Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Statt esoterischer Tools lieber fundierte Verfahren

Nadine Pfeiffer

Nadine Pfeiffer,
43 Jahre, Diplom-Psychologin (Universität Münster), HR-Interimsmanagerin und Business Coach, beruflicher Schwerpunkt: HR-Projekte mit dem Schwerpunkt Data Science

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Ich bin schnell nach meinem Studium in eine Führungsposition gerutscht, als Bereichsleiterin in einer Jugendhilfeeinrichtung. Dort habe ich neben anderem den therapeutischen Bereich geleitet. Vertraglich hatte ich mich verpflichtet, neben dem Job eine Therapeutenausbildung zu absolvieren. Zum Glück konnte ich meinen Arbeitgeber überzeugen, stattdessen Arbeits- und Wirtschaftsrecht zu studieren. Das war, ohne dass ich das beabsichtigte, schon der halbe Schritt ins Personalwesen. Vor dem schmerzlichen Hintergrund, bei Einstellungen selbst falsch entschieden zu haben, hat mich dann vor allem die Eignungsdiagnostik so gepackt, dass ich in den Personalbereich wechselte.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Es gibt im Business-Kontext jede Menge Tools, die der Esoterik näherstehen als wissenschaftlichen Verfahren. Das finde ich furchtbar. Damit wird man dem Menschen nicht gerecht. Ich denke, dass die Wirtschaftspsychologie viel dazu beitragen kann, weg von rein intuitiven oder pseudowissenschaftlichen Verfahren hin zu fundierteren Methoden und validen Entscheidungen zu kommen und damit Menschen fairer zu behandeln.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Die psychologische Forschung ist meines Erachtens größtenteils noch nicht in der Praxis angekommen. Ich befürchte, das liegt auch daran, dass Psychologen es oft nicht gut schaffen, Dinge einfach darzustellen. Es gibt so viel greifbares Wissen, etwa in der Eignungsdiagnostik, das viele Personaler nur unzureichend kennen. Außerdem haben wir einen großen statistischen Methodenkoffer, mit dem wir Dinge sichtbar machen können, die vorher nicht sichtbar waren. Das finde ich immer noch unfassbar aufregend: Welche Mitarbeiter kündigen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit? Oder wie lässt sich Berufserfolg schon im Recruiting-Prozess prognostizieren? Ich befasse mich schon länger mit Predictive Analytics und versuche, Unternehmen zu unterstützen, ihre Zielgruppe und ihre Mitarbeiter besser zu verstehen, um einen Wettbewerbsvorsprung zu haben.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Ich habe mich bisher nur oberflächlich mit neuronalen Netzen und Deep Learning befasst. Das möchte ich tiefer begreifen. Mir hat Statistik an der Uni nicht viel Spaß gemacht, heute sehe ich, wie hilfreich es für Unternehmen ist, Zusammenhänge zu verstehen und so bessere Entscheidungen zu treffen.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Ich finde es sehr nervig, wenn Menschen ganz einfache Erklärungen für komplexe oder zumindest sehr komplizierte Themen haben möchten. Was nicht bedeutet, dass man nicht auch ein umfassendes Thema einfach darstellen kann. Aber wenn Menschen sich weigern, Komplexität überhaupt zu akzeptieren, wird meine Geduld schon ein wenig strapaziert.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Heute habe ich als Freiberufler ja keine Mitarbeiter mehr, aber die Menschen, mit denen ich in Projekten zusammenarbeite, lernen mich oft schon gut kennen. Ich denke, ich werde als hilfsbereit wahrgenommen und auch als sehr analytisch und lösungsorientiert. Ich glaube, Ähnliches würden auch meine ehemaligen Mitarbeiter von mir sagen.

Was ist Ihre größte Macke?
Ich komme ursprünglich aus Westfalen, angeblich gehen wir zum Lachen in den Keller. Bei meinem alten Arbeitgeber habe ich jedoch öfter gehört, dass es schön wäre, wenn das auf mich auch zutreffen würde. Man höre mich bis in den Keller, wenn ich lache. Mein Büro war drei Etagen höher im Dachgeschoss. Wenn Kunden im Haus waren, wurde ich angehalten, mich zusammenzureißen.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Ich habe zwei Kater, die sehr kuschelig sind. Sobald ich abends nach Hause komme, liegt mindestens einer von beiden schnurrend auf mir. Das entspannt mich schon sehr. Ich treffe mich aber auch gern mit Freunden zum Essen und mag es, neue Restaurants auszuprobieren.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Ich würde gern einmal den größten Teil des Tages mit Lesen verbringen. Ich habe unfassbar viele Bücher zu Hause und auf meinem iPad, die ich gern noch lesen würde. Obwohl ich meine Wohnung in der Kölner Innenstadt sehr mag, würde ich mich gern auch mal drei Monate mit meinen Büchern in eine ruhigere Gegend absetzen.



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