Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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„Im Herzen bin ich ein kleiner Nerd geblieben“

Dr. Anne Katrin Matyssek

Nadine Zimmermann (30 Jahre), Senior Recruiting Manager bei der E-Commerce-Plattform Shopgate in Frankfurt, Fachinformatikerin für Systemintegration, Psychologin (M.Sc.), beruflicher Schwerpunkt: Personalauswahl, Recruiting, Sourcing

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Die ersten Erfahrungen in der Personalbranche habe ich während meiner Ausbildung als Fachinformatikerin gesammelt. Ich nahm an Auswahlverfahren und Job-Interviews unterschiedlicher Berufe im kaufmännischen und im IT-Bereich teil und lernte verschiedenste Persönlichkeiten, ihre Hintergründe und Berufswünsche kennen. Schon damals war ich davon begeistert, was Menschen beruflich antreibt. In meinem Psychologie-Studium hat mich dieses Thema erneut gefesselt. Ich wollte verstehen, was Menschen an einem Job reizt – und herausfinden, mit welchen Personalauswahlverfahren ich den perfekten Kandidaten für eine Position auswähle. Durch verschiedene Praktika hatte ich dann auch mit „Active Sourcing“ zu tun.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Sie ist für mich ein interdisziplinäres Feld – ohne Grenzen zu anderen Disziplinen. Beim Individuum fallen mir Fachgebiete wie Personalauswahl und -entwicklung, Mitarbeitermotivation, Teamarbeit, Führung und Leistungsbeurteilungen ein. Beim Arbeitgeber sind das Themen wie Organisationsstrukturen, Arbeitsgestaltung, Change Management, Unternehmenskultur, Arbeitsbedingungen und auch Gesundheitsmanagement.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Psychologen sollten nicht nur das Unternehmen, den Markt, die zu besetzende Position, sondern vor allem auch die Kandidaten und deren Wünsche und Erwartungen verstehen. Es geht heute nicht mehr darum, kurzfristig eine Position zu besetzen. Man muss an die langfristige Bindung der Kandidaten denken. Es geht um den „Perfect Fit” für beide Seiten und das passende Gesamtpaket: Job, Work-Life-Balance, Teamgefühl, Weiterbildungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, Übernahme von Verantwortung, Selbstverwirklichung und Gehalt. Jeder Kandidat ist anders und hat andere Erwartungen. Psychologen sollten diese erkennen und ein Gefühl entwickeln, welche Faktoren die Arbeitszufriedenheit eines Mitarbeiters beeinflussen.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Da gibt es viel. Da ich eine spezialisierte Rolle habe, würde ich gerne mehr über Personalmanagement, Personalentwicklung und Arbeitsrecht erfahren. Im Moment absolviere ich in meiner Freizeit einen Grundlagenkurs in der Softwareentwicklung und lerne HTML, CSS und JavaScript. Dadurch möchte ich meine eigenen IT-Kenntnisse auffrischen. Als Tech-Recruiter finde ich es spannend, wenn ich nicht nur nach den IT-Kenntnissen eines Kandidaten suchen, sondern diese auch verstehen kann.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Mir ist ein respektvoller Umgang mit unserem Unternehmen, mir als Schnittstelle und den Kandidaten sehr wichtig. Ich lege Wert auf Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und eine vertrauensvolle sowie transparente Kommunikation. Ich ärgere mich, wenn Kandidaten uns nicht das gleiche Verhalten entgegenbringen und nicht zu vereinbarten Interviews erscheinen.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Unter meinen Kollegen und Kolleginnen gelte ich als Mitarbeiterin mit großer Begeisterungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Vor allem im Tech-Bereich pflege ich engen Kontakt zu unseren Softwareentwicklern. Im Herzen bin ich wohl immer ein kleiner Nerd geblieben. Ich denke, dass aber auch die anderen Abteilungen bei uns nicht zu kurz kommen. Mit meiner emotionalen Art begeistere ich nicht nur unsere Teams, sondern auch unsere Kandidaten und sorge für gute Stimmung.

Was ist Ihre größte Macke?
Ich gebe zu, dass ich durch und durch ein Workaholic bin. Ich gehe in meiner Arbeit und dem Austausch mit den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten auf. Ich nutze jede Gelegenheit, neue Methoden, Verfahren und Technologien kennenzulernen. Kandidaten, mit denen ich in Kontakt bin, stehen für mich an erster Stelle, um sie für unser Unternehmen und den Job zu begeistern. Das bedeutet aber auch, dass ich nach Feierabend für Fragen und Job-Interviews zur Verfügung stehe.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
In meiner Freizeit bin ich sportlich sehr aktiv. Ich mache Krafttraining, tanze seit über 20 Jahren in unterschiedlichen Vereinen und nehme regelmäßig an Auftritten und Wettbewerben teil.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Ich würde die Welt bereisen, neue Menschen und Kulturen kennenlernen sowie deren Küche ausprobieren.



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