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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

11. Oktober 2018

Sexuelle Orientierung – Offenheit schafft Arbeitszufriedenheit und steigert die Leistung

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Etwa zehn Prozent der EU-Bürger und -Bürgerinnen identifizieren sich als lesbisch, schwul oder bisexuell, transgender oder intersexuell (LGBTI). Das wären in einer Firma mit 30.000 Beschäftigten ungefähr 3.000 Menschen. Viele der Betroffenen müssen Tag für Tag immer wieder abschätzen, ob ein Outing vielleicht ihrer beruflichen Laufbahn schaden könnte. Diese Abschätzung gelingt sehr selten mit hundertprozentiger Sicherheit.

Unternehmen profitieren von offenem Umgang mit sexueller Identität

Die Zahl der Betroffenen, die am Arbeitsplatz offen mit ihrer sexuellen Identität umgehen, hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Knapp ein Drittel spricht mit Kolleginnen und Kollegen offen über dieses Thema. 30,5 Prozent sprechen mit niemandem oder nur sehr wenigen Personen über das Thema. Das waren 2007 noch 51,9 Prozent. Drei von 4 Befragten geben an, bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt zu haben. Das ergab die unter Leitung des Psychologen Dr. Dominic Frohn 2017 durchgeführte Studie „Out im Office?!“ des Instituts für Diversity und Antidiskriminierungsforschung (IDA) in Kooperation mit der Hochschule Fresenius und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. So habe sich die Arbeitssituation nicht nur für die LSBT-Beschäftigten verbessert, sondern es hätten auch die Unternehmen profitiert, sagt Frohn. „Denn die Zahlen belegen: Je selbstverständlicher die Beschäftigten mit ihrer sexuellen Identität umgehen können, desto höher sind ihre Arbeitszufriedenheit und Verbundenheit mit dem Unternehmen.“

Vermeidungsverhalten kann schwerwiegende Folgen haben

Arbeits- und Organisationspsychologinnen und -psychologen weisen zudem darauf hin, dass ein Vermeidungsverhalten schwerwiegende Folgen haben kann. Was mit Ausreden und Kontaktvermeidung beginnt, endet oft mit Ausgrenzung nicht nur bei Treffen im Kollegenkreis, sondern kann auch zu geschäftlichen Entscheidungen ohne sie oder zu einer ausbleibenden Beförderung führen. Wer sich ständig versteckt, kann kaum beste Performance bei der Arbeit liefern.

Grund genug auch für Unternehmen, das Thema  sexuelle Orientierung nicht totzuschweigen, sondern Mitarbeitern die Sicherheit zu geben, die sie brauchen um stressfrei mit ihrer Sexualität umzugehen. In der Belegschaft gilt es das Bewusstsein für die Thematik zu schärfen und nicht nur Richtlinien zu formulieren. Anfangen sollte man damit bei der Unternehmensleitung. Erst danach sollten Führungskräfte in ihren Teams gezielte Aufklärung betreiben und schließlich gemeinsam überlegen, wie man eine Atmosphäre schaffen kann, in der niemand sich gezwungen sieht, einen wichtigen Teil seiner Persönlichkeit zu verleugnen.

Gute Erfahrungen mit firmeneigenen LGBTI-Netzwerken

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Die Firma Bosch hat damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Bereits Ende 2006 haben sechs Angestellte des Unternehmens das Bosch-LGBTI-Netzwerk RBgay gegründet. „RBgay trägt zu unserer offenen Unternehmenskultur bei, in der Beschäftigte authentisch sein können und wertgeschätzt werden – egal, welche sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sie haben“, sagt Christoph Kübel, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Inzwischen hat das Netzwerk über 400 Mitglieder in Europa, Asien und Amerika. Sie setzen sich dafür ein, die LGBTI-Arbeitskräfte zu vernetzen, Berührungsängste abzubauen und die Sichtbarkeit im Unternehmen zu erhöhen. Sie tragen zu einem vorurteilsfreien Arbeitsumfeld bei. Mathias Reimann, Sprecher des Netzwerks, erklärt: „Wir arbeiten daran, eventuelle Berührungsängste in der Belegschaft abzubauen und aufzuzeigen, dass Bosch hinter seinen Mitarbeitenden steht.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Certo GmbH Verlag und Medienberatung (Hrsg.). 2018. PERSONALintern, 14(34), S. 4.

Certo GmbH Verlag und Medienberatung (Hrsg.). 2018. PERSONALintern, 14(35), S. 3.

Frohn, D., Meinhold, F. & Schmidt, C. (2017). „Out im Office?!“ Sexuelle Identität und Geschlechtsidentität, (Anti-)Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz. Köln: IDA – Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung (Hrsg.).

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