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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

8. November 2018

Auch Frauen haben Vorurteile gegenüber Frauen in Führungspositionen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Wie verbreitet sind Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte, und wie ehrlich antworten Teilnehmende an Umfragen bei diesem Thema, wenn sie fürchten müssen, ihre Meinung würde bekannt? Diesen Fragen sind Dr. Adrian Hoffmann und Prof. Dr. Jochen Musch vom Institut für Experimentelle Psychologie der der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) in einer Studie nachgegangen. Sie wird in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Sex Roles“ veröffentlicht.

Selbstberichte in Fragebögen sind anfällig für Verzerrungen

Um die Verbreitung von Vorbehalten gegenüber weiblichen Führungskräften zu messen, werden in Umfragen oft einfache Selbstberichte erhoben. Die Forschung mit solchen Umfragen hat dazu beigetragen, viele Aspekte von Vorurteilen gegenüber Frauen in Führungspositionen besser zu verstehen. Die Ergebnisse solcher Studien sind jedoch anfällig für Verzerrungen durch die mangelnde Bereitschaft zu ehrlichen Antworten, insbesondere wenn diese gegen soziale Normen verstoßen.

Um solchen Verzerrungen entgegenzuwirken, sammelten die Düsseldorfer Psychologen die Antworten von 1.529 deutschen Studierenden. Sie stellten diesen entweder eine konventionelle direkte Frage oder eine indirekte Frage im sogenannten „Crosswise“-Format. Diese fortgeschrittene Befragungstechnik beruht auf einer Zufallsverschlüsselung und garantiert den Befragten die Vertraulichkeit ihrer Antworten auf Fragen zu sensiblen Themen. Tendenzen zur positiven Selbstdarstellung wurde auf diese Weise entgegengewirkt. Die Antworten aus beiden Frageformaten wurden später verglichen.

„Crosswise“-Befragungsformat fördert mehr Vorurteile zu Tage

Die Ergebnisse im „Crosswise“-Befragungsformat zeigen, dass deutlich mehr Menschen Vorbehalte gegen weibliche Führungskräfte haben als direkte Fragen dies nahelegen (37 Prozent gegenüber 23 Prozent). Dies kann daran liegen, dass mehr Teilnehmer bereit sind, Vorbehalte gegen weibliche Führungskräfte einzuräumen, wenn ihnen die Vertraulichkeit ihrer Antworten garantiert wird.

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Bei voller Vertraulichkeit gaben 28 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer an, Frauen im Vergleich zu Männern weniger Führungsqualitäten zuzuschreiben. Zweifel gegenüber weiblichen Führungskräften waren in beiden Befragungsformaten bei Männern stärker verbreitet. Bei Frauen stieg der Anteil der Antworten, in denen ein Vorbehalt berichtet wurde, beim Wechsel von einer direkten Frage zu einer Frage im „Crosswise“-Format allerdings deutlich stärker an (10 Prozent gegenüber 28 Prozent) als bei Männern (36 Prozent gegenüber 45 Prozent).

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen mehr Schwierigkeiten als Männer damit haben, Vorbehalte gegenüber weiblichen Führungskräften offen zu äußern. Möglicherweise fühlen Frauen sich dazu verpflichtet, sich mit anderen Frauen zu solidarisieren“, erklärt Dr. Hoffmann. Die Vorbehalte beider Geschlechter gegen weibliche Führungskräfte lassen Prof. Musch zufolge erwarten, dass Frauen auf Führungspositionen möglicherweise auch künftig seltener sein werden, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Hoffmann, A. & Musch, J. (2018). Prejudice against women leaders: Insights from an indirect questioning approach. Sex Roles (79) 486, 1-12. Hier online verfügbar

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