfühltrainings aus? Eine Gruppe der insgesamt 330 Studenten, die an der Studie teilnahmen, bekam ein Optimismustraining, eine zweite Gruppe ein Dankbarkeitstraining und eine dritte Gruppe ein Kontrolltraining. Alle Teilnehmer wurden einmal pro Woche dazu aufgefordert, 15 Minuten lang online einen kurzen Bericht zu schreiben und das Ganze acht Wochen lang. Die Themen variierten je nach Trainingsgruppe.

Die Teilnehmer der Optimismusgruppe sollten über ihr ideales Leben in 10 Jahren schreiben, in der ersten Woche zum Thema Liebe, in den folgenden Wochen zu den Themen Ausbildung, persönliche Interessen, Familienleben, Karriere, Freunde, soziales Engagement und Gesundheit. Die Instruktion lautete (S. 395):

„Denken Sie an Ihr zukünftiges ideales Leben in 10 Jahren. Stellen Sie sich vor, dass alles bis dahin so gut wie möglich verlief. Und schreiben Sie kurz auf, wie Sie es sich genau vorstellen.“

Teilnehmer aus der Dankbarkeitsgruppe sollten in einem Brief, der nicht zum Absenden gedacht war, einer oder mehreren Personen danken. Die Anleitung lautete hier:

„Denken Sie an die Momente in Ihrem Leben zurück, in denen Sie einer anderen Person für etwas dankbar waren. Und schreiben Sie ihr einen kurzen Brief des Dankes (den Sie nicht absenden). Schreiben Sie genau auf, wofür Sie dankbar waren und was das Verhalten der Person in Ihrem Leben auslöste. Erwähnen Sie auch, wie oft Sie jetzt daran denken und was Sie tun möchten.“

Und der Kontrollgruppe wurde gesagt, dass das Training ihre Fähigkeiten zum Organisieren verbessern sollte. Sie wurden wie folgt aufgefordert:

„Denken Sie kurz darüber nach, was Sie die letzten sieben Tage getan haben und listen Sie diese Tätigkeiten auf."

Die Hälfte aller Teilnehmer konnte selbst entscheiden, an welchem Training sie teilnahmen. Diese bewusste Entscheidung für eines der Wohlbefindentrainings stand für die besondere Motivation der Teilnehmer. Die andere Hälfte wurde den Trainings zufällig zugewiesen.

Von zwei unabhängigen Experten wurden die Texte dahingehend eingeschätzt, mit wieviel Beharrlichkeit und Anstrengung die Studenten bei der Sache waren. Aus ihrem Urteil ergab sich die individuelle Anstrengung für jeden Teilnehmer.

Schließlich wurde das Wohlbefinden mit einem Gesamtwert überprüft, der sich aus der Satisfaction With Life Scale (SWLS), aus der Subjective Happiness Scale und aus Angaben zu den gegenwärtigen Gefühlen zusammensetzte. Ein Item aus der SWLS lautete beispielsweise: „Ich bin mit meinem Leben zufrieden“ (S. 395). Das Wohlbefinden wurde zu Beginn des Trainings, nach Abschluss und noch einmal sechs Monate danach erhoben.

Ergebnis: Motivation und Beharrlichkeit waren entscheidend

Es zeigte sich, dass die Wohlbefindenstrainings nicht per se besser waren als das Kontrolltraining. Aber diejenigen, die sich bewusst für eines der beiden Glückstrainings entschieden, hatten nach Trainingsende deutlich höhere Wohlbefindenswerte als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Und nur diese besonders Motivierten konnten ihr gesteigertes Wohlbefinden auch sechs Monate nach dem Training beibehalten.

Ähnlich sah es mit dem Faktor Anstrengung aus. Auch dieser brachte nur den Teilnehmern der Wohlfühltrainings etwas. Studenten, die behaarlich jede Woche übten, konnten ihr Wohlbefinden steigern und waren auch noch sechs Monate nach Trainingsende glücklicher als ihre Kommilitonen aus der Kontrollgruppe.

Das richtige Training

Die Psychologen schlussfolgern: Das Wohlbefinden kann gesteigert werden, aber nur mit dem richtigen Training. Übungen zur optimistischen Zukunftsperspektive und Dankbarkeitsübungen sind ein möglicher Weg. Noch entscheidender ist aber, dass man dazu motiviert ist und beharrlich trainiert.

Und noch einen wichtigen Hinweis geben die Autoren. In bisherigen Studien hat sich gezeigt, dass Personen, die mit Stress, gedrückter Stimmung oder Problemen zu kämpfen haben, ganz besonders von Wohlbefindenstrainings profitieren. Diese könnten in Zukunft also auch stressgeplagten und burnoutgefährdeten Angestellten nützlich sein.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Sonja Lyubomirsky, Rene Dickerhoof, and Julia K. Boehm (University of California, Riverside), Kennon M. Sheldon (University of Missouri, Columbia). (2011). Becoming Happier Takes Both a Will and a Proper Way: An Experimental Longitudinal Intervention To Boost Well-Being (Abstract). Emotion, Vol. 11, No. 2, 391–402.

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