Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Profil: Vorbildhaftes Führungsverhalten unterstützen

Dr. Walter Jochmann Dr. Walter Jochmann, 51, Diplom-Psychologe, Vorsitzender der Geschäftsführung Kienbaum Management Consultants GmbH;
beruflicher Schwerpunkt: Beratung von Unternehmen in Transformations- und Strategie-Prozessen, HR-Strategie, strategischer Personalentwicklung und Führungskräfte-Diagnostik;
getrennt lebend, ein Sohn (20 Jahre)

Was hat Sie in die Personalbranche geführt?
Ein spannendes Praktikum in einem Headhunting-Unternehmen während des Psychologie-Studiums. Zudem Studienschwerpunkte im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie und der Sozialpsychologie.

Was bedeutet Wirtschaftspsychologie für Sie?
Anwendungsnahe Forschung und vorbereitende Ausbildung in den Feldern Change-Management, Diagnostik, Personalentwicklung sowie Teambildung und Coaching. Wenn ich heute einen Topmanager in einem Audit anschaue, dann ist die betriebswirtschaftliche Kompetenz nur eine Seite. Wichtig ist auch, wie er auf Stress und unter Zeitdruck reagiert und wie er mit seinen Mitarbeitern kommuniziert. All das sind Fragen, die ein Betriebswirtschaftler nur schwer beantworten kann.

Was können gute Psychologen in Unternehmen verändern?
Je weiter Psychologen in den betrieblichen Hierarchien aufsteigen – etwa als Leiter Personal, Marketing, Unternehmenskommunikation –, desto mehr können sie zu einer attraktiven Unternehmenskultur, zu vorbildhaftem Führungsverhalten und zur Veränderungsbereitschaft der Belegschaft beitragen. Etwas zu bewirken und zu verändern bedeutet auch immer, Erfolg zu haben und die gesetzten Ziele zu übertreffen. Dann ist auch eine Karriereentwicklung bis in die Geschäftsführungs- und Vorstandsebene möglich. In den oft von Psychologen angestrebten HR-Funktionen geht es darum, die Entwicklung von Managern zu prognostizieren und zu unterstützen. Wer dabei danebenliegt, schadet letztlich dem Unternehmen, weil sich personelle Fehlentscheidungen oftmals langfristig und kaskadenhaft auswirken.

Mit welchem Thema würden Sie sich gern einmal beruflich beschäftigen?
Aktuell beschäftigen mich unter anderem strategische Personalplanungsmodelle und neue Trends im Workforce Management. Persönlich hat mich Heiner Geißler auf unserer letzten Kienbaum-Tagung in Ehreshoven sehr inspiriert, der dort über eine neue Ethik im Management nach der Krise gesprochen hat. Es würde mich reizen, das gemeinsam mit Kollegen zu konkretisieren und in die aktuelle Diskussion über Corporate Governance zu integrieren. Aber auch die Fragestellung, wohin sich Anforderungsprofile in globalen und virtuellen Unternehmensstrukturen entwickeln und was künftig „No-Go’s“ in Führung, Vertrieb und Strategie sind, finde ich spannend.

Was ärgert Sie in Ihrem Beruf am meisten?
Dass Innovationen in Personalbereichen so lange dauern – etwa die Umsetzung des Rollenmodells mit HR-Business- Partner, Competence-Center und Service-Center. Dass HR-Funktionen bei talentierten Absolventen keine hohe Attraktivität genießen – und dass an den Universitäten oft keine praxisnahen Informationen zu den Veränderungen vom Stellenwert und von den Jobs im Personalbereich vermittelt werden. Ansonsten ärgert mich, wenn im eigenen Unternehmen gemeinsam festgelegte Maßnahmen nur zögerlich umgesetzt oder im Nachhinein zerredet werden.

Was denken Ihre Mitarbeiter über Sie?
Er hat hohe Erwartungen und ist fordernd. Aber er lässt einem auch viel Freiraum, unterstützt unternehmerische Karrieren, forciert Innovationen und ist selbst mit vielen Beratungsthemen gut vertraut.

Was ist Ihre größte Macke?
Ich sollte mehr loben, gelassener sein und nicht zu viele Dinge auf einmal wollen.

Wie schalten Sie am besten von der Arbeit ab?
Vor allem beim Sport – beim Joggen und im Fitness- Studio, in einem harmonischen und schönen privaten Umfeld, mit Kunst und Chill-out-Musik.

Wenn Sie drei Monate Zeit hätten, was würden Sie machen?
Ins Tessin reisen und meinen Traum verwirklichen, ein Buch über Trends und Strategiemodelle des Human Resource Managements in Zeiten der drastischen Veränderungen schreiben.



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