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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

26. Mai 2020

Mit Self-Nudging gegen den inneren Schweinehund

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Obwohl wir es doch besser wissen, entscheiden wir uns oft für Dinge, die uns nicht guttun, und ärgern uns später darüber. Dabei können wir unsere Selbstkontrolle stärken, indem wir unsere Umgebung nur etwas verändern. Wie das funktionieren kann, stellen Wissenschaftler der Universität Helsinki und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung im Journal Behavioural Public Policy vor.

Wie beeinflusst die Architektur der Umgebung unsere Entscheidungen?

Der Alltag stellt den einzelnen Menschen immer wieder vor Herausforderungen. Da fällt es schwer, gewissen Verlockungen zu widerstehen – auch wenn wir wissen, dass sie eigentlich nicht gut für uns sind. Wir greifen zum überzuckerten Snack statt zu Gemüse, bleiben stundenlang an Social-Media-Feeds hängen und machen einen Serienmarathon auf dem Sofa statt joggen zu gehen. Wir entscheiden uns oft für die kurzfristig bequemere, genussvollere oder attraktivere Option statt für die, die langfristig besser für uns ist.

Eine verhaltenswissenschaftliche Methode, mit der jeder seine Fähigkeiten zur Selbstkontrolle stärken kann, stellen Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, und Samuli Reijula, Philosoph an der Universität Helsinki nun im Journal Behavioural Public Policy vor. Mit dem sogenannten Self-Nudging könne jeder seine unmittelbare Umgebung so verändern, dass gewünschte Entscheidungen leichter fallen, so die Autoren. Die Nudges, zu Deutsch: Stupser, helfen uns dabei, selbst gesteckte, langfristige Ziele zu erreichen. Dabei müsse man jedoch zunächst verstehen, wie die Architektur unserer Umgebung unsere Entscheidungen beeinflusst – zum Beispiel die ständigen Benachrichtigungen von Apps auf unserem Smartphone oder der Inhalt des eigenen Kühlschranks. Im zweiten Schritt gelte es, diese Architektur gezielt so zu verändern, dass wir es uns selbst leichter machen, die Entscheidungen zu fällen, die wir wollen. Wir geben uns dadurch selbst Stupser in die gewünschte Richtung.

Vier Werkzeuge für Self-Nudging

Die Self-Nudging-Werkzeuge teilen die Forscher in vier Kategorien auf:

  1. Erinnerungen und Hinweise für sich selbst platzieren; zum Beispiel das Foto eines Apfels auf der Kühlschranktür oder die Jogging-Schuhe vor dem Bett.
  2. Den Entscheidungen einen anderen Rahmen geben (Framing). Beispielsweise können wir die Entscheidung zwischen Joggen oder Nichtjoggen auch als eine Entscheidung zwischen Gesundheit oder Krankheit im Alter framen oder jede Treppe als eine Gelegenheit willkommen heißen, unsere Lebenserwartung minimal zu erhöhen.
  3. Die Zugänglichkeit zu Dingen, die uns schaden können, verringern und Hürden einbauen, oder umgekehrt die Dinge, die wir wollen, einfach machen; zum Beispiel die Voreinstellungen in elektronischen Geräten ändern und Benachrichtigungen von Social-Media-Apps ausschalten.
  4. Sich etwas Druck und Selbstverpflichtung mittels sozialer Verträge aufbauen. Indem man sich zum Beispiel gegenüber Personen aus dem Freundeskreis zu einer finanziellen Spende für eine politische Partei, die man wirklich nicht mag, verpflichtet, sofern man die Frist für die Abgabe einer Arbeit nicht einhält.
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„Wir alle haben in unseren Köpfen und Körpern verschiedene Bedürfnisse und Wünsche, die ständig miteinander in Verhandlung treten. Self-Nudging kann dabei helfen, bewusster mit diesen inneren Verhandlungsprozessen umzugehen. So kann mit ganz praktischen Werkzeugen die Selbsterkenntnis gefördert werden“, sagt Samuli Reijula, Philosoph an der Universität Helsinki.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2020. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Reijula, S. & Hertwig, R. (2020). Self-nudging and the citizen choice architect. Behavioural Public Policy, 1–31. Online verfügbar

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