Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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„Von der Kirche und der Mafia lernen“

Frank Gierschmann

Frank Gierschmann, 49 Jahre,
Partner bei hkp/// group, einer Unternehmensberatung an der Schnittstelle von HR, Finanzen und Strategie mit Fokus auf Performance Management, Talentmanagement und Vergütung, Psychologie-Studium an der Universität Gießen und der RWTH Aachen, MBA an der Open University, beruflicher Schwerpunkt: Entwicklung von Lösungen im Talentmanagement für mittelständische und große Unternehmen

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Eigentlich wollte ich nach dem Studium promovieren, aber dann war da plötzlich ein spannendes Angebot, in einem Konzern die Führungskräfte-Entwicklung mitgestalten zu dürfen. Da dachte ich noch, ich hole die Tiefbohrung in der Psychologie nach, wenn ich damit fertig bin. Seitdem schiebe ich meine Promotionspläne auf und bin leider nicht mehr darauf zurückgekommen.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Die Psychologie ist ein äußerst praktisches Feld, das Wissen für viele Anwendungsfelder aufgebaut hat und weiterhin entwickelt. Inhaltlich sind Wirtschaftspsychologen überall dort zu Hause, wo zum Beispiel an diagnostischen Prozessen, der Auswahl und Entwicklung von Mitarbeitern oder Führungskräften, der Gestaltung von Kultur oder dem sozialen Miteinander in Betrieben gearbeitet wird. Die Wirtschaftspsychologie bleibt dabei nicht im Elfenbeinturm der Grundlagenforschung, sondern wagt sich ins Feld. Und genau dieser letzte Punkt macht das Fachgebiet besonders aufregend.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Mit einer guten Mischung aus fachlichem Tiefgang und großer Gestaltungslust gibt es für Psychologen in Unternehmen Anknüpfungspunkte im Kleinen und im Großen. Wenn es dazu noch gelingt, professionell und gleichzeitig undogmatisch zu sein, sind sie in Organisationen ein gefragter Gestalter von Veränderung.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Da gibt es tatsächlich einiges. Ich würde gern erkunden, wie Organisationen wie die Kirche oder die Mafia Talentmanagement betreiben. Beide sind natürlich nicht in einem Zusammenhang zu sehen, aber möglicherweise lässt sich von ihnen einiges im Guten wie im Schlechten lernen.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Eigentlich bin ich vor allem dankbar für die Gelegenheit, in meinem Beruf arbeiten zu dürfen. Wenn ich mich ärgere, dann am häufigsten darüber, wie schlecht es mir gelingt, meine Zeit einzuteilen. Manchmal wundere ich mich auch darüber, dass nicht alle Menschen dauerhaft damit beschäftigt sind, die Welt um sie herum mit Neugierde zu verstehen.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Da müssten Sie meine Mitarbeiter fragen. Attribute wie „endlos optimistisch“ oder auch „ein wenig verpeilt“ habe ich von dort schon gehört. Sehr schön, dass sie so offen zu mir sind.

Was ist Ihre größte Macke?
Mein schlechtes Namensgedächtnis kann man schon als Macke bezeichnen. Für meine Kollegen ist es immer wieder lustig, welche Blüten das treibt. Ich konzentriere mich daher auf entsprechende Coping-Strategien.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Eindeutig am Wochenende bei der gemeinsamen Zeit mit der Familie. Und beim Wandern mit meiner Frau, die sich dabei immer erst einmal die Geschichten von meiner Arbeit anhören muss. Sie tut dies mit viel Geduld.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Im Moment würde ich gern einmal zu Fuß durch Südamerika wandern. Dafür bräuchte ich dann allerdings eher sechs Monate.



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