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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

4. Juli 2019

Praktikanten: Aus den Augen, aus dem Sinn

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Deutsche Arbeitgeber beklagen zwar den Fachkräftemangel, vernachlässigen allerdings die Kontaktpflege zu jungen Talenten, die bereits im Unternehmen ein Praktikum geleistet haben. Das ist ein Ergebnis des aktuellen „Future Talents Report“, den die Unternehmensberatung CLEVIS Consult im Rahmen des „Future Talents Forum 2019“ in Berlin vorstellte. Für ihre Studie, in den letzten acht Jahren als CLEVIS Praktikantenspiegel veröffentlicht, wurden 7.664 Talente befragt.

Demnach sind 90 Prozent der Berufsstartenden nach dem ersten Kennenlernen eines Arbeitgebers im Rahmen eines Praktikums an einer Stelle interessiert. Diese Rekrutierungschance verpassen allerdings 49 Prozent der Unternehmen, indem sie keinen Kontakt zu ihren ehemaligen Praktikanten halten. In kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) liegt der Anteil gar bei alarmierenden 61 Prozent.

Kontakt zu Talenten bricht oft bereits am letzten Arbeitstag ab

In vielen Unternehmen beginnt der Abbruch des Kontaktes zu den „Future Talents“ bereits in den letzten Tagen eines Praktikums. Denn nur in 40 Prozent der Fälle endet das Arbeitsverhältnis mit einem abschließenden Feedbackgespräch. Auch Alumni-Netzwerke als Kontaktpflege-Tool sucht man in Zeiten der Digitalisierung in den meisten Unternehmen vergebens. Nur jede zehnte Nachwuchskraft wird über ein solches an den Arbeitgeber gebunden. In den besonders gefragten MINT-Fächern ist es sogar nur jede zwanzigste Nachwuchskraft. Auch die Gelegenheit talentierte Absolventen über Abschlussarbeiten zu binden, nutzen wenige Arbeitgeber – jeder sechste Konzern und nur zehn Prozent der KMU´s.

„Die Kommunikation zu jungen Talenten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist besorgniserregend schlecht. Zwar unternehmen Arbeitgeber erhebliche Anstrengungen, um sie während eines Praktikums von sich zu überzeugen. Allerdings operieren sie anschließend nach dem Motto ‚Aus den Augen aus dem Sinn‘. So drängt sich der Eindruck auf, dass der oft beklagte Fachkräftemangel auch ein hausgemachtes Problem vieler Unternehmen ist“, so Kristina Bierer von CLEVIS Consult, dem Betreiber der Studie.

Überstunden schon in der Kennenlernphase – auch in Mangelberufen

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Ob junge Talente zufrieden mit ihrem Praktikum sind, hängt in erster Linie mit der Anleitung ihres Arbeitsverhältnisses zusammen. Hier gilt: Wer zufrieden mit seiner Führungskraft ist, kann sich auch eine erneute Bewerbung beim jeweiligen Unternehmen vorstellen. Im Umkehrschluss ist der Anteil derjenigen, die sich nicht noch einmal bei einem Arbeitgeber bewerben würden vor allem dann groß, wenn schwache Führungsarbeit geleistet wurde. Ein Risiko stellt zudem die fehlende Flexibilität in Sachen Arbeitszeit dar. So leistet derzeit jeder dritte Praktikant Überstunden. In vielen Mangelberufen ist der Anteil sogar noch höher. 40 Prozent der Maschinenbauer, 41 Prozent der Wirtschaftsingenieure und gar 52 Prozent der Chemiker arbeiten demnach schon in der beruflichen Kennenlernphase zwischen Arbeitgeber und -nehmer länger als acht Stunden täglich. „Wir haben festgestellt, dass die Zufriedenheit mit einem Praktikum sinkt, je höher der Anteil der Überstunden ist. Demgegenüber steht das ausgeprägte Bedürfnis der Generation Z nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Diesen Spagat sollten Arbeitgeber beispielsweise durch flexible Arbeitszeitmodelle schon in der beruflichen Orientierungsphase bewältigen“, so Kristina Bierer.

Über die Studie

Für den „Future Talents Report“ wurden im Zeitraum von Mai bis November 2018 7.664 Teilnehmer befragt, die einen Fragebogen von 74 Fragen rund um ihre Praktikumserfahrung beantworteten. Dabei ging es um die Merkmale des jeweiligen Arbeitsverhältnisses, die Arbeitgeberqualität, das Markenimage sowie demografische Daten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2019. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

www.clevis.de/future-talents

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