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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

27. September 2018

Arbeitsmails checken – auch nach Feierabend?

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes greift mittlerweile fast jeder Zweite von zu Hause auf seine Arbeitsmails zu – besonders häufig über das Smartphone. Die Technik erlaubt eine flexible Arbeitsorganisation ohne räumliche und zeitliche Grenzen. Wer diese Möglichkeiten allerdings unbedacht nutzt, riskiert unerwünschte Folgen für die psychische Gesundheit, wie eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung zeigt.

Tagebuchstudie zur beruflichen Smartphone-Nutzung nach Feierabend

Arbeitspsychologinnen und -psychologen des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) haben untersucht, wie sich die berufliche Smartphone-Nutzung nach Feierabend auf das psychische Wohlbefinden am nächsten Arbeitstag auswirkt. Hierzu haben sie eine Tagebuchstudie durchgeführt, bei der die Teilnehmenden über zehn Arbeitstage zweimal täglich Online-Fragebögen ausfüllten. Jeden Morgen sollten sie angeben, wie intensiv sie ihr Smartphone am Abend zuvor für berufliche Zwecke genutzt hatten und wie ihr Schlaf in der Nacht war. Am Nachmittag wurden sie nach ihren Arbeitsaufgaben und aktuellen Erschöpfungssymptomen gefragt.

Die Studie bestätigt: Mobil erreichbar zu bleiben ist belastend. Es kostet viel Energie, zwischen den Rollen als Arbeitskraft und als Privatperson hin- und herzuwechseln. Denn die Rollen sind mit verschiedenen Erwartungen von Unternehmen einerseits sowie von Familie und Freunden andererseits verbunden. Gleichzeitig müssen Aufmerksamkeit und Konzentration aufrechterhalten werden. Dieses Wechselspiel kann schnell die persönlichen Kapazitäten übersteigen.

Auswirkungen auf nächsten Arbeitstag

Wie die Studie belegt, wirkt sich der beruflich motivierte Griff zum Smartphone unmittelbar auf den nächsten Tag aus. Verlangt der Job am nächsten Tag, dass wir unsere Impulse kontrollieren, Ablenkungen widerstehen oder innere Widerstände überwinden, nehmen wir diese Anforderungen als deutlich belastender wahr als an anderen Tagen. Als Folge fühlen wir uns überproportional stark erschöpft. „Berufliche Smartphone-Nutzung in der Freizeit wie auch viele Aufgaben während der Arbeitszeit erfordern, dass wir uns kontrollieren und unser Verhalten an die aktuelle Situation anpassen. Solche „Selbstkontrollprozesse“ kosten Energie. Ist die erschöpft, sinkt unsere Leistungsfähigkeit“, erklärt IfADo-Studienautorin und Arbeitspsychologin Lilian Gombert.

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Doch nicht jeder Griff zum Firmen-Smartphone werde zum Problem. Bei Testpersonen, die trotz des mobilen Weiterarbeitens gut schliefen, werde das Wohlbefinden am nächsten Tag nicht beeinflusst. Den Grund dafür sieht die Arbeitspsychologin in der Qualität des Schlafes, der generell eine wichtige Rolle für die Erholung spielt. „Wenn ein Projekt fertig werden muss, lässt es sich nicht immer vermeiden, auch nach Feierabend noch E-Mails zu beantworten. Dann sollte man aber darauf achten, gut und ausreichend lang zu schlafen“, so Gombert. Dabei helfen könnten feste Schlafroutinen – zum Beispiel jeden Tag zur selben Zeit ins Bett zu gehen.

Unternehmen empfiehlt Lilian Gombert nachvollziehbare Regeln dafür aufzustellen, wie das Smartphone für berufliche Zwecke genutzt werden soll. Dieser Appell richtet sich insbesondere an Führungskräfte, die Richtlinien und Erwartungen für die Erreichbarkeit nach Feierabend kommunizieren, aktiv mittragen und selbst einhalten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Gombert, L., Konze, A.-K., Rivkin, W. & Schmidt, K.-H. (2018). Protect Your Sleep When Work is Calling: How Work-Related Smartphone Use During Non-Work Time and Sleep Quality Impact Next-Day Self-Control Processes at Work. International Journal of Environmental Research and Public Health, 15(8), 1757. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.3390/ijerph15081757

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