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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

28. Mai 2019

Bei Berlitz sind 72 Prozent aller Führungskräfte Frauen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Weit abgeschlagen liegt Deutschland im EU-Vergleich, wenn es darum geht, wie viele, besser gesagt, wie wenig Frauen in Führungspositionen tätig sind. Magere 29,4 Prozent sind es in Deutschland und liegt damit auf dem 20.ten Platz weit abgeschlagen hinter Lettland, Polen, Slowenien, Schweden und Ungarn, in denen rund 40 Prozent und mehr aller Führungskräfte weiblich sind.

Frauen in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert

Am 28. Mai ist Diversity-Tag. Er soll darauf aufmerksam machen, dass Frauen, obwohl sie 50 Prozent der Bevölkerung stellen, in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert sind. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Beim Bildungsdienstleister Berlitz, der bundesweit an 55 Standorten präsent ist, sind 72 Prozent aller Führungspositionen mit Frauen besetzt. Personalleiterin Ina Meyer sagt manchmal schon augenzwinkernd: „Wir sollten vielleicht eine Männerquote einführen.“

Die 2.000 Beschäftigten kommen aus 40 Ländern, die neue Sales-Mitarbeiterin in Ulm beispielsweise aus dem Iran, die Koordinatorin in Kassel für den Geschäftsbereich mit Behörden und Ämtern stammt aus Mexiko und aus Marokko nach Frankfurt am Main umgezogen ist eine Trainings-Koordinatorin.

Auch ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden weiter beschäftigt. Vor allem im Lehrbereich für Fremdsprachen und fachliche Fortbildung beträgt der Anteil der über 60jährigen acht Prozent. In München beispielsweise unterrichtet ein 70jähriger immer noch italienisch und in Stuttgart ein 67jähriger Amerikaner Englisch.

Familie und Karriere lassen sich bei Berlitz auch unter einen Hut bekommen. Die Niederlassung in Bielefeld beispielsweise wird von einer Frau geleitet, die in Teilzeit arbeitet.

Bereicherung für Kundschaft und Mitarbeitende

Für die Kunden und alle Beschäftigten sei es bereichernd, wenn Männer und Frauen, Alte und Junge, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen zusammenarbeiten. Dass die Fluktuationsquote nur bei 10 Prozent liegt, führt Meyer auf das gute Betriebsklima zurück, das direkt mit der im Betrieb gelebten Diversität zusammenhänge. Knapp die Hälfte der Beschäftigten sei bereits über zehn Jahre im Unternehmen beschäftigt. Auf über 30 Jahre kommen immer noch sieben Prozent.

Meyer sieht folgende Gründe, warum Deutschland in dem EU-Ranking für weibliche Führungskräfte so schlecht abschneidet: „Viele Firmen haben noch nicht die Vorteile erkannt, die eine konsequente Diversity-Offenheit mit sich bringt.“ Die Quote erwerbstätiger Frauen sei in Deutschland niedriger als die der Männer und die familientraditionelle Rollenerwartung immer noch ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern. Meyer, Mutter von zwei kleinen Kindern, weiß, wovon sie spricht. Ihr Mann hat beide Elternzeiten übernommen und zwar als einziger in dem Unternehmen, in dem er arbeitet.

Ändern sollte sich aus Meyers Sicht folgendes: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte über das Elterngeld hinausgehen, beispielsweise auch Angebote für die Betreuung von Kleinstkindern geschaffen werden. „Und Frauen können ruhig selbstbewusster auftreten im Beruf. Ausbildungsbezogen sind sie genauso gut wie Männer, doch in Bezug auf Karriere liegen sie deutlich hinten.“

Charta der Vielfalt unterzeichnet

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Berlitz hat auch die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Das ist eine Arbeitgeberinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Seit ihrer Gründung im Dezember 2006 haben bereits 3.000 Betriebe mit insgesamt 10,4 Millionen Beschäftigten die Charta der Vielfalt unterzeichnet.

Ziel der Initiative ist es, die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Arbeitswelt in Deutschland voranzubringen. Organisationen sollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeitenden sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, geschlechtlicher Identität, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2019. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Frauen in Führungspositionen im EU-Vergleich

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