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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

15. November 2018

Personaler informieren sich online über Bewerber

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Zwei von drei Unternehmen (63 Prozent) informieren sich in sozialen Netzwerken über Stelleninteressenten. Im Fokus stehen dabei vor allem beruflich ausgerichtete Plattformen wie Xing und LinkedIn (53 Prozent). Aber immerhin 30 Prozent informieren sich auch in eher privat ausgerichteten Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Bitkom Research GmbH, ein Tochterunternehmen von Bitkom e.V. unter 304 Personalverantwortlichen durchgeführt hat. Bereits zum fünften Mal vergleicht die Social Media Personalmarketing Studie Kandidaten- und Unternehmensseite.

Schwerpunkt soziale Netzwerke

„Die Zeiten, in denen Social-Media-Auftritte eine klassische Bewerbung lediglich ergänzen, gehen zu Ende, sagt Dr. Bernhard Rohleder von Bitkom. Immer mehr Unternehmen suchen schwerpunktmäßig über soziale Netzwerke neue Mitarbeiter und begnügen sich mit den dort hinterlegten Informationen für den Start eines Bewerbungsverfahrens. 2015 informierten sich nur 46 Prozent in sozialen Netzwerken, 2013 erst 23 Prozent. Ein Prozent der Unternehmen achten dabei besonders auf fachliche Qualifikation, 67 Prozent auf Äußerungen zu Fachthemen und 53 Prozent auf Äußerungen zu Unternehmen oder Wettbewerbern. 34 Prozent achten besonders auf Hobbys und private Aktivitäten, 16 Prozent auch auf politische Ansichten.

Soziale Netzwerke bieten andere Informationen

Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass Unternehmen in den sozialen Netzwerken Daten erheben, nach denen in Personalgesprächen nicht oder nur unter besonderen Umständen gefragt werden darf. 24 Prozent der Personalverantwortlichen gaben in der Umfrage an, Bewerber wegen ihrer Einträge in sozialen Netzwerken nicht eingestellt oder erst gar nicht in die engere Auswahl genommen zu haben. Solange es sich um über Suchmaschinen frei verfügbare Inhalte handelt, die ohne Anmeldung bei Facebook und Co. frei abrufbar sind, ist das erlaubt.

Verantwortungsvolle Selbstkontrolle in sozialen Netzwerken

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Das Interesse von Firmen, mehr über private Aktivitäten von Bewerbern zu erfahren, sei es Sport (positiv) oder die regelmäßige Teilnahme an Pokerturnieren (negativ konnotiert), sei es die Art sich zu kleiden oder wie er sich über frühere Arbeitgeber äußert, ist nachvollziehbar. Dennoch hält der Psychologe Dr. Markus Langer von der Universität des Saarlandes diese Nachforschungen für bedenklich. Während die Personalabteilungen eine weitere Zunahme des Digitalisierungsgrades erwarten, stehen die Kandidaten der Bitkom-Studie zufolge dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Chatbots und Co. im Recruiting-Prozess skeptisch gegenüber. Zu einer vergleichbar kritischen Sicht, auch auf die eigene Präsenz, in privat ausgerichteten sozialen Netzwerken rät Markus Langer. Niemand werde Usern die verantwortungsvolle Selbstkontrolle abnehmen. Und auch Unternehmen würden am ehesten vom Fischen nach privaten Details in trüben Gewässern ablassen, wenn Bewerber deutlich machten, dass sie Arbeitgeber auch an transparenten Einstellungskriterien messen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Bitkom Research GmbH und Bitkom e.V. (2018). Social Media & Social Messaging 2018. Hier online verfügbar

Certo Gmbh Verlag und Mediaberatung. (2018). Zwei von drei Personalern informieren sich online über Bewerber. In Personalintern, 14(40), S. 5

Im Themenschwerpunkt „Alles digital?“ stehen neue Erkenntnisse zu veränderter Identitätsbildung durch Digitalisierung, neuen digitalen Feedbackmethoden und Robot Recruiting in der Personalauswahl.

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