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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

7. Juli 2020

Weibliche Akademikerkinder und Studienstress

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Der Beginn eines Studiums ist für alle eine aufregende Phase. Weibliche Kinder aus Akademikerhaushalten haben während dieser Zeit allerdings deutlich mehr Stress als solche aus Nicht-Akademikerfamilien. Das hat ein schweizerisch-deutsches Forschungsteam anhand einer Haaranalyse unter Studienanfängerinnen herausgefunden. Möglicherweise stresst sie die Befürchtung, durch ein Versagen im Studium den Sozialstatus der Familie zu gefährden, folgern der Autor Prof. Dr. Alex Bertrams von der Universität Bern und die Autorin Dr. Nina Minkley von der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Stresshormon lagert sich im Haar ein

In Stresssituationen schüttet der Körper vermehrt das Hormon Cortisol aus, das auch in die wachsenden Haare gelangt und sich dort – im Falle von über längere Zeit hohen Werten – einlagert. Untersucht man die Haare, kann man daran erkennen, in welchen Phasen eine Person vermehrt Stress hatte.

Um herauszufinden, ob sich das Stresslevel bei jungen Menschen mit verschiedenen familiären Hintergründen zu Beginn eines Hochschulstudiums unterscheidet, gewann das Forschunsgsteam insgesamt 71 Testpersonen. „Die einzigen Einschlusskriterien waren, dass sie im ersten Semester sein mussten, und dass sie ausreichend langes Haar hatten“, erklärt Nina Minkley aus der Arbeitsgruppe Verhaltensbiologie und Didaktik der Biologie der RUB. „Letzteres hat dazu geführt, dass wir fast nur Frauen rekrutieren konnten und die wenigen Männer schließlich nicht eingeschlossen haben, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen.“

Haarsträhnen und Fragebögen

Die Probandinnen stellten dem Forschungsteam je drei dünne Haarsträhnen zur Verfügung, die nahe der Kopfhaut abgeschnitten wurden. Da ein Haar etwa einen Zentimeter pro Monat wächst, untersuchten die Forscher die neuesten anderthalb Zentimeter, die in den sechs Wochen seit Studienbeginn gewachsen waren. Darüber hinaus füllten die Teilnehmerinnen Fragebögen aus, in denen sie unter anderem Auskunft über den Bildungsgrad ihrer Eltern gaben. Auch über den von ihnen selbst wahrgenommenen Stress wurden sie befragt.

Es stellte sich heraus, dass Studienanfängerinnen aus Akademikerhaushalten, in denen mindestens ein Elternteil selbst über einen Hochschulabschluss verfügte, höhere Stresslevel aufwiesen als solche aus Nicht-Akademikerhaushalten, obwohl sie sich in anderen Punkten nicht unterschieden. Der selbst wahrgenommene Stresslevel unterschied sich zum Beispiel nicht.

Drohender Statusverlust stresst

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Das Forschungsteam interpretiert dieses Ergebnis als Zeichen dafür, dass Studentinnen aus Akademikerhaushalten stärker unter Druck sind, weil ein Versagen im Studium einen Statusverlust für sie und ihre Familie bedeuten würde. Das passt zu den Ergebnissen soziologischer Studien, die gezeigt haben, dass Akademikerkinder selbst dann dazu neigen, ein Studium aufzunehmen, wenn ihre schulischen Leistungen eher nicht erwarten lassen, dass sie auch erfolgreich sein werden. „Nicht-Akademikerkinder können hingegen nur gewinnen und sind deswegen wahrscheinlich weniger gestresst“, so Minkley.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2020. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Bertrams, A. & Minkley, N. (2020). Preliminary indications that first semester students from academic households exhibit higher hair cortisol concentrations than their peers from non-academic households. Frontiers in Psychiatry. Online verfügbar

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