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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

14. Mai 2020

„Diese Krise stellt auch Führungskräfte auf eine harte Bewährungsprobe“

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.

Die Corona-Pandemie stellt auch Führungskräfte vor besondere Herausforderungen. Arbeitspsychologe Prof. Dr. Hannes Zacher von der Universität Leipzig sagt im Interview, was Chefs jetzt unbedingt beachten und auch, was sie vermeiden sollten.

Wie sind Manager in deutschen Unternehmen für das Handeln in Zeiten der Corona-Krise gewappnet?

Diese Krise stellt auch Führungskräfte in unterschiedlichen Organisationen auf eine harte Bewährungsprobe. Menschen in Führungspositionen unterscheiden sich sehr stark darin, wie effektiv sie in unsicheren und bedrohlichen Zeiten die Erfüllung von Arbeitsaufgaben durch das Team sicherstellen, auf die persönlichen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden eingehen und mit Veränderungen und Herausforderungen umgehen. Glücklicherweise sind die meisten einflussreichen Managerinnen und Manager sehr erfahren darin, in kleineren und größeren Krisen besonnen zu entscheiden und zu handeln – ansonsten wären sie erst gar nicht in ihre Position gekommen. Wenn Führungskräfte sich jetzt darauf besinnen, was gute Führung ausmacht, bin ich optimistisch, dass sie selbst, ihre Mitarbeitenden und ihre Organisationen die Corona-Krise erfolgreich bewältigen werden, ja sogar persönlich und als Team gestärkt daraus hervorgehen.

Welche Eigenschaften sollten Chefs gerade jetzt an den Tag legen, was unbedingt vermeiden?

Zunächst einmal ist es jetzt wichtig, dass Führungskräfte die Ruhe bewahren und Mitarbeitenden Orientierung in dieser unsicheren und herausfordernden Zeit bieten. Dazu gehört, dass Führungskräfte gut über die aktuelle Faktenlage informiert sind und sich kontinuierlich mit anderen Entscheidungsträgern über die dynamische Entwicklung und notwendige Präventionsmaßnahmen und Reaktionen austauschen. Sie sollten dabei stets realistischen Optimismus ausstrahlen und vermitteln, dass die Krise gemeinsam erfolgreich bewältigt werden kann. Weiterhin ist es wichtig, dass Vorgesetze ihre Vorbildfunktion in Bezug auf Gesundheitsverhalten erfüllen und zum Beispiel nicht krank zur Arbeit erscheinen. Gute Führung bedeutet auch, klar und deutlich zu kommunizieren und Mitarbeitende individuell zu unterstützen, zum Beispiel Menschen, die Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie haben.

Woran können sich Manager angesichts der auch für sie neuartigen Krisensituation orientieren?

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Manager sollten sich in erster Linie an gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu guter Mitarbeitenden-Führung orientieren und evidenzbasiert handeln. Die Arbeits- und Organisationspsychologie erforscht seit vielen Jahren, welche Verhaltensweisen von Führungskräften besonders wirksam in Krisenzeiten sind. In erster Linie sollte es immer darum gehen, Mitarbeitenden ein Gefühl von Selbstbestimmung und Kontrolle über ihre Arbeit sowie die Vereinbarkeit der Arbeit mit ihrer persönlichen und familiären Situation zu geben. Gute Führung in der Corona-Krise unterscheidet sich nicht von guter Führung in anderen unsicheren und bedrohlichen Situationen: es geht letztlich immer darum, den Menschen, für die man als Führungskraft Verantwortung übernommen hat, zu dienen und sie bei der Bewältigung von verschiedenen Anforderungen zu unterstützen. Natürlich sollten Führungskräfte dabei nicht vergessen, sich auch um sich selbst und ihre eigene Gesundheit zu kümmern.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2020. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Webseite der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Leipzig

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