Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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„Ich möchte die Berufswelt menschlicher machen“

Florentine von Wedemeyer

Florentine von Wedemeyer, Psychologische Beraterin bei der Twist Consulting Group in München, Master in Wirtschafts-, Organisations- und Sozialpsychologie und Trainerausbildung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beruflicher Schwerpunkt: Trainings zu sozialen Kompetenzen sowie Konzeption und Durchführung von Development Centern

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Die Motivation, die Berufswelt menschlicher zu machen. Besser gesagt: die Arbeitsbedingungen menschenpassender und die Entwicklungsmöglichkeiten für alle Seiten sinnvoller und den Umgang im Job angenehmer zu gestalten. Und meine Begeisterung für Trainings, die Lust, anderen Menschen zu helfen und sie zum Nachdenken über sich selbst und ihre Kommunikation mit anderen zu bringen. Meine Trainerausbildung an der Uni war sehr inspirierend.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Wirtschaftspsychologie bedeutet für mich, wissenschaftliche psychologische Erkenntnisse in die Arbeitswelt zu bringen und realitätsangepasst umzusetzen. Andere zu überzeugen, dass eine stärkere Orientierung am Menschen oft auch die Sache weiterbringt – gerade in Deutschland, mit einer stark sach-orientierten Kultur, wird der menschliche Aspekt oft hinten angestellt. Dabei ist es doch logisch: Wer sich am Arbeitsplatz nicht wohlfühlt, ist auf Dauer auch nicht motiviert, mit hohem Commitment gute Leistung abzuliefern und damit auch das Unternehmen weiterzubringen.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Sie können Teams, Abteilungen oder ganze Unternehmen dabei unterstützen, für ein Arbeitsklima zu sorgen, in dem man gern arbeitet. Sie können die Kommunikation(swege) verbessern, dabei helfen, Konflikte zu klären und mit validen Auswahl-instrumenten in der Personalauswahl oder bei der Talentförderung für eine gute Passung zwischen Position und Person sorgen … Da könnte ich noch viel aufzählen!

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Ich würde mich sehr gern mehr dem Coaching zuwenden, da es mich fasziniert, wie viel man in der persönlichen Arbeit mit nur einer Person bewirken kann.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Wenn Trainingsteilnehmer es nicht würdigen, was ihr Arbeitgeber ihnen an Zeit und Ressourcen schenkt, und sie die Chance haben, an Trainings oder sogar längeren Fortbildungsprogrammen teilzunehmen – und sie dann ohne jede Eigenmotivation im Workshop sitzen und sich nicht dafür interessieren. Oder sogar meinen, während des Trainings jeden Anruf entgegennehmen zu müssen.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Das wüsste ich auch gern! Vermutlich, dass ich mir oft zu viele Gedanken mache …

Was ist Ihre größte Macke?
… ebendies. Aber ich habe in den letzten Jahren gelernt – sowohl durch meinen Job als auch durch das Muttersein –, meinen ab und an auftauchenden Perfektionismus schon viel besser unter Kontrolle zu haben und immer öfter die Pareto-Regel (80/20) anzuwenden.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Sobald ich meinen dreijährigen Sohn von der Kita abhole, bleibt eh keine Zeit mehr für Gedanken über die Arbeit, da ist andere Action angesagt. Und wenn doch mal, schalte ich am besten auf der Bühne mit meiner Theatergruppe ab. Ansonsten liebe ich es, auf Fernreisen in andere Welten einzutauchen.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Sie mit meiner Familie in Spanien verbringen – und dort noch eine Coaching-Zusatzausbildung absolvieren. Seit meiner Studienzeit in Barcelona ist es mein Wunsch, noch einmal in Spanien zu leben. Die spanische Kultur und ich, das ist ein perfekter Person-Umfeld-Fit.



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