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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

22. August 2019

Meditation kann auch unangenehm sein

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Wer meditiert, ist ruhiger, entspannter und gelassener. Doch es kann auch das Gegenteil passieren. Das haben Forscher der Universität Witten/Herdecke, des University College London und der University Ljubljana in einer internationalen Online-Umfrage mit 1.230 Teilnehmern herausgefunden. Mehr als ein Viertel der Menschen, die regelmäßig meditieren, haben demnach dabei unangenehme psychologische Erfahrungen gemacht.

Konstruktive versus dekonstruktive Mediationstechniken

Die Wissenschaftler unterschieden bei den Meditationstechniken zwischen konstruktiv und dekonstruktiv. Konstruktive Techniken gelten als „aufbauend“, dekonstruktive wie Vipassana oder Koan als „zerlegend“ und „analytisch“. Die Probanden gaben an, bei beiden Arten von Techniken Angstgefühle, Sorgen, verzerrte Emotionen und Gedanken sowie eine veränderte Eigen- oder Fremdwahrnehmung erlebt zu haben.

„Diese Studie deutet darauf hin, dass Meditation kein Allheilmittel ist, das nur zu angenehmen Erfahrungen und Entspannung führt“, betont Terje Sparby, Philosoph und Forscher am Lehrstuhl für die Grundlagen der Psychologie und im Integrierten Begleitstudium Anthroposophische Psychologie  der Uni Witten/Herdecke. Dabei sei es wichtig, keine vorzeitigen Schlüsse über negative Auswirkungen zu ziehen. „Wir wissen sehr wenig darüber, unter welchen Umständen Meditation unangenehm werden kann und welche Bedeutung das hat. Mehr Forschung ist nötig, um die Wirkungsweisen von Meditation und vor allem unterschiedlicher Meditationstechniken besser zu verstehen.“ 

Einzelergebnisse als Ansatz für Folgestudien

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Ansätze für Folgestudien bieten interessante Einzelergebnisse. So hatten Probanden, die nur dekonstruktive Meditationstechniken anwenden (29,2 Prozent) oder schon an einem Retreat (spirituelle Ruhephase) teilgenommen haben (29 Prozent), eher unangenehme Erfahrungen. Ebenso gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern und der Religiosität: Männer berichteten häufiger von unangenehmen Erfahrungen (28,5 Prozent) als Frauen (23 Prozent). Gläubige Menschen (30,6 Prozent) hatten durchschnittlich weniger unangenehme Erlebnisse als nicht-religiöse Menschen (22 Prozent).

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2019. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Schlosser, M., Sparby, T., Vörös, S., Jones, R. & Marchant, N. l. (2019). Unpleasant meditation-related experiences in regular meditators: Prevalance, predictors and conceptual considerations. Plos One, online verfügbar

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