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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

13. September 2018

Klassische Talentförderung funktioniert nicht mehr

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Talentmanagement hat in Deutschland nicht den Stellenwert, den es heutzutage braucht. Diese Auffassung vertritt der Psychologe Armin Trost, Professor für Human Ressource Management an der Hochschule Furtwangen. Gegenüber der Zeitschrift „Harvard Business Manager“ beschreibt er die Lage aus einer sehr kritischen Perspektive.

Toxische Herangehensweise

„Die klassischen Talentmanagementsysteme haben im Grunde das Ziel, Bestehendes zu reproduzieren. Diese Herangehensweise ist toxisch. Für Teammitglieder, die diesem Bild nicht entsprechen, bleibt da kein Raum.“ Viele Talente gehen Unternehmen auf diese Art verloren oder bleiben unerkannt, ist Armin Trost überzeugt. Wer jemanden für ein High-Potential-Programm vorschlage, habe Angst, einen geschätzten Untergebenen langfristig zu verlieren. Deshalb nominierten viele Chefs lieber schwächere Kandidaten. Ganz anders ist Bill Gates vorgegangen, der darauf bestand, die Kandidaten für solche Programme persönlich kennenzulernen. Talentmanagement wurde dadurch enorm aufgewertet.

Anderes Führungsverständnis notwendig

In agilen Unternehmen, in denen Angestellte ihre Aufgaben selbst gestalten und Verantwortung übernehmen, braucht es nach Trosts Erkenntnis ein ganz anderes Führungsverständnis. „Es geht darum sich einzubringen, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Wer das schafft, kommt weiter. Karriere bedeutet nicht mehr wie früher, die nächste Ebene zu erklimmen.“ Das heiße aber auch, die traditionelle Personalarbeit zu verändern. Noch werde meist das Individuum beurteilt und aus Kollegen würden Wettbewerber gemacht. Das gilt Trost zufolge auch für die Entlohnungssysteme, die sich in vielen Unternehmen noch immer um die Einzelleistung drehen. Wenn man Teams fördern will, so der Psychologe, muss man das ändern. Einige Unternehmen wie Bosch verzichten mittlerweile auf individuelle Boni. Sie einfach durch Anreizsysteme für Gruppen zu ersetzen, bringe nichts, solange man die Gruppenleistung nicht in den Vordergrund rückt.

Stärkung der Eigeninitiative

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Trosts Vorstellung von einem guten Talentmanagement beginnt mit der Stärkung der Eigeninitiative. Wenn jemand mit einer Idee zu seinem Chef kommt, und der sagt: ‚Mach mal eine Präsentation, dann entscheiden die übergeordneten Abteilungen‘, dann fördere das die Eigeninitiative auf keinen Fall. Warum nicht sagen: ‚Super, leg einfach mal los, besorg Dir, was du brauchst. Und wenn du Hilfe benötigst, melde dich.‘ „Das wäre ein guter Anfang“, so meint der Psychologe. „Dann müssen wir eines Tages nicht mehr über Talentmanagement reden.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Trost, A. (2018). Warum versagen Unternehmen beim Talentmanagement? Harvard Business Manager Spezial 2018: Talente. Hamburg: manager magazin Verlagsgesellschaft mbH.

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Im Themenschwerpunkt „Macht und Ohnmacht“ stehen neue Erkenntnisse zu Agilität und Macht, die Auswirkungen von Hierarchien, Macht als Problematik im Coaching sowie der Ohnmacht gegenüber Fake News.

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