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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

26. Juli 2018

Führen und begleiten in der VUKA-Welt

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Viele Führungskräfte erfahren ihre aktuelle Situation als volatil, unsicher, komplex und ambigue. Das Akronym „VUKA“ benennt diese Welt der häufigen Veränderungen, der geringen Vorhersagbarkeit, anspruchsvollen Verflechtungen und mehrdeutigen Faktenlage. Wie man trotzdem erfolgreich sein kann beschreiben Diplom-Psychologe Tobias Heisig und sein Geschäftspartner Alexander Wittwer von der international tätigen Unternehmensberatung Ceveyconsulting in PERSONALintern.

Resonanz, positiver Loop und Selbstbestimmung

Erfolgsdimensionen in der VUKA-Welt sind für Heisig und Wittwer Resonanz, positiver Loop und Selbstbestimmung. Ein permanentes Grundgefühl von Druck erschwere Teamwork. „Anstelle eines produktiven Wechselspiels entsteht unter dem Eindruck des gefühlten Notfallmodus die Versuchung, die Redezeit des anderen lediglich zur Vorbereitung der eigenen Gegenrede zu nutzen. Damit werde nicht anschlussorientiert kommuniziert. Eine Neigung zum Aktionismus sei zu beobachten. Führungskräfte sollten in dieser Situation den Mut zur Entschleunigung aufbringen und Resonanz ermöglichen. Es gelte aufzunehmen, was der andere sagt, dieses wertzuschätzen und mit eigenen Gedanken anzureichern: „Die dabei neu entstehenden Ideen werden an das Gegenüber zurückgespielt, so dass die andere Person ebenfalls Resonanz geben kann.“

Positive Absichten bei der Zielverfolgung unterstellen

Damit Informationen nicht auf Desinteresse oder Abwehr stoßen, gelte es, dem Gegenüber positive Absichten bei der Zielverfolgung zu unterstellen. Dabei geht es Heisig zufolge nicht um einen Kuschelkurs, sondern um einen konstruktiven und wenn nötig auch harten Dialog, in dem die gegebenenfalls konträre Meinung des Gegenübers als wertvoll gewürdigt und die kooperative Zusammenarbeit bekräftigt wird: „Wenn Sie gezielt die positiven Anteile aus der Reaktion des Gegenübers herausfiltern und diese explizit ansprechen, besteht eine große Chance, dass der andere bereit ist, aktiv an einer Lösung mitzuarbeiten.“ Heisig nennt das einen „positiven Loop“.

Entscheidungsprozesse brauchen Zeit

Beide Autoren unterstreichen, wie wichtig es für Führungskräfte ist, sich immer wieder bewusst zu machen, dass sie nicht Opfer der Umstände sind und immer Handlungsspielräume zur Gestaltung bestehen. Mitarbeiter dabei mitzunehmen erfordere einen Prozess des Überlegens und Nachdenkens. „Entscheidungsprozesse brauchen Zeit, in der, gerade in der VUKA-Welt, auch Zweifel zulässig sein müssen“, so Heisig und Wittwer. Es komme darauf an, innere Klarheit und Zielorientierung (Selbstbestimmung) mit Augenhöhe und Vertrauen (Resonanz und positiver Loop) zu kombinieren. „Dies widerspricht nicht selten unseren spontanen Impulsen, erst recht angesichts der Allgegenwart von Zeitknappheit, Handlungs- und Erfolgsdruck.“ Trotzdem sehen Heisig und Wittwer genau darin eine erfolgversprechende Methode zur Effizienz und Zufriedenheit in einem volatilen Umfeld.

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Auch dem Diplom-Psychologen und Coach Karl Kubowitsch, Geschäftsführer der Gesellschaft für Angewandte Psychologie – Karl Kubowitsch und Partner in Regensburg, begegnet die VUKA-Welt in seiner Praxis. Besonders unter der US-Präsidentschaft Donald Trumps hätten Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity zugenommen. „Unternehmen agieren auf volatilen Märkten, einige wissen nicht, ob ihr Geschäftsmodell weiter trägt. Märkte können einbrechen, Vorgaben aus der Politik können die Lage verändern“, so Kubowitsch im Gespräch mit „Wirtschaftspsychologie aktuell online“. Genau das geschehe bereits durch die Handelspolitik des US-Präsidenten. „Und dann ist da noch die in einer globalisierten Wirtschaft steigende Anzahl der Einflussfaktoren und deren Wechselwirkung untereinander (Complexity). Dies bedeutet in vielen Fällen steigende kognitive und emotionale Anforderungen, die eine bessere Performance nötig machen oder nötig erscheinen lassen. Mitarbeiter sind mit häufig wechselnden Aufgaben konfrontiert, Entscheidungen müssen rascher getroffen oder auch revidiert werden. Darauf muss ich mich als Coach einstellen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Heisig, T. & Wittwer, A. (2018). Führen im Strudel – Worauf es in der VUKA-Welt ankommt (Teil 1/2), Personalintern, 14 (26), S. 5.
Heisig, T. & Wittwer, A. (2018). Führen im Strudel – Worauf es in der VUKA-Welt ankommt (Teil 2/2), Personalintern, 14 (27), S. 4.

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