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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

13. August 2019

BigBrotherAward für Precire

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Der Software-Anbieter Precire hat eine zweifelhafte Ehrung bekommen und wurde mit dem BigBrotherAward 2019 in der Kategorie Kommunikation für seine „wissenschaftlich zweifelhafte, wahrscheinlich rechtswidrige und gefährliche Sprachanalyse“ ausgezeichnet.

Persönlichkeitsprofil per Stimmanalyse

Das Aachener Start-up behauptet, anhand der Stimmanalyse ein Persönlichkeitsprofil einer Person erstellen zu können. Sie werte dabei die Tonhöhe aus, die verwendeten Wörter und die Lautstärke und vergleiche das Gesprochene mit den Daten von 5000 Personen, deren Sprechweise gespeichert und deren Charakter ermittelt wurde, heißt es in der Laudatio. Precire wird angeblich bereits in mehr als hundert Unternehmen eingesetzt, etwa bei der Bewerberauswahl oder Personalentwicklung beim Zeitarbeitsvermittler Randstad, dem Versicherungskonzern Talanx und dem Flughafenbetreiber Fraport. In Callcentern soll die Software angeblich herausfinden, ob ein Anrufer verärgert ist, bei der Meldung eines Versicherungsschadens lügt oder in der richtigen Stimmung ist, um ihm ein interessantes Angebot machen zu können.

Ein eifriger Promoter von Precire ist Thomas Belker, bis Ende April Personalvorstand beim Precire-Kunden Talanx und Vizepräsident des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM). Seit dem 1. Mai 2019 ist Belker Geschäftsführer von Precire und weiterhin Mitglied des vom BPM initiierten „Ethikbeirat HR Tech“.

Kaum kritische Fragen von Journalisten

Als Sieger in der Kategorie „Kommunikation“ gehöre Precire zu den Angeboten, die sich mit dem Allerweltsfüllwort „künstliche Intelligenz“ schmücken. So hieß es auf der Website des Anbieters, die Sprachanalyse-Software sei „ein selbstlernendes System zur Erkennung psychologischer Muster auf hochdimensionalen Ebenen“ und „somit prinzipiell in der Lage, psychologische Muster in jeder Form von Text oder Audio zu erkennen“. Ob der Algorithmus wirklich funktioniert, sei jedoch „wissenschaftlich sehr umstritten“.

Auch die Medien schneiden in der Laudatio schlecht ab. Seit 2015 hätten sie immer mal wieder über Precire berichtet, mit wenigen Ausnahmen meist mit dem Tenor: „Schau mal an, was für faszinierende Technik es heutzutage gibt!“ Doch kaum ein Journalist habe wirklich kritische Fragen gestellt und z.B. Zugang zu den Studien verlangt, die die Wissenschaftlichkeit von Precire angeblich belegen.

Gefährliche Emotions- und Motivationserkennung per Sprachanalyse

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Das Fazit der Laudatorin und Datenschutzaktivistin Rena Tangens ist eindeutig: „Emotions- und Motivationserkennung per Sprachanalyse ist gefährlich, denn sie kann ohne unser Wissen irgendwo im Hintergrund passieren, wann immer wir sprechen. Diese Art der Sprachanalyse ist geradezu darauf angelegt, uns zu übervorteilen. So werden die einzelnen Menschen immer ohnmächtiger und unangreifbare Macht wandert immer mehr zu großen Konzernen, Versicherungen, Banken und staatlichen Stellen, die Zugriff auf unsere Daten und solche Technologie haben.“

Die BigBrotherAwards prämieren Datensünder in Wirtschaft und Politik. Die „Auszeichnungen“ werden in 19 Ländern vergeben. In Deutschland werden sie organisiert und ausgerichtet von Digitalcourage, einem gemeinnützigen Verein, der sich seit 1987 für Grundrechte und Datenschutz einsetzt.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2019. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ausführlicher Bericht zum BigBrotherAward in der Kategorie Kommunikation

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