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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

3. September 2019

Job verloren? Lieber an einen Roboter als an den Kollegen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Die meisten Menschen finden es schlimmer, wenn Arbeitnehmer durch Roboter oder Software verdrängt werden, als wenn andere Arbeitnehmer ihren Job übernehmen. Wenn es aber um sie selbst geht, würden sie lieber durch einen Roboter ersetzt werden als durch einen Kollegen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und der Erasmus-Universität Rotterdam.

Experimentelle Untersuchungen mit mehr als 2.000 Personen

Um herauszufinden, wie Menschen darauf reagieren, im Beruf durch Technologie ersetzt zu werden, haben die Forscher in elf größtenteils experimentellen Untersuchungen verschiedene Szenarien mit insgesamt mehr als 2.000 Personen aus mehreren Staaten Europas und Nordamerikas getestet. Die Forschungsarbeit wurde nun im Fachmagazin „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht.

Die Studie zeigt: Grundsätzlich würden es die meisten Menschen bevorzugen, wenn Arbeitnehmer durch andere Menschen ersetzt werden statt durch Roboter oder intelligente Software. Das gilt nicht, wenn sie persönlich betroffen sind. Sollte ihr eigener Job gestrichen werden, fände es die Mehrheit der Arbeitnehmer weniger schlimm, wenn ein Roboter sie verdrängt, als wenn ein Mensch ihre Aufgaben übernimmt. Trotzdem sehen dieselben Menschen auf längere Sicht Maschinen als größere Gefahr für ihre eigene berufliche Zukunft. Diese Effekte lassen sich auch bei Personen nachweisen, die kürzlich ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Wissenschaftler konnten die Gründe für diese auf den ersten Blick paradoxen Ergebnisse ermitteln: Menschen vergleichen sich weniger mit Maschinen als mit anderen Menschen. Deshalb wird ihr Selbstwertgefühl weniger infrage gestellt, wenn sie durch einen Roboter oder Software ersetzt werden. Dieser Effekt zeigte sich schon dann, wenn die Testpersonen annahmen, dass sie von Kolleginnen und Kollegen verdrängt werden, die Künstliche Intelligenz für die Arbeit nutzen können.

Arbeitslosigkeit durch Technologie-Einsatz wird im sozialen Kontext beurteilt

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„Auch Arbeitslosigkeit, die durch den Einsatz von Technologie verursacht wird, beurteilen Menschen in einem sozialen Kontext“, sagt Studienautor Christoph Fuchs, Professor an der TUM School of Management. „Diese psychologischen Effekte zu verstehen, ist wichtig, um die massiven Veränderungen in der Arbeitswelt so gestalten zu können, dass sie keinen gesellschaftlichen Schaden auslösen.“ Beispielsweise könnten die Erkenntnisse helfen, Programme für Arbeitslose zu verbessern. „Haben Menschen ihren Job an einen Roboter verloren, ist es weniger nötig, ihr Selbstbewusstsein zu stärken“, sagt Fuchs. „Wichtiger ist es dann, ihnen neue Kompetenzen zu vermitteln, die ihnen die Angst nehmen, Robotern langfristig unterlegen zu sein.“ Die Studie könne zudem Grundlage für weitere Forschung auf anderen ökonomischen Ebenen sein, sagt Fuchs: „Möglicherweise wehren sich Arbeitnehmervertreter weniger gegen Arbeitsplatzverluste, die durch Robotereinsatz verursacht werden, als gegen anders begründete Streichungen beispielsweise durch Outsourcing an andere Arbeitnehmer.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2019. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Granulo, A., Fuchs, C. & Puntoni, S. (2019). Psychological reactions to human versus robotic job replacement. Nature Human Behaviour. Hier online verfügbar.

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