Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Wechselwirkung von Raum und Mensch

Andreas Hegenbart

Andreas Hegenbart, selbstständig als Psychologe und Innenarchitekt, Mitinhaber eines Innenarchitekturbüros, 59 Jahre, verheiratet, Tischlerlehre, Studium der Innenarchitektur und Psychologie sowie Coachingausbildung. Beruflicher Schwerpunkt: das Spannungsfeld von Architektur, Mensch und Organisation

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Ich bin sowohl Innenarchitekt als auch Psychologe. Ist Architektur ein technisches und ästhetisches oder ein soziales Fachgebiet? Sie ist beides, vor allem die Innenarchitekten sind dicht am gelebten Berufsalltag der Menschen dran. Die Psychologie brachte mich zu der Wechselwirkung von Mensch und Raum – vor allem im organisationalen Kontext.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Diese Wechselwirkung gewinnt zunehmend an Bedeutung, und genau da sehe ich den Beitrag zur Wirtschaftspsychologie. Gleichzeitig sind die Grenzen zwischen den einzelnen psychologischen Fachgebieten fließend: An welchem Punkt gewinnt Gesundheitspsychologie wirtschaftspsychologische Bedeutung? Architekturpsychologie wiederum ist ein Teil­gebiet der Umweltpsychologie. Und C. F. Graumann stellt die provokante Frage, ob bei einer hypothetischen Rekonfiguration psychologischer Teildisziplinen die Umweltpsychologie Teil der Sozialpsychologie würde oder umgekehrt die Sozialpsychologie Teil der Umweltpsychologie. Und wird diese dann in der Architektur des Innenraums für Unternehmen und Organisationen wiederum zu einem Teilgebiet von Wirtschaftspsychologie?

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Eine Antwort darauf ist so vielfältig wie die Wechselwirkung von Unternehmenszielen und Unternehmensprozessen. Ich breche das einmal auf die grundsätzliche Dynamik herunter, in der gute Psychologen wirksam sind: Es ist das Zusammenspiel zwischen Rolle und Aufgabe zur Motivation und Selbstwirksamkeit der einzelnen Mitglieder eines Betriebs. Ich sehe das auf allen Ebenen, bis hin zur Ebene, auf der die Firmenziele definiert werden, also bei der Unternehmensführung und beim Eigentümer.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Mit den Themenfeldern des spannungsvollen Dreiklangs von Architektur, Mensch und Organisation – genau das tue ich bereits.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Ignoranz, Überheblichkeit und übersteigerte Selbstbezogenheit, und das nicht nur berufsspezifisch.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Ich vermute, dass viele gern mit mir zusammenarbeiten.

Was ist Ihre größte Macke?
Das ist wohl mein noch immer nicht überwundener Hang zu einer gewissen Vollständigkeit. Das ist vermutlich auch durch meine lange Sozialisation als Architekt bedingt. Allerdings gab es das schon früher. Die Angst, etwas falsch zu machen oder etwas nicht zu berücksichtigen, um dann mit einem Fehler konfrontiert zu werden, der bedrohlich sein oder werden kann, ist ein Teil dieser Macke. Ein anderer Teil ist die Freude an der vollständigen Gestalt, die auch eine künstlerische Komponente hat. Es geht darum, etwas um seiner selbst willen zu Ende oder in eine vollendete Gestalt zu bringen, sei es als Prozess oder als Ergebnis. Das raubt manchmal viel zu viel Zeit. Und bekanntlich ist die 80/20-Regel viel effizienter. Ich arbeite daran.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Indem ich sie beende! Damit meine ich, einen gesetzten Zeitpunkt der Arbeitspause oder des Arbeitsendes am Tag als genau das ernst zu nehmen und die Arbeitszeit auch wirklich zu beenden, auch wenn die Arbeit selbst inhaltlich noch nicht erledigt oder abgeschlossen ist. Manchmal benötigt das noch ein kleines Ritual, zum Beispiel den Computer mit Aufmerksamkeit herunterzufahren, vielleicht auch noch ein klein wenig den Schreibtisch frei zu machen, selbst wenn es nur das Aufräumen von Stiften oder Notizzetteln ist. Oder sich nach einem Coaching die Zeit für das innere Beenden des Prozesses zu nehmen. Wichtig ist für mich: im Kopf Feierabend zu machen und dann die Arbeit bis zum nächsten Neubeginn zu verabschieden.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Mmh, ich habe tatsächlich drei Monate Zeit, viermal im Jahr, und das auch hoffentlich noch viele Jahre lang. Ich bin und tue das, was mir als sinnvoll erscheint. Manchmal steht dabei die Subsistenzsicherung im Vordergrund, manchmal darf sie etwas zurücktreten, und ich tue, wovon ich überzeugt bin, dass es wichtig ist, es zu tun, und manchmal geht es auch einfach nur darum, es geschehen zu lassen, dabei zu sein und mitzumachen.



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