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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

16. August 2018

Mehrwert beim Bau durch psychologische Expertise

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Es ist noch gar nicht so lange her, da kamen Unternehmen auf die Idee, die personengebundenen Arbeitsplätze abzuschaffen. Menschen arbeiteten schließlich öfter in Teilzeit, zunehmend auch von zuhause oder unterwegs. Die Digitalisierung machte es möglich. Es schien sinnvoll und ökonomisch vorteilhaft. Es dauerte einige Jahre bis man erkannte, dass so keine tragfähige, die Leistung fördernde Arbeitssituation entsteht. Warum das so ist und worin eine gute Alternative besteht, hat Andreas Hegenbart, Innenarchitekt und Diplompsychologe aus Konstanz, jüngst beim Landestag der Psychologie in Stuttgart erläutert.

Bedürfnis nach Privatheit

„Diese Art Büros ignoriert das Bedürfnis nach Privatheit und Territorialität, zudem das Bedürfnis, sich einen Raum anzueignen und darin heimisch zu fühlen“, sagt Hegenbart. Er sieht darin keine produktivitätsfördernde Bürogestaltung. Sie sei auch nicht hilfreich, wenn man Arbeitskräfte an das Unternehmen binden wolle. Doch setze sich diese Einsicht nur ganz allmählich durch.
In der Realität werden wichtige Wünsche des Auftraggebers oder andere Einflussfaktoren erst im Verlauf des Planungs- und Bauprozesses sichtbar. Dann kann es passieren, dass es für manche sinnvolle Baumaßnahmen bereits zu spät ist. Als freischaffender Innenarchitekt mit handwerklicher Ausbildung kennt Andreas Hegenbart die in der Bau- oder Umbauphase auftretenden Problemfelder aus langjähriger Praxis. Und als Diplompsychologe mit den Schwerpunkten Architektur-, Kommunikations- und Wirtschaftspsychologie hat er Wege gefunden, damit konstruktiv und kreativitätsfördernd umzugehen.

Qualität des Arbeitsplatzes ist wichtig

„Es wächst das Verständnis dafür, dass die Qualität des Arbeitsplatzes sich mehr und mehr in Qualität der Arbeit niederschlägt. Auch positive Wirkungen auf die Gesundheit werden erkannt.“ Umgekehrt bleibe mangelnde Qualität des Arbeitsplatzes nicht wirkungslos auf das Arbeitsergebnis. Mitarbeitende sähen in der Arbeitsplatzgestaltung das ihnen zur Verfügung gestellte Werkzeug. Taugt es zum effektiven Arbeiten? Taugt es, um Freude an der Arbeit zu fördern, ihre Gesundheit bei der Arbeit zu erhalten? Natürlich tragen – so Hegenbart – dazu neben dem Raum auch noch andere Faktoren bei, aber der Raum sei wichtig. „Ist er geeignet, sich rasch austauschen zu können mit Vorgesetzten, Kollegen und Beratern? Lässt er es zu, dass man sich für kreative Aufgaben auch mal zurückziehen kann? Ist Platz für diskrete Gespräche?“ Scheinbare Kleinigkeiten wie diese tragen nach Hegenbarts Auffassung wesentlich zum Erfolg bei. Nur leider mangele es noch an validen Studien.

Rücksicht auf Biorhythmus

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Die aktuelle Arbeitsmarktlage, in der um gute Fachleute gerungen werden muss, wird zu positiven Veränderungen in Wissenschaft und Praxis führen, ist Hegenbart überzeugt. Und aktuelle Entwicklungen geben ihm Recht. So sind einige Unternehmen bereits bemüht, dem biologischen Rhythmus ihrer Mitarbeiter Rechnung zu tragen und ihnen für die ungestörte Arbeit an komplexen Prozessen morgens andere Räume zur Verfügung zu stellen als für die Zeit ab Mittag, wenn die Konzentration nachlässt und man für eine kommunikative Phase eher ein Großraumbüro oder jedenfalls einen Platz für mehrere Beschäftigte benötigt. Nicht alle Konzepte passen für jede Firma, Behörde und vor allem Aufgabenstellung. Aber der Mehrwert, den psychologische Expertise beim Bauen und Umbauen schafft, wird zunehmend erkannt.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Hegenbart, A. (im Druck). Facetten von Affordanzen gebauter Umwelt: Eine perspektivendifferenzierte Fallanalyse eines Innenraumes für kommunale Dienstleistungen. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH.

www.andreashegenbart.de

www.dieinnenarchitekten.de

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