Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Zahlen mit dem Faktor Mensch bereichern

Carolin Schlegtendal

Carolin Schlegtendal, 42 Jahre, HR Director bei Payback / Loyalty Partner GmbH in München, Diplom-Psychologin (LMU München mit Schwerpunkt Arbeits- & Organisationspsychologie), beruflicher Schwerpunkt: Personal

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Im Studium habe ich bei einem Praktikum im Personalreferat bei BMW meine Leidenschaft für HR entdeckt und habe sie durch meine Werkstudententätigkeit und Diplomarbeit bei einer internationalen Personalberatung weiter ausgelebt. Danach bin ich direkt ins Personalwesen eingestiegen und ihm treu geblieben. Hier habe ich meine Berufung gefunden.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
In gewinnorientierten Unternehmen dreht sich vieles um Zahlen, KPIs, Erträge, unternehmerisch sinnvolles Handeln und Ähnliches. Die Wirtschaftspsychologie kann das durch die Beschäftigung mit dem „Faktor Mensch“ bereichern. Sie beschäftigt sich mit dem, was die Zahlen ausmacht: den Mitarbeitern und den Komplexitäten des wirtschaftlichen Arbeitsumfeldes. Viele Firmen haben erkannt, dass ihr größtes Kapital in den Menschen steckt, die bei ihnen arbeiten, sich engagieren und gestalten. Das auszubauen und wissenschaftlich zu beleuchten, ist eine der Aufgaben der Wirtschaftspsychologie.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Die Wissenschaft in die Praxis übersetzen. Den Menschen in den Mittelpunkt stellen. So, dass offensichtlich wird, dass Unternehmen nur so gut und erfolgreich sein können wie die einzelnen Menschen, die dort beschäftigt sind und sich engagieren. Sie können stärker dafür kämpfen, dass die Menschen nicht länger nur als Ressourcen bezeichnet werden, und Werte implementieren, die auch dabei helfen, den wirtschaftlichen Erfolg zu vergrößern. Keine Firma ist ein altruistischer Sozialverein. Daher gilt es zu zeigen, wie und wo die Menschen und deren Wertschätzung einen klaren Mehrwert für den Unternehmenserfolg bringen. Gute Psychologen können Win-win-Situationen für Mensch und Wirtschaftlichkeit schaffen.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Für vieles, das ich als wichtig für Menschen und Unternehmen erachte, kann ich mich beruflich einsetzen wie etwa Vielfalt, Familienfreundlichkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, New Work und Führungskräfteentwicklung. Zusätzlich würde ich mich gerne mehr mit Corporate Social Responsibility beschäftigen. Teils kann in das in meinem aktuellen Job tun. Tatsächlich könnte ich mir vorstellen, das mal hauptberuflich zu machen.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Prozesse, die am Menschen und tatsächlichen Bedürfnissen vorbeigehen, und Eindimensionalität und Perspektivenarmut in Diskussionen. Verschlossenheit gegenüber neuen Wegen und den Unwillen, sich selbst zu hinterfragen, finde ich auch ärgerlich.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Das fragt man sie natürlich am besten selbst. Rückgemeldet bekomme ich, dass sie es schätzen, dass ich viele verschiedene Themen verantworte, wovon sie profitieren. Sie würden sagen, dass ich viel bewegen kann und viel Energie habe. Umgekehrt bleibt für einzelne Themen, manchmal auch für einen intensiven (und wichtigen) persönlichen Austausch zu wenig Zeit.

Was ist Ihre größte Macke?
Mein Bestreben nach der perfekten Ordnung, zu Hause auch Aufräum-Tick genannt.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Mit meinen beiden Kindern. Die fordern und verdienen ungeteilte Aufmerksamkeit. Beim Joggen und Radfahren. Bei Treffen mit Freunden und Familie.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Eine lange Reise durch Asien oder Südamerika mit den Galapagosinseln. Und viel Zeit mit meinen Kindern verbringen.



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