Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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„Wir brauchen schöpferische Mitarbeiter“

Wolfgang Jetter

Wolfgang Jetter, 63, Geschäftsführer der Human-Performance-Beratung Jetter Management, Diplom-Psychologe (Neuro- und Organisationspsychologie), beruflicher Schwerpunkt: Human Performance Consulting (Eignungs- und Management-Diagnostik, Talentmanagement, Performance Management, Leadership-Training und Coaching)

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Während meines Psychologiestudiums in Konstanz deutete alles auf einen neuropsychologischen Berufsweg hin. Anfang der 80er-Jahre waren solche Stellen jedoch rar, sodass ich mich auch als Organisationspsychologe beworben habe. Im Zentralbereich Personal/Betriebspsychologie bei Siemens hatte ich meinen ersten Kontakt mit dem Personalwesen. Vier lehrreiche Jahre später lernte ich bei BMW auch die operative Personalarbeit von der Pike auf kennen und wurde HR-Leiter im BMW-Vertrieb Deutschland. Nach etwa zehn Jahren wechselte ich die Seiten und war Berater bei Roland Berger, Accenture und im Malik Management Zentrum St. Gallen.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Kurz: Psychologie für die in der Wirtschaft handelnden Akteure nutzbar zu machen. Die menschliche Leistung ist der einzige nicht kopierbare Wettbewerbsvorteil von Unternehmen. Die Wirtschaftspsychologie trägt viele Erkenntnisse dazu bei, wie die menschlichen Produktivkräfte „freigesetzt“ werden und sich menschliche Potenziale erkennen und individuell entwickeln lassen. Sie hilft, durch gute Führung sowohl die benötigten Ergebnisse zu erzielen als auch die Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiter zu steigern. Sie beantwortet Fragen wie: Was treibt Menschen wirklich an? Was bewegt Menschen in Veränderungsprozessen? Wie kann man sie dafür gewinnen?

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Wichtig ist, dass sie sich Gehör bei Entscheidungsträgern verschaffen oder selbst eine verantwortliche Rolle einnehmen (etwa als HR-Chef). Sie können dazu beitragen, dass sich Unternehmen am Menschen orientieren statt nur an Strukturen. Denn wir brauchen „schöpferische“ und nicht er-schöpfte Mitarbeiter.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Mich fasziniert es, die Themen „Machbarkeit“ und „Menschlichkeit“ zu verbinden. Gelegentlich schreibe ich auch Bücher, die das ganzheitlich behandeln, etwa zu effizienter Personalauswahl, Performance Management oder High-Energy-Organisationen. Meine neurowissenschaftlichen und psychologischen Interessen verbinde ich auch gerne mit modernem Managementwissen.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Wenn ich mit hochmotivierten Mitarbeitern eines Unternehmens neue Lösungen entwickle und die Geschäftsführung das Projekt nur halbherzig umsetzt oder mittendrin die Lust daran verliert, frustriert das die Mitarbeiter, und sie fühlen sich mit ihrer Arbeit nicht wertgeschätzt. Ich habe gelernt, damit umzugehen, aber gelegentlichen Ärger kann ich nicht ganz verhindern.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Aufgrund von Feedback darf ich annehmen, dass sie mich für fokussiert, konsequent umsetzungsorientiert, gelassen, wertschätzend, vertrauensvoll, offen und für ziemlich bodenständig halten.

Was ist Ihre größte Macke?
Auch heute lese ich meine Tageszeitung beim Frühstück immer noch lieber, als mich ausschließlich online zu informieren.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Beim Wandern oder bei anderen Naturerlebnissen wie Schwimmen, Segeln oder Golfspielen. Um während eines hektischen Arbeitstags etwas herunterzukommen, helfen mir fünf Minuten Achtsamkeitsmeditation.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Ich würde ich mich gerne losgelöst vom Alltag näher mit fernöstlichen Meditationstechniken beschäftigen – am liebsten vor Ort.



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