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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

11. Juli 2019

Größere Familienunternehmen als Arbeitgeber doch nicht so gut?

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Familienunternehmen gelten vielfach als die besseren Arbeitgeber. Doch im Hinblick auf größere Familienunternehmen ist das möglicherweise ein Mythos. Das zeigt ein gemeinsames Forschungsprojekt der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie der Universität Trier, bei dem Wirtschaftswissenschaftler rund 198.000 veröffentlichte Mitarbeiter-Bewertungen auf der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu.com ausgewertet haben.

Auswertung von 188 größeren Familienunternehmen

Familienunternehmen sind von sich selbst als Arbeitgeber überzeugt. So heißt es in einer Publikation der „Stiftung Familienunternehmen“: Eine überwältigende Mehrheit der Bewerber ordne die gute Arbeitsatmosphäre sowie einen kooperativen Führungsstil eher Familien- als Nicht-Familienunternehmen zu. Doch stimmt diese Bild?

Um diese Frage zu ergründen, werteten die Wirtschaftswissenschaftler Michael Graffius (HWR Berlin) und Christopher Hansen (Universität Trier) Mitarbeiter-Bewertungen von 788 größeren Unternehmen aus. Als Familienunternehmen galten dabei Unternehmen, die sich zu mehr als 50 Prozent in Familienbesitz befinden und mindestens ein Familienmitglied im Management haben. Zudem mussten sie einen Jahresumsatz von mindestens 200 Millionen Euro haben.

Familienunternehmen schnitten leicht schlechter ab

Die Forscher verglichen die Bewertungen von Familienunternehmen mit denen der Nicht-Familienunternehmen. Größere Familienunternehmen erzielen nach dieser Analyse im Mittelwert einen Kununu-Score von 3,22. Nicht-Familienunternehmen von 3,37. Familienunternehmen stehen also leicht schlechter dar. In ausnahmslos allen Qualitätskriterien schnitten sie schlechter ab. Die geringste Zufriedenheit ließ sich in den Kategorien Kommunikation, Karriere und Vorgesetztenverhalten feststellen.

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 „Auch größere Familienunternehmen pflegen als Arbeitgeber das Selbstbild als Mittelstand“, sagt Michael Graffius. Sie schmückten sich mit den Attributen der Kleinen („Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter.“), obwohl die Strukturen längst andere sind. Sein Kollege Christopher Hansen ergänzt: „Auf der einen Seite mag es stimmen, dass der Kontakt zwischen Mitarbeitern und Unternehmensführung aufgrund einer langen gemeinsamen Zusammenarbeit oft persönlicher ist. Auf der anderen Seite sind viele Familienunternehmen aufgrund der hohen Machtkonzentration in der Person des Eigentümer-Managers aber auch sehr patriarchalisch geprägt.“ Zieht sich die Familie aus der operativen Leitung zurück, haben die Wissenschaftler festgestellt, werden die Unterschiede zwischen großen Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen wieder geringer. 

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2019. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Pressemeldung von Kununu

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